Niclas Otte: Social Collaboration braucht klare Vision und formulierte Schritte

Niclas OtteDer nächste Interviewpartner in unserer Reihe “Digital Workplace Revolution 2015” zu Social Collaboration, Enterprise 2.0 und den Digital Workplace für die Social Business Arena auf der CeBIT ist Niclas Otte von SAP. Niclas Otte ist Senior Director für Social Software bei der SAP SE und treibt das Business Development für die Regionen EMEA & APJ. Herr Otte ist seit 2005 bei der SAP AG tätig und hat dort in verschiedenen Rollen die Entwicklung von Cloud & Social Anwendungen für Unternehmen begleitet. Des weiteren ist Herr Otte als Lehrbeauftragter für Social CRM tätig.

1. Was steckt für Sie hinter den Schlagworten “Social Collaboration”, “Enterprise 2.0” und “Digital Workplace”? Was ist Ihre Erklärung für das Thema und seine Bedeutung?

Die Begriffe sind für mich nicht nur eng miteinander verbunden sondern stehen auch für die grundlegenden Veränderungen der Arbeitswelt, die mit der Digitalisierung einhergehen. Menschen und Maschinen sind vernetzter denn je; mit weitreichenden Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft. Im Zuge der digitalen Transformation erleben wir nun eine Evolution von relevanten Konzepten und Technologien, was vielleicht auch erklärt warum es Diskussionen über die Bedeutung der Begriffe gibt. Ich denke jeder dieser Begriffe ist wichtig und ich verwende alle häufig und gern. Als Anbieter von Social Collaboration Lösungen benutze ich diesen sicherlich am häufigsten 🙂

2. Warum sind bei diesem Thema auch Ende 2014 noch keine substantiellen Erfolge und Veränderungen in der Breite der Unternehmen zu erkennen?

Da bin ich mir nicht sicher, ob man das so sagen kann. Zum einen beobachten wir, dass die Breite der Unternehmen erkannt hat wie E-Mail, Chat oder Wikis als zentrale Mittel zur Kommunikation, zum Informationsaustausch und zur Zusammenarbeit an ihre Grenzen stoßen. Die zunehmende Vertrautheit vieler User mit entsprechenden sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Xing or WhatsApp spielt hierbei sicherlich eine große Rolle und hat auch zur Einführung von Social Collaboration Lösungen im Unternehmen beigetragen. Das ist jedoch leider auch einer der Gründe für so genannte „Social Silos“, denn dieser Ansatz nimmt nicht genüg Rücksicht auf die verschiedenen Mitarbeiterrollen und die entsprechende Zielsetzung unserer Geschäftsaktivitäten. Dies ist meiner Meinung nach der Hebel um den nächsten Schritt zu gehen und substanziellen Erfolg zu erzielen. Im Austausch mit Unternehmen erkennen wir hier deutliche Fortschritte.

3. Was macht für Sie eine gute Strategie zum Thema “Social Collaboration” & “Digital Workplace” aus?

Wie jede gute Strategie, so sollte meiner Meinung nach eine klare Vision und entsprechende Schritte formuliert werden, wie die Initiative den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens positiv beeinflusst. Wir erleben, dass herausragende Projekte und Erfolge sich daher häufig eng an der Unternehmensstrategie orientieren oder Teil dieser sind. Dies klingt erstmal sehr banal, stellt aus meiner Sicht aber die Weichen auf Erfolg, denn auf diese Weise werden zumeist alle Fachbereiche und wichtige Unternehmensziele in der Social Collaboration Strategie berücksichtigt. Wenn sich der Vorstand oder einzelne Bereiche beispielsweise mit der digitalen Transformation des Unternehmens beschäftigen, dann bietet es sich an das Social Collaboration Projekt als einen Treiber dieser zu verankern und Anwendungsfelder für die Fachbereiche zu definieren. Dies kann dann auch im Punkto C-Level Sponsorshop und somit bei der Finanzierung des Projektes helfen.

4. Gibt es für Sie Prozessfelder, wo für das Thema relativ sicher “Quick Wins” erzielt werden können?

Absolut, die gibt es. Ein paar Gruppen wie IT, Marketing & Kommunikation, sowie andere Information Worker Rollen im Unternehmen, haben eine klassische Offenheit gegenüber der Verwendung von Social Collaboration Lösungen – auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Kollegen und Externen. Hier kann man eine Reihe von Anwendungsfällen definieren und „Quick Wins“ realisieren. Im Zuge der digitalen Transformation erleben wir eine hohe Notwendigkeit für HR den damit verbundenen Kulturwandel und Wissensaufbau des Unternehmens zu unterstützen. Unsere SAP Jam Lösung wird daher immer häufiger als wichtiges Element der neuen HR Strategie und Talent Management Prozesse verwendet, um beispielsweise den Wandel zum „Mitmach-“ oder Lernunternehmen“ zu forcieren. Auch in kundenorientierten Rollen sind tolle Erfolge zu beobachten. Die Schwierigkeit einer Anpassung von Geschäftsmodellen und einer hervorragenden Customer Experience im digitalen Zeitalter zeigt sich beispielsweise vor allem dadurch, dass Kundenservice weit über die Fachabteilung hinaus gelebt werden muss. In Folge dessen erleben wir eine viele größere Notwendigkeit zur abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit. Die Integration der Social Collaboration Plattform mit den entsprechenden Unternehmensanwendungen spielt hierbei eine nicht unerhebliche Rolle, um die entsprechenden Arbeitsweisen von verschiedenen Rollen im Unternehmen zu unterstützen und den Kontext aus dem betreffenden Geschäftsprozess bereitzustellen.

5. Was ist Ihre zentrale Empfehlung für die Einführung und Etablierung dieser Konzepte im Unternehmen?

Mehr Mut zur Lücke. Ich habe auf den Vorteil hingewiesen den ich sehe, wenn die Initiative engen Bezug zur Unternehmensstrategie nimmt. Zeitgleich kann es natürlich sein, dass die Strategiefindung dauert. Die aufgezeigten „Quick Wins“ sind meiner Meinung ein guter Weg um den Wandel voranzutreiben. Man wird auf diese Weise automatisch zum „Change Agent“ im Unternehmen und baut somit auf Erfahrungswerten und Erfolgen auf. Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass wir die Entwicklung des Unternehmens adressieren. Wir haben bislang einen wichtigen ersten Schritt in Richtung Digitalisierung des Arbeitsplatzes begangen, mit ersten Erfolgen und Herausforderungen, aber digitale Transformation beinhaltet einen weitaus längeren Prozess. Es ist schön, dass die Cebit dem Thema dieses Jahr mit dem Motto „d!conomy“ besondere Aufmerksamkeit widmet und freue mich auf den Austausch auf der Social Business Arena.

Vielen Dank für das Interview, Herr Otte!

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Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.