Die Zukunft der Arbeit braucht eine Neuordnung der Rahmenbedingungen – Einladung zur Diskussion und zum Dialog!

Alle Reden von den Potentialen und Ideen zur Zukunft der Arbeit oder wie es an prominenter Stelle auch heisst: New Work – darunter verstehen sie flexiblere Arbeitszeitmodelle durch den digitalisieren Arbeitsplatz und der Möglichkeit überall zu arbeiten, neue die Freude und Engagement im Unternehmen fördernde Organisationsmodelle mit mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den einzelnen Angestellten sowie auch höhere Leistungs- und Innovationsfähigkeit für das Unternehmen als Ergebnis. Generell wird in der digitalen Transformation des Unternehmens und der Zusammenarbeitsformen eine Demokratisierung der Arbeitsorganisation gesehen – weg von starren Hierarchiemodellen und Command-Controll-Strukturen hin zu selbstbestimmten Arbeiten und mehr Teilhabemöglichkeit des Einzelnen am Geschäftsprozess.

Notwendige Neuordnung der Rahmenbedingungen der Arbeit

Was hier als Vorteil beschrieben ist, kann aber aus einer anderen Perspektive auch als Nachteil gesehen werden. Die industrielle Revolution – im Übergang von der Agrar- zur Industriewirtschaft – brachte den Arbeitern und Angestellten nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile – so z.B. in der klaren Teilung von Arbeitszeit und Freizeit. Mit dem Arbeitsvertrag wird ein Pakt geschlossen, nach dem der Mensch Stücke seiner Lebenszeit an den Arbeitgeber verkauft. Dies ist getrennt von der Freizeit, die gleichberechtigt daneben als Erholungsphase wie auch Zeit für Familie und private Dinge steht.

Mit der Digitalisierung und Transformation der Arbeit hin zu einem flexiblen Organisationssystem wird aber genau dies Stück weit aufgelöst. Während die Forderung nach Work-Life-Balance genau eine Forderung nach mehr Selbstbestimmung über die Arbeitszeit impliziert, bringt die Digitalisierung indirekt eine immer währende Verfügbarkeit und einen fortlaufenden Prozess z.B. im Rahmen von Team-Arbeit, die keine Grenzen auf die Arbeitszeit kennt, da eventuell immer irgendwo an dem Team-Projekt arbeitet und evt. eine Rückfrage oder einen Input benötigt.

Alleine schon die Betrachtung der Zukunft der Arbeit aus einer nicht vom Management geforderten und evt. (negativ gesehen) “ausgenutzten” Warte legt auch in Teilen nahe, dass die Arbeitswelt von morgen der Agrargesellschaft von einst mehr ähneln wird als der Industrie- und Büroarbeitergesellschaft von heute.

Hier braucht es einen Diskurs für die Ausgestaltung der Rahmenrichtlinien der Zukunft der Arbeit, der neben den Chancen auch die Gefahren und Gefährdungspotentiale für den Einzelnen berücksichtigt. Damit die “gewonnene” Gestaltungsfreiheit der digitalen Transformation nicht zur Geißel des Einzelnen wird – im negativen Sinne evt. fremdbestimmt (durch das Unternehmen ausgenutzt) und in der positiven Betrachtung evt. sogar “selbstbestimmt”, weil der Einzelnen kein Gleichgewicht selbstbestimmt findet und vor sich selbst geschützt werden muss.

Wichtige Diskussionspunkte für die Neuordnung der Rahmenbedingungen

Der zu führende Diskurs ist mannigfaltig und fordert sicherlich mehr als nur ein paar arbeitsrechtliche und arbeitsethische Richtlinien – dennoch muss er gestartet werden. Und einen Impuls wollen wir auch mit einer Diskussionsrunde im Rahmen der Fachkonferenz zur CeBIT Social Business Arena dazu setzen. Hierzu sind wir dabei eine spannende Diskussionsrunde zusammenzubringen, die den Wandel jenseits der Nur-Chancen-Betrachtung diskutieren soll.

Derzeitige Teilnehmer der Runde sind:

  • Dr. Gerald Becker-Neetz – Leiter der Unterabteilung “Soziale Marktwirtschaft, Zukunft des Sozialstaats und Forschung” im Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Karl-Heinz Brandl –Leiter IKT-Projekt in der ver.di-Bundesverwaltung
  • Alexander Klier, Social Learning Consultant bei Beck et al. Services und davor Pädagogischer Leiter beim DGB Bildungswerk Bayern
  • Dr. Sven Michael Prüser – Professor an der HTW Berlin mit Fokus auf den Einflüssen der Informations- und Telekommunikationstechnik (v.a. des Internet) auf die Wirtschaft

Weitere Diskussionsteilnehmer sind noch in Abklärung.

Die Idee für die Runde ist die Diskussion verschiedener Brennpunkte, über die es einen politischen und gesellschaftlichen Diskurs geben muss, damit die Chancen der Zukunft der Arbeit auch als Chancen für alle Parteien realisiert werden. Folgende Punkte sehen wir als Anstoß für die Diskussion:

  • Brennpunkt durch dauerhafte Verfügbarkeit – sprich: wie kann gewährleistet werden, dass die Angestellten nicht “ausbrennen” bzw. “ausgebrannt” werden, weil sie rund um die Uhr in Prozesse eingebunden sind und sie sich selbst dem Druck der ständigen Bereitschaft unterwerfen.
  • Brennpunkt durch Überwachung am Arbeitsplatz – sprich: was muss geregelt werden, damit der “digitale Footprint” nicht gegen die Mitarbeiter verwendet wird, aber dennoch die Chancen von “Big Data” und Chance des glücklichen Zufalls (Serendipity-Prinzip) genutzt und ausgeschöpft werden können.
  • Brennpunkt durch Cyper-Mobbing – sprich: welche Rahmenrichtlinien müssen getroffen werden, damit die “digital dokumentierte (Fehl)Tritte” des Einzelnen zu Formen der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung des Einzelnen durch den z.T. “missgünstigen” Mob führen.
  • Brennpunkt durch Organisationsumbrüche – sprich: wie können die Spannungen und Mißstände in der Organisation für den durch die digitale Transformation implizierten und unausweichlichen Übergangs- und Umbruchszeitraum geregelt werden.
  • Brennpunkt durch leistungs- statt zeitorientierten Entlohnungssystemen – sprich: welche Regeln braucht es für die Entlohnungssysteme der Zukunft der Arbeit, in der nicht mehr nach Zeit, sondern nach Leistung entlohnt wird, und wie kann Innovations-fördernde Leistung überhaupt entlohnt werden.

Natürlich können wir nicht den Anspruch haben, dass wir innerhalb der angesetzten 40 Minuten für die Diskussionsrunde alle “Brennpunkte” geregelt bekommen, aber wir hoffen natürlich, dass wir mit dem Panel einen weiteren Impuls für die Diskussionen geben können und freuen uns daher sehr über das Zustandekommen dieser Runde.

Einladung zum Dialog über die Neuordnung der Rahmenbedingungen für die Zukunft der Arbeit

Wen das Thema “Zukunft der Arbeit” interessiert, der sei herzlichst zur Teilnahme an dem Programmpunkt eingeladen (hier geht es zur kostenlosen Registrierung für die Konferenz). Um die Diskussion allerdings auch schon im Vorfeld zu befeuern und den Diskutanten mehr “Gedankenanstöße” mit auf den Weg zu geben, würden wir hier auch gerne den Aufruf zu Kommentaren oder eigenen Beiträgen zu dem Thema machen, die wir dann in die Diskussion rein geben können. Vielleicht treffen die von uns definierten Brennpunkte ja noch nicht den Punkt, über den es zu diskutieren gilt, – oder es fehlen wichtige Punkte. Kommentiert oder schreibt eigene Beiträge – die wir in den kommenden Wochen bis zur CeBIT hier nochmals zusammenfassen und bündeln wollen.


  1. Joachim Lindner says:

    Das untere und mittlere Management wird heutzutage mittels zuvor definierter Ziele gesteuert, gemessen und meist auch bezahlt. Nun spielen dabei Personalführung aber auch fachliche Aufgaben eine Rolle. Geht man nun von einem agilen Unternehmen aus, also einem Unternehmen ohne feste Aufgaben, wird diese Rolle in der heutigen Form kaum noch funktionieren. Mitarbeitern arbeiten in anderen Projekten mit oder man arbeitet mit Kollegen aus anderen Bereichen in den eigenen Projekten.
    Daraus ergeben sich für mich einige Fragen:
    • Muss man Personalführung und fachliche Führung trennen? Führungskräfte für fachliche Aufgaben würden demnach Projekte initiieren und dann mehr als Mentor für diese Projekte arbeiten. Braucht man dazu überhaupt noch Führungskräfte oder sollen sich die Projekte eher selber organisieren? Wer stellt aber dann sicher, dass die Projekte auch funktionieren? Nur der Projektleiter? Wer stellt aber z.B. neue Ressourcen zur Verfügung?
    • Mitarbeiter mögen es schon gerne, wenn sie einen festen Ansprechpartner, also Vorgesetzten haben, der für sie zuständig ist und sich um ihre Belange kümmert. Wie funktioniert das aber dann, wenn der Mitarbeiter in den Projekten der verschiedensten Bereiche mitarbeitet?
    • Ich kenne einige Menschen, die gar nicht eigenverantwortlich arbeiten möchten. Wie geht man mit denen um? Sind das dann die Verlierer in dem System? Man wird nicht nur Mitarbeiter haben, die gerne selbstorgansiert arbeiten.
    • Wie sieht die neue Welt für Mitarbeiter aus, die feste Aufgaben haben und für die es keinen Sinn macht etwas zu flexibilisieren? Das wären z.B. Produktionsmitarbeitern. Die Arbeit folgt einfach festen Aufgaben. Kann es wirklich unser Ziel sein alle Mitarbeiter in die „neue Arbeitswelt“ zu bringen oder ist es ausreichend, wenn es genügend innovative und selbstständige Mitarbeiter gibt? Wird es dann eine zwei Klassen Gesellschaft? Wie beurteilt man die Leistung? Muss es zwei Systeme geben?
    • Ich kenne Betriebsräte, die viele Dinge einfach ablehnen ohne diese wirklich rational zu beurteilen. Das ist dann schon ein deutlicher Wettbewerbsnachteil für diese Unternehmen. Grundsätzlich befürworte ich Betriebsräte und habe auch die Erfahrung gemacht, dass es nur mit Ihnen zusammen funktioniert. Es würde aber grundsätzlich helfen, wenn diese von vorneherein positiver den „neuen Dingen“ gegenüberstehen würden. Brauchen wir eine Initiative für Gewerkschaft, die dann wieder (positiven) Einfluss auf die Betriebsräte ausüben. Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob die Cebit dafür der richtige Ort ist, aber wäre es nicht auch gut Gewerkschaftsvertreter einzuladen.
    • Zum Schluss noch die Frage ob man Leistung wirklich messen muss. Das heutige System über die Anwesenheit hat oft auch keine Aussage über den Nutzen, den ein Mitarbeiter für das Unternehmen bringt. In selbstorganisierten Projektteams wird man auf Dauer nicht zuschauen, wenn ein Teammitglied nichts zum Erfolg beitragen möchte.
    Viele Grüße
    Joachim






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