#cebitsba 2015: Gestaltung der Zukunft erst am Anfang, aber Veränderungsdruck ist spürbar!

Die CeBIT Social Business Arena war wieder einmal eine spannende und intensive Diskussionszeit – in drei Tagen haben wir mit mehr als 50 Experten das Themenspektrum der neuen Formen der Zusammenarbeit und der Zukunft der Arbeit “durchgespielt”. Die verschiedenen Diskussionen auf der Bühne hatte dabei den Anspruch – die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und die allgemeinen und für den jeweilig betrachteten Aspekt spezifischen Erfolgsfaktoren herauszuarbeiten – das gelang auch dieses Jahr nicht immer perfekt, aber doch immerhin besser als im Vorjahr.

Thematisch stand die Veranstaltung dieses Jahr unter dem Motto “Social als Wegbereiter für die digitale Transformation”. Dabei sollte diskutiert werden, wo die Unternehmen mit welchen Herausforderungen auf dem Weg zum digitalen Geschäftsmodell und zur digital unterstützten Organisation stehen. Die Zukunft wurde dabei allgemein in einer digital organisierten, transparenteren und agileren Zusammenarbeit mit stärkerem Fokus auf der Lösung von Kundenproblemen gesehen. Der Einsatz von sozialen Technologien wird in diesem Zusammenhang sowohl als Auslöser wie auch Wegbereiter für den Veränderungsprozess verstanden.

Fazit der Diskussionen: Die digitale Transformation ist mit Hilfe der sozialen Technologien am Laufen!

Die Diskussion ist ja nicht neu und treibt die Experten-Community nun seit mehr als acht Jahren um. Dennoch schien es lange Zeit so, dass vor allem über die Zukunft “geredet” wurde als dass wirklich “Taten folgten”. Mittlerweile hat sich dies aber deutlich gewandelt. Und es lassen sich immer mehr Unternehmen finden, die eine deutliche Veränderung durchlaufen. Dies wurde auch in den zahlreichen Diskussionen auf der CeBIT Social Business Arena herausgestellt. Dabei unterscheiden sich die Unternehmen je nach Größe natürlich in ihrer Veränderungsgeschwindigkeit – weil natürlich bestehende Strukturen und Arbeitsweisen nicht einfach mal von heute auf morgen über Bord geworfen werden! Dies ist ein Veränderungsprozess, der laut der Experten und Praktiker auf der CeBIT Social Business Arena noch einige Jahre bis Jahrzehnte andauern wird.

Bezüglich der Erkenntnisse über die Erfolgsfaktoren im Veränderungsprozesses müssen die Diskussion auf zwei Ebenen unterschieden werden: Auf der operativen Ebene der Umsetzung gilt weiterhin, dass kein Veränderungsprozess “von alleine” passiert, sondern einer aktiven “Wegbereitung” braucht. Sprich die Einführung von “sozialen Technologien” und der damit verbundene Wandel der Arbeitsweisen braucht eine aktive Vorbereitung und Begleitung. Hier gilt es die Mitarbeiter für die Technologienutzung zu befähigen, die Technologienutzung im Sinne der Geschäftsprozesse aktiv zu begleiten und zu fördern, relevante Schlüsselpersonen für den Einsatz der Technologie im Hinblick auf die Lösung ihrer Geschäfts- und Prozessprobleme einzubinden und zu gewinnen sowie das Umdenken bezüglich der digitalen Arbeitsweisen in den Kontext einer übergeordneten Vision zu stellen.

Im Mittelpunkt dieser übergeordneten Vision muss dann auch die “digitale Transformation” selbst stehen. Sie sollte als Hebel für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens erkannt werden. Bezüglich des Status-Quo zu diesem Umdenken konnten die verschiedenen Diskussionen auf der CeBIT Social Business Arena doch ein paar interessante, neue Aspekte festhalten und herausstellen:

  • Die digitale Transformation kommt mit dem Druck von Außen: Die Verbreitung von sozialen Medien im privaten Bereich sowie auch der Wettbewerb um die jüngeren Fachkräfte drängt die Unternehmen zunehmend zum Nachdenken über digitalere Herangehensweisen – sowohl für die Interaktion mit den externen als auch internen Stakeholdern sowie auch in der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle. Dort wo die Unternehmen diesen Druck verspüren, wird auch das Überdenken der Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation “spürbar” und damit nachhaltig verfolgt.
  • Mit den Smartphones kommt der Veränderungsdruck in die Fläche: Die Vernetzung von immer weiteren Teilen der Gesellschaft (und damit auch Teilen der Organisation) mit “mobile und smarten” Endgeräten  in Form von Smartphones und Tablets multipliziert die Notwendigkeit nach einer neuen Form des Informationsflusses und der Zusammenarbeit im Unternehmen. Denn auch wenn es zunächst einmal private Endgeräte sind, so fragt sich, doch der Nicht-Schreibtisch-Angestellte, wieso er/sie nicht auch am einfachen, mobilen Informationsfluss teilhaben kann. Der mobile Informationsaustausch und die mobile Zusammenarbeit wird damit zu einem wesentlichen Treiber für die digitale Transformation im Unternehmen.
  • Die digitale Transformation braucht ein “Digital Thinking” als Teil der klassischen Unternehmensdenke: Wie die verschiedenen Keynotes von David Terrar über Sameer Patel bis hin zu Lee Bryant bei der CeBIT Social Business Arena aufgezeigt haben, braucht die erfolgreiche digitale Transformation ein “digitales Denken”. Hierunter werden Aspekte wie ein Outside-In-Ansatz (sprich ein Denken vom Kunden und seinen digitalen Service-Ansprüchen), eine agile Herangehensweise bei der Unternehmensentwicklung sowie ein Denken in Plattformen und Ökosystemen verstanden. Erst wenn das “Digital Thinking” Teil der Vision und “Unternehmens-DNA” geworden ist, wird sich laut den Experten eine wirkliche Veränderung im Geschäftsmodell und Organisationssystem einstellen. Die Einführung von “sozialen Technologien” kann die Notwendigkeit dieses Umdenkens “transparent” machen, aber letztendlich braucht es “Macher”, die das “digitale Denken” auch in Handeln umsetzen.
  • Die Gestaltung des Rahmenwerkes der Zukunft der Arbeit und Arbeitsorganisation braucht den Dialog über das Wertesystem in einer digitalen Gesellschaft: Damit die digitale Transformation funktioniert, braucht es einmal mehr den gesellschaftlichen Dialog – so das Fazit unserer Keynote-Diskussionen. Die Forderung nach besserer Transparenz über die Unternehmensaktivitäten und mehr Agilität bei der Unternehmensaktivität muss auch durch die Arbeitnehmer getragen werden. Hier braucht es eine Vertrauensbasis bzw. eine Kultur des Vertrauens, dass dabei die Arbeitnehmer von den Unternehmen nicht ausgenutzt bzw. ausgebeutet werden. Auf der Arbeitnehmerseite braucht es aber auch ein Verständnis im Umgang mit offenen Strukturen und flexiblen Arbeitszeitmodellen, mit denen sich die Arbeitnehmer nicht selbst “ausbeuten”. Der Dialog zum allgemeinen Verständnis über die Arbeitskultur in einer postindustriellen Welt steht hier erst noch ganz am Anfang, ist aber auch entscheidend für den Erfolg dieser Modelle in den Unternehmen. Daher müssen die Unternehmen diesen Dialog in der Übergangsphase mit ihren Arbeitnehmern zunächst einmal selbst führen.
  • Noch gibt es kein klares Bild von dem Organisationsmodell der Zukunft: Die Frage nach dem Zukunftsmodell der Organisation bzw. dem, was nach der scheinbar obsoleten Hierarchie kommt, beschäftigt ja viele Bücher und Diskussionen – die Antwort ist aber weiterhin nicht eindeutig. Und es ist fraglich, ob die Antwort überhaupt eindeutig sein wird. Denn natürlich gibt es für die Ablaufkoordination von Prozessen nichts effizienteres als eine zumindest zeitweilige Koordinationshierarchie; nun unterliegt aber jeder Prozess ständigen Veränderungen und ist auch fehlerbehaftet, daher braucht jedes System an sich schon eine fortlaufende Anpassung. Der Übergang in die “digitale Umwelt” bringt zudem den Veränderungsdruck von Außen, was die Notwendigkeit der Anpassungsfähigkeit des Unternehmens als auch seiner Organisation begründet. Die organisatorische Umsetzung der Anpassungsfähigkeit steht in Abhängigkeit zu den vielfältigen Eigenartigkeiten des Unternehmens und seines Unternehmensmodells – und kann damit per se nicht eindeutig beantwortet werden.
  • Das Führungsmodell der Zukunft muss durch ein empathisches Wertesystem geprägt sein: Das Thema “Führung” wurde in den diesbezüglichen Diskussionen auf der CeBIT Social Business Arena immer wieder als entscheidend für die Zukunft des Unternehmens herausgestellt. Denn die Führung bzw. der Führungsstil prägt nicht nur die Unternehmenskultur nachhaltig, sondern gibt auch die “Leitplanken” für den Veränderungsprozess vor. Die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens fordert auch eine Anpassungsfähigkeit der Mitarbeiter. Gute Führung in diesem Umfeld kennzeichnet sich durch gute Sensibilität und gutes Einfühlungsvermögen für Probleme im Veränderungsprozess – und diese liegen oftmals auf der individuellen und persönlichen Ebene. Daher muss sich das Führungsmodell des ständigen Wandels durch ein hohes Maß an Empathie auszeichnen.

Diskussion zu den Rahmenrichtlinien für die Zukunft der Arbeit

Als Zusammenfassung der Diskussion lässt sich festhalten, dass die Diskussion zur erfolgreichen Etablierung neuer Formen der Zusammenarbeit mittlerweile eng mit der Idee von der “digitalen Transformation” verwoben ist. Während “Social” im klassischen (analogen) Geschäftsmodell als ein “Nice-To-Have”-Ansatz für die Verbesserung der Effektivität und Lösung von (analogen) Geschäftsprozesssproblemen anzusehen ist, ist es im “digital” gedachten Geschäftsmodell (insbesondere bei größeren Organisationen) unabdingbar. Damit es aber funktioniert, braucht es das “digitale Denken” als Grundverständnis.

Hier muss auch die weitere Diskussion ansetzen und wir hoffen auch im Zuge unserer weiteren Veranstaltungen wie dem IOM SUMMIT, dem Enterprise 2.0 SUMMIT oder der CeBIT Social Business Arena im kommenden Jahr hierzu einen Beitrag leisten zu können.