Organisieren sich die Unternehmen in Zukunft nun endlich im Netzwerk?

Die Unternehmen stehen in einer großen Umbruchsphase. Sowohl die Globalisierung der Märkte als auch die Digitalisierung aller Lebens- und Produktionsbereiche begründen die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit als die neuen zentralen Wettbewerbsfaktoren für Unternehmen. Diese spiegeln sich aber nicht in den klassischen Organisationsstrukturen, die auf eine effiziente Umsetzung eines hierarchisch “von oben nach unten” vorgedachten und durchgesetzten Planes ausgerichtet sind. Neben dem “Top-Down-Entscheidungsparadigma” stehen sich die klassischen Organisationsansätze durch ihre vielfach überzogene Bürokratie zudem auch immer wieder selbst im Wege.

Abseits der externen Faktoren erfordert aber auch der Einsatz von sozialen Technologien aufgrund seiner transformatorischen Eigenschaften zunehmen ein Umdenken in den Unternehmen. Dabei stellt sich auch hier die existentielle Frage – wie sich die Zukunft der Organisationsstruktur darstellt.

Wird das hierarchische Organisationskonzept durch die Netzwerkorganisation abgelöst?

Die Auflösung der hierarchischen Organisation hin zu einer netzartigen Struktur ist nicht erst ein Phänomen des digitalen Zeitalter. Schon die Organisationsforscher der 90er Jahre wie Sydow oder Reichwald in Deutschland predigten den Vorteil von Netzwerkstrukturen für die Innovationsfähigkeit.

Das Problem dieser Ansätze war allerdings, dass die Koordinationskosten im Netzwerk immer noch weiter über den Wertschöpfungspotentialen des Netzwerkes lagen – weshalb sie sich auch nicht flächendeckend durchsetzen konnten.

Mit der Einführung der sozialen Technologie als Plattform für die interne und externe Vernetzung hat sich dies aber geändert. Die Grenzkosten der Kooordination tendieren mit diesen neuen Ansätzen gegen Null und ermöglichen zudem über die Informationstransparenz in diesen Systemen weitere positive Effekte, die im klassischen Netzwerk-Ansatz nicht realisiert werden konnten.

Allein aus der klassischen Argumentation der Transaktionskosten lassen sich daher die Bestrebungen zur Entwicklung von Netzwerk-Strukturen deutlich unterstreichen. Dennoch – muss das Unternehmen jenseits der Innovationsfähigkeit auch noch effizient in der Umsetzung sein. Daher werden von verschiedenen Experten wie z.B. John Kotter auch duale Organisationsformen empfohlen – bei denen es parallel zur hierarchischen Linien-Organisation eine Netzwerkstruktur für Innovationen und Veränderungsmanagement gibt. Ähnlichen Ansatz hat auch das Konzept von Holacracy.

Die Frage ob Hierarchie, Netzwerk oder duales System ist weiterhin ein offener Punkt, den wir u.a. in der Keynote-Diskussion am 18.03. adressieren wollen.

Keynote-Diskussion: Veränderungen in der Organisation im digitalen Zeitalter

Für die Diskussion dieses Themas konnten wir ein spannendes Panel mit unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven auf das Thema zusammenstellen. Als Impulsgeber für die Runde konnten wir Prof. Dr. Dr. Ayad Al-Ani gewinnen. Prof. Dr. Ayad Al-Ani hat über 20 Jahre Erfahrung als Berater und war zuletzt Executive Partner bei Accenture. Er war Professor und Rektor an der ESCP Europe Wirtschaftshochschule und Professor an der Hertie School of Governance in Berlin. Aktuell forscht er am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin.

In seinem Impuls wird er ein Statement über die Zukunft der Organisation im digitalen Zeitalter geben. Auf seiner Homepage schreibt er hierzu:

Die Hierarchie wird nicht verschwinden. Sie wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren immer mehr die Logiken der P2P-Produktion aufnehmen. Sie wird P2P-Arbeitsweisen über virtuelle Plattformen integrieren und sich zu Netarchien, zu einem Hybrid aus Hierarchie und Peer-Produktion, transformieren. Diese Transformation ist in den einzelnen Unternehmensfunktionen (Produktion, Marketing, Human-Resource, Forschung und Entwicklung usw.) bereits im vollem Gange. Dieser Prozess bringt Herausforderungen, aber auch Chancen für beide Strukturformen mit sich: Die Hierarchie gewinnt neue, vielfach günstige Kapazitäten, kann sie aber nicht per Anweisung steuern, sondern muss neue Wege der Motivation und indirekten Führung suchen. P2P gewinnt Kundenorientierung, kann aber seine Selbstbestimmtheit und Innovationsfähigkeit verlieren. Schließlich ist diese radikale Individualisierung nicht ohne Risiko für jeden Einzelnen, da Sicherheitsnetze fehlen und die Kosten ”ein bloßes Individuum“ zu sein, sehr hoch sein können.

Ergänzend und nicht weniger uninteressant sind die weiteren Gäste der Keynote-Diskussion:

  • Stefan Ehrlich, Knowledge Research Center e.V.
  • Reinhard Karger, Deutsche Gesellschaft für Informatik
  • Dr. Winfried Felser, Competence-Site

Zwei weibliche Ergänzungen für dieses Panel sind angefragt – aber bis dato noch nicht bestätigt.

Im Mittelpunkt der Diskussion sollen dabei folgende Fragen stehen:

  • Wo stehen die Unternehmen beim organisationalem Wandel für das digitale Zeitalter?
  • Wie sieht die Organisationsform von Unternehmen im digitalen Zeitalter aus? Ersetzt die Netzwerk-Organisation die klassische Hierarchie?
  • Wie weitreichend ist die Netzwerk-Organisation – sprich gibt es noch eine Grenze für das Unternehmen?
  • Wie wird die Schlagkräftigkeit und Zielorientierung der Netzwerk-Organisation garantiert? Braucht es nicht doch den Ansatz der dualen Organisation (hierarchische Linien-/Ablauforganisation plus kooperatives Netzwerk à la John Kotter oder dem Wireachy-Konzept von Jon Husband)?
  • Was sind die Treiber dieser Entwicklung und wie können sie unterstützt werden?

Einladung zur Diskussion über die Zukunft der Organisation

Wie schon für die zwei anderen Keynote-Diskussionsrunden möchten wir auch für dieses Panel zur Vorab-Diskussion einladen. Was sind Ihre/Eure Ideen zur Zukunft der Organisation? Was sind spannende Konzeptansätze? Was sind die Probleme in der Umsetzung?
Kommentiert den Beitrag, schreibt einen eigenen Blog-Beitrag und verlinkt diesen hier bzw. informiert uns und wir verlinken und promoten ihn. Die Panelteilnehmer freuen sich über Meinungen, zu diskutierende Fragestellungen und Empfehlungen.




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