Enterprise 2.0 hat was mit Haltung zu tun, nicht mit Technologie

Wie ich neulich schon schrieb, bedarf es bei der Einführung des digitalen Arbeitsplatzes mehr als nur der Technologie. Diese Ansicht vertritt auch Stephan Grabmeier. Er arbeitet bei der Deutschen Telekom im Bereich Center of Excellence Enteprise2.0. Als Referent beim IOM SUMMIT durften wir ihn zum Thema Social Organization, Enterprise 2.0 und die Einführung solcher Initiativen sowie den damit verbundenen Herausforderungen bei der Deutschen Telekom interviewen.

Herr Grabmeier – Sie sind Referent beim kommenden IOM SUMMIT und berichten uns über die Fortschritte der Telekom auf dem Weg zur “Social Organization”. – Können Sie uns mit drei Stichworten skizzieren, was die Telekom unter der “Social Organization” versteht?

Wir verbinden damit die Transformation zur Enterprise 2.0. Dazu haben wir eine E2.0-Strategie verankert, die die Veränderung der Information, Interaktion und Kommunikation einerseits nach außen zu unseren Kunden, Partner, Lieferanten als auch nach innen bei unseren Mitarbeitern vorsieht.

Wie ist man bei der Telekom zu dieser Projektausrichtung gekommen? War das ein evolutionärer Prozess oder eine disruptive Entscheidung?

Es war in der Erarbeitung ein stark basisorientierter Prozess, der mittlerweile top-down getragen wird. Wir haben aus einer Community von 2.0-Verantwortlichen und Social Media Vorreitern gemeinsam eine Handlungsempfehlung für den Vorstand entwickelt. Daraus hat der Vorstand die Genehmigung für das Center of Excellence Enteprise2.0 erteilt. Dies haben wir als moderierendes Gremium für die Konzern-Transformation etabliert. Die Entscheidung zur Projektausrichtung war bedarfsorientiert. Die Umsetzung und die Veränderungen der Arbeitsweisen sind in Teilen disruptiv.

Wo stehen Sie in der Umsetzung und was sind für Sie die größten Herausforderungen auf dem Weg?

Wir haben in den letzten Jahren viele Experimente zu Social Media durchgeführt. Im Konzern finden Sie über 250 E2.0-Initiativen. Der Schwerpunkt in diesem Jahr liegt darin, Enterprise 2.0 breiter in der Organisation zu verankern und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu ausgewählten Projekten aufzustellen. Mit hoher Priorität etablieren wir derzeit eine integrierte interne Social Media Infrastruktur, in der wir die existierenden heterogenen Social Media Plattformen (Wikis, Blogs, Social Network etc.) zusammenfassen.

Für eine erfolgreiche Umsetzung – gibt es dafür ein Rezept, wer an diesem Projekt mit beteiligt sein sollte?

Enterprise 2.0 ist kein Abteilungsthema. Die Frage müsste eher lauten: “Gibt es jemanden der nicht beteiligt sein darf?” Wir bündeln in unserem Center of Excellence E2.0 die Expertise aus vielen Fachbereichen (IT, Marketing, Kommunikation, HR, Change, Innovation, Legal, Datenschutz, Security, Betriebsrat etc.). Nur so ist es uns möglich, ganzheitliche Lösungen für die vielen neuen Herausforderungen zu erarbeiten. Wer E2.0 als “Silothema” in einem einzigen Fachbereich ansiedelt, wird scheitern.

Ist Ihrer Ansicht nach die “Social Organization” der logische Entwicklungsschritt für alle Unternehmen?

Ein eindeutiges Ja. Märkte sind dynamisch, Unternehmen sind es nicht. Wenn Unternehmen mit der Komplexität und Dynamik der Märkte mithalten wollen, müssen sie an den Grundmanifesten der letzten Jahrzehnte rütteln. Wir können die Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, wie sie entstanden sind. Enterprise 2.0 und die Entwicklung zur Social Organization ist eine Antwort darauf, den Paradigmenwechsel aktiv zu gestalten.

Beim IOM SUMMIT haben wir den Diskussionsschwerpunkt auf den “digitalen Arbeitsplatz der Zukunft” gelegt. In welche Beziehung setzen Sie persönlich Ihren Projektbericht mit diesem Thema?

Der digitale Arbeitsplatz ist ein wichtiger Aspekt in einer Enterprise2.0. Wobei ich mich nicht nur auf das “digital” fokussieren möchte. Das wäre zu einfach. Natürlich müssen die technisch neuen Möglichkeiten der sozialen Medien, der Cloud oder “bring your own IT”-Strategien integriert werden. Das Wichtigste ist aber das, was wir damit bewirken. Technologie ist ein reiner Enabler – nicht mehr und nicht weniger. Damit fängt alles erst an und hört es nicht auf. Durch die Nutzung der digitalen Medien verändern sich unsere Verhaltensweisen, unsere Prozesse und unsere Strukturen. Für dies müssen Kompetenzen in Mediennutzung und Führung aufgebaut werden. Daher hat Enterprise 2.0 in erster Linie etwas mit Haltung zu tun und nicht mit Technologie.

Die Keynote „Enterprise 2.0 – Transformation radikal! Der Weg zur Social Organization“ von Herrn Grabmeier findet am 19. Juni im Themenblock Vom Intranet zum digitalen Arbeitsplatz um 14.30 Uhr statt.

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