“Social Business wird auch auf internationaler Ebene zum Wettbewerbsvorteil” – Christoph Bauer im Experten-Interview

Christoph Bauer beschäftigt sich seit sechs Jahren mit Themenfeldern rund um Social Business und berät bei Capgemini Consulting Unternehmen bei der Einführung kollaborativer Software. Der diplomierte Kommunikationswissenschaftler fand über das Social Media Marketing den Weg zur „Zukunft der Zusammenarbeit“, ist als Vortragender auf nationalen und internationalen Konferenzen zu Gast und schreibt regelmäßig für den Digital Transformation Blog seines Arbeitgebers. Schwerpunkte setzt der 29-jährige bei der Befähigung von Mitarbeitern sowie der Entwicklung von firmeninternen Communities und den dazugehörigen Change Management Praktiken.

Wo stehen wir beim Thema “Social Collaboration/Business” in Deutschland?

Wohl gewähr dessen, dass meine Vorredner hier eigentlich ein recht positives Bild gezeichnet haben, würde ich sagen: „Hinten dran“. Eine PAC-Studie aus dem Mai hat dies recht gut aufgezeigt. Im Vergleich mit Ländern wie Großbrittanien sind wir Deutschen sehr vorsichtig, was den Einsatz moderner Zusammenarbeitsszenarien betrifft, besonders wenn es um die Cloud geht. An vielen Stellen ist dies auf die zweischneidige Natur der Thematik zurückzuführen: Schützen uns als Bürger auf der einen Seite die Regularien vor Missbrauch, behindern sie Unternehmen dabei, effizienter zu werden. Die Services, die ich kostenfrei im Internet als Privatnutzer erhalte, sind den Legacy-Anwendungen oftmals ein Jahrzehnt voraus. On-premise ist das Lieblingskind der deutschen IT, obwohl es auch hier ernsthafte Sicherheitsproblematiken geben kann.

Dazu kommt, dass der Diskurs rund um Social hierzulande oftmals am Rande des Marketings endet und somit schon früh zu Enttäuschungen geführt hat. Nicht umsonst spreche ich lieber über die „Zukunft der Zusammenarbeit“ als über „Social Collaboration“ – die Wahrscheinlichkeit, dass Abteilungsleiter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sinkt enorm.

Was sind die Herausforderungen für 2014?

Ich sehe hier Professionalisierung und den Beginn der Arbeiten an übergreifenden APIs und Austauschformaten als wichtige Felder. Ersteres, da wir Social nach aussen in manchen Branchen nun schon recht gut beherrschen (siehe Telekommunikationsunternehmen), es aber oft an der internen Kopplung mangelt. Die internen Systeme, Prozesse und Mentalitäten sind den äusseren Umständen oftmals nicht gewachsen – deshalb mein Credo: Gutes kommt von Innen. Hier muss investiert werden, um nicht weiter anderen Nationen hinterher zu rennen. Social Business wird auch auf internationaler Ebene zum Wettbewerbsvorteil: Man stelle sich einfach vor, man ist Unternehmer und sucht einen neuen Standort in Europa. Gehe ich in ein Land, das mich dabei hindert, innovative Technologien anzuwenden? Oder gehe ich in ein Land, in dem diese schon eine gewisse Reife entwickelt haben? Hier geht es ja nicht nur um Produktivität, sonder auch das Wohl meiner zukünftigen Mitarbeiter.

Die übergreifenden APIs wiederum läuten eine neue Ära der Zusammenarbeit ein. Collaboration darf nicht nur auf die Grenzen des jeweiligen Unternehmens beschränkt sein – zum einen wird eine Öffnung interner Systeme gegenüber den Kunden angestrebt, andererseits versprechen geteilte Netzwerke mit Zulieferern und Partnern zusätzliches Optimierungspotential. Einige Anbieter arbeiten bereits an solchen „Handshakes“ zwischen unterschiedlichen Platformen – ehrlichgesagt glaube ich aber nicht, dass 2014 hier schon ein Durchbruch erfolgen wird.

Was sollte der Beitrag einer Social Business-Diskussion auf der CeBIT 2014 sein?

Erstens sollte der Term mal in seiner vollen Breite dargestellt werden – viele assoziieren nur sCRM, andere Social Media Marketing, andere wiederum interne Zusammenarbeit. Dass diese Dinge in einem Geflecht miteinander in Beziehung stehen und das eine nicht wirklich ohne das andere funktioniert, wird kaum beleuchtet. Dazu kommt natürlich noch die disruptive Kraft von Mobile, Analytics und der Cloud. Zweitens höre ich immer wieder gern von Praktikern, die auch mal Probleme schildern, anstatt Akronym-reiche Modelle ohne praktischen Bezug auf die Zuhörer zu schleudern. Wie wäre es z.B., wenn wir mal über die notwendigen Veränderungen in Boni-Schemen, Führungskultur und Human Ressources sprechen würden? Wir haben jetzt lange genug über Plattformen gesprochen, wann sprechen wir über Menschen und Prozesse?

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Andreas Schulze-Kopp ist als Enterprise 2.0 Berater tätig und begleitet Unternehmen auf ihrem Weg zum Social Business. Von der Anfangsanalyse über die potentiellen Prozessoptimierungen, bis zur Einführung und dem Coaching der Mitarbeiter. Durch Euphorie, Begeisterung und dem Aufzeigen von Mehrwerten, versucht er Unternehmen von der ständig stärker werdenden Bedeutung einer internen sozialen Kommunikationsstruktur zu überzeugen und zu begeistern. Außerdem ist er aktiver Blogger und als zertifizierter Social Media Manager (SMA) ein bekennender Fan der sozialen Netzwerke. Außerdem ist er Autor des Fachbuches 'Enterprise 2.0: Social Software auf dem Vormarsch - Gekommen, um zu bleiben', Blogger auf dem Enterprise 2.0 Blog und Co-Moderator der Enterprise 2.0 Gruppe auf Xing und auf Google+.