Axel Wessendorf sieht Social Business in Deutschland am Anfang

Axel Wessendorf (United Planet)

Axel Wessendorf ist Gründer des Softwareunternehmens Lexware und CEO des Freiburger Portal- und Social Business-Spezialisten United Planet. United Planet gehört mit über 4.500 Installationen seiner Portal- und Integrationssoftware Intrexx und seiner Social Business Plattform Intrexx Share allein im deutschsprachigen Raum zu den Marktführern im Segment der mittelständischen Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Mit seiner Social Business Software Intrexx Share wurde United Planet von dem Beratungsunternehmen Experton Group im Rahmen des Social Business Vendor Benchmark 2014 als Social Business Leader ausgezeichnet.

Wo stehen wir beim Thema “Social Collaboration/Business” in Deutschland?

Momentan stehen wir im Bereich Social Business in Deutschland noch ziemlich am Anfang. In vielen Unternehmen ist die Nutzung eines Wikis das höchste der Gefühle. Beim Einsatz einer kompletten Social Business Plattform, über die sich die Mitarbeiter einbringen und Wissen austauschen können, zögern dagegen immer noch einige. Ein Grund hierfür ist der, dass die Unternehmen Angst vor einem Kontrollverlust haben. Häufig malt man sich auf der Führungsebene ein Schreckensszenario aus, bei dem die Mitarbeiter die Social Business Lösung mehr für private Zwecke (z.B. zum Verschicken lustiger Bildchen) nutzen als für die Arbeit. Oder man befürchtet, dass die Möglichkeit zur transparenten Meinungsäußerung am Ende zu negativen Äußerungen gegenüber der Unternehmensleitung führen könnte.

Die Praxis bei unseren Kunden zeigt jedoch in allen Fällen, dass diese Ängste unbegründet sind. Die Mitarbeiter gehen durchweg sehr verantwortungsbewusst mit den neuen Kommunikationswerkzeugen um und nutzen sie genau dafür, wozu sie gemacht sind: zum schnellen und transparenten Austausch von Wissen, Ideen und Informationen. Und dies geht mit einer Social Business Lösung nun einmal deutlich schneller und effizienter als auf den klassischen Kommunikationswegen. Eine Social Business Lösung verkürzt diese Wege deutlich und bringt Informationen ohne Zeitverzögerung zu jedem Mitarbeiter. Deshalb wird kein Unternehmen künftig daran vorbeikommen, wenn es im wachsenden Wettbewerb handlungsfähig und attraktiv für junge Fachkräfte sein will. Und je eher ein Unternehmen hier aktiv wird, desto früher profitiert es auch von den Früchten der neuen Kommunikationsmittel.

Was sind die Herausforderungen für 2014?

Die meisten Social Business Lösungen auf dem Markt beschränken sich derzeit noch auf den reinen Kommunikationsaspekt sowie den Wissensaustausch unter den Mitarbeitern. Um die immer stärker zunehmende Informationsflut in den Griff zu bekommen, wird das aber auf Dauer nicht ausreichen.

Vielmehr müssen die Mitarbeiter über die Social Business Plattform gezielt mit allen wichtigen Informationen versorgt werden, die sie für ihre Arbeit brauchen. Diese Infos stecken aber im Unternehmen nicht nur in den Köpfen der Kollegen, sondern auch in den Datenbanken der verschiedenen Softwarelösungen. Um auch diese Daten in den Wissenstransfer einzubinden und damit eine fundierte Grundlage für Entscheidungen zu bieten, müssen Social Business Lösungen künftig umfangreiche Möglichkeiten zur Datenintegration beinhalten. Erst wenn auch Mailprogramm, Intranet, ERP, CRM-System oder BI-Lösung angebunden werden, entsteht eine zentrale Informations- und Kommunikationsplattform im Unternehmen, die den Mitarbeitern automatisch alle wichtigen Informationen und Daten liefert. Dies beschleunigt die Abläufe und erhöht die Produktivität spürbar.

Jede Social Business Lösung ohne Möglichkeiten, die vorhandenen Systeme anzubinden, ist dagegen nur eine weitere Insellösung, die letztendlich zu nichts anderem als einem zusätzlichen Informations-Silo im Unternehmen führt.

Was sollte der Beitrag einer Social Business-Diskussion auf der CeBIT 2014 sein?

Die Diskussion auf der CeBIT Social Business Arena sollte zum Ziel haben, den noch zögernden Anwendern die Angst davor zu nehmen, Social Business Lösungen in ihr Unternehmen zu integrieren. Hierzu sollte anhand von erfolgreichen Beispielen aus der Praxis klar herausgearbeitet werden, was der konkrete Nutzen von Social Business ist, wie man bei der Einführung am geschicktesten vorgeht, welche Herausforderungen einen dabei erwarten und wie die Unternehmen diese am besten meistern. Dabei sollte nicht nur die Technik unter die Lupe genommen werden, sondern auch der Wandel der Unternehmenskultur, der mit Social Business einhergehen muss. Jeder Besucher der Social Business Arena muss am Ende wissen, wie Social Business die tägliche Arbeit in seinem Unternehmen verändert und wie er davon profitiert.

Herr Wessendorf, vielen Dank für das Interview!

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Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.



  1. Dr.-Ing. Carsten Rose says:

    Ich teile die zwei wesentlichen Einschätzungen von Axel Wessendorf voll und ganz:
    We ain’t seen nothing yet, will sagen, daß wir insbesondere hier in Deutschland gerade erst am Anfang der Entwicklung stehen – von einigen wenigen, guten und dafür umso wichtigeren Ausnahmen abgesehen.
    Integration is key, d.h. ohne daß alle relevanten Informationen und Interaktionen in einen Single (Mobile) Workplace of the Future zusammenlaufen, werden wir nur weitere Silos sehen – heute immer noch ein Problem vieler Intranets und Wissensmangement-Plattformen. Last but not least bliebe anzumerken, daß wahrscheinlich die Entscheider unter den “zögernden Anwendern” nur in der Minderzahl als Besucher der CeBIT Social Business Arena vertreten sein werden – nicht zum ersten und sicher auch nicht zum letzten Mal.

    • Frank Hamm Post author says:

      Oh, da sind wir wohl so ziemlich alle in unserer “Social Business-Blase” weitgehend einig. Diejenigen, die sich mit dem Thema eingehend beschäftigt haben (und nicht nur darüber auf CIO oder Computerwoche oder… darüber gelesen haben), dürften eine ähnliche Einschätzung teilen.

      Ich fürchte, gerade in Deutschland ist es wieder eine gewisse “Lassen wir doch erst mal die anderen ihre Hörner abstoßen”-Haltung, die Viele vor Neuem zurückschrecken lässt. Deswegen hoffe ich eigentlich, dass gerade die Social Business Arena neugierige Entscheider anzieht. Allerdings werden einige davon – wenn überhaupt – vermutlich eher schon jemanden hinschicken (“Gehen Sie mal da hin und erklären Sie es mir dann mal kurz”).

      Das “Über den Tellerrand schauen” ist in Deutschland nach wie vor nicht sehr verbreitet. Bedauerlicherweise führt diese Haltung eher dazu, dass andere etwas Neues ausprobieren und bei Erfolg einen Wettbewerbsvorteil haben. Nur mit “schneller, besser, weiter” sind Unternehmen selten erfolgreich, eher schon mit “anders, was anderes”. Besonders, da die Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung je nach Branche doch schon ziemlich ausgereizt ist.