Ben Ellermann: Wir brauchen Dolmetscher zwischen Anwender und Entwickler

Ben Ellermann Ben Ellermann ist Senior Consultant bei der buw digital GmbH und erster Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbands Community Management e.V. für digitale Kommunikation und Social Media. Ellermann beschäftigt sich seit dem Jahre 2008 hauptberuflich mit Social Media und digitaler Kommunikation. Zunächst leitete er Redaktion und Community Management eines sozialen Netzwerks, bevor er 2012 in die Beratung wechselte. Heute berät, konzipiert und schult er im Bereich digitaler Kommunikationsprojekte, vom Social Media Kundenservice über den Service- oder Sales-Chat bis hin zur Enterprise 2.0 Lösung.

Wo stehen wir beim Thema “Social Collaboration/Business” in Deutschland?

Auch wenn wir im Jahr 2013 große Fortschritte im Social Business Reifegrad gemacht haben, sind wir noch weit davon entfernt das ganze Thema als etabliert bezeichnen zu können. Es gibt eine eingeschworene Community die sich inzwischen auf sehr hohem Niveau über Erfahrungen, Personalanforderungen und Social Software austauscht. Außerhalb dieses Expertenkreises sehe ich ein schillerndes Halbwissen zwischen den Grundhaltungen des euphorischen Befürworters und des militanten Gegners von Social Business Lösungen. Die Leuchtturm Projekte der Großkonzerne sind inzwischen bekannt und ein gern gesehener Bestandteil von Konferenzen unterschiedlichster Fachrichtungen. Diese Projekte und ihre Mehrwerte in ihrer ganzen Tragweite zu greifen ist indes nur einer kleinen Minderheit möglich.

Was sind die Herausforderungen für 2014?

  • Das Berufsbild des internen Community Managers wird bereits in vielen Unternehmen gelebt. Derzeit arbeiten wir im BVCM gemeinsam mit Partnern und Interessierten an einem einheitlichen Berufsbild. Ich sehe in den nächsten Jahren einen immensen Qualifizierungsbedarf für interne Community Manager auf uns zukommen. Dafür ist es unerlässlich ein einheitliches Verständnis von Kernkompetenzen, Ausbildungsmöglichkeiten und Zertifizierung zu erlangen.
  • Je umfassender und tiefgreifender Enterprise Social Network Funktionalitäten bestehende Arbeitsmittel- und Prozesse ablösen, desto wichtiger wird das Customizing der eingesetzten Software. Insbesondere im Hinblick auf eine hohe Akzeptanz und Adoption, muss die Software auch im Detail nutzerzentriert sein. Um das zu bewerkstelligen bedarf es schlauer Dolmetscher, die zwischen der Anwender- und der Entwicklersprache übersetzen.
  • Ich sehe eine heilige Kuh die sich in diesem Satz zusammenfassen lässt: “Sobald wir externe Partner aufschalten, brauchen wir ein separates Netzwerk!” Diese Kuh gilt es meiner Meinung nach zu schlachten. Ich finde, dass wir es uns zu einfach machen, wenn wir die Kommunikation und Kollaboration mit externen Partnern und Kunden von Unternehmen via Social Software auf die Installation von Insellösungen beschränken. Auch wenn eine hohe Sensibilität hinsichtlich Datenschutz und Fehlverhalten besteht, gilt es intelligente und integrierte Ansätze zu entwickeln.

Was sollte der Beitrag einer Social Business-Diskussion auf der CeBIT 2014 sein?

Neben dem allgegenwärtigen Austausch von Erfahrungen rund um Adoption und Einsatzszenarien, würde ich es begrüßen, wenn wir uns verstärkt mit der eben angesprochenen Dolmetscherrolle beschäftigen würden. Es wird zu oft versäumt die wirklichen Bedürfnisse operativer Einheiten so zu erfassen, dass ein Stück User-Centred-Software daraus wird. Die Herausforderung besteht darin, operativen Fachkollegen die Nutzendimensionen der Social Software aufzuzeigen. Den Austausch über Ansätze und Erfahrungen in diesem Bereich finde ich hochspannend und notwendig.

Vielen Dank für das Interview, Herr Ellermann!

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Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.