Stefan Ehrlich: Faktor Mensch muss in seiner Arbeit unterstützt werden – das macht eine gute Strategie aus!

Stefan EhrlichDen Startschuss in eine neue Woche mit spannenden Antworten in unserer Experten-Interviewreihe macht heute Stefan Ehrlich. Er ist Vorstand und Gründungsmitglied des Knowledge Research Center Dresden e.V. und beschäftigt sich seit 2001 in verschiedenen Rollen in der T-Systems Multimedia Solutions GmbH, in Kundenprojekten, Forschungsvorhaben und als Vortragender mit den Themen Collaboration und Wissensmanagement. Seine Schwerpunkte liegen auf dem Menschen als Wissensträger und den Motivationsmechanismen für erfolgreiche Wissensarbeit. Stefan Ehrlich ist Teil der Keynote-Diskussion am 18.03. zur Zukunft der Organisation im digitalen Zeitalter.

1. Was steckt für Dich/Sie hinter den Schlagworten “Social Collaboration”, “Enterprise 2.0” und “Digital Workplace”? Was ist Deine/Ihre Erklärung für das Thema und seine Bedeutung?

Die Zunehmende Technisierung aller Lebensbereiche macht vor der Arbeit nicht halt. Früher konnten nur wenige Menschen mit Computern arbeiten und mussten dazu auch noch in’s Büro fahren. Heute wünschen sich die meisten am Arbeitsplatz die technische Ausstattung, die sie privat nutzen. Hinter dem Schlagwort „Digital Workplace“ steckt für mich also die schwierige Aufholjagd der Unternehmen bei der IT-gestützten Abbildung von Geschäftsprozessen. Die, die das Rennen machen haben i.d.R. Wettbewerbsvorteile. Social Collaboration ist eine ziemlich spannende Wortschöpfung, da Zusammenarbeit ja von hause aus „Social“ ist. Auf die Zeiten, in denen Menschen intensiver mit Maschinen zusammenarbeiten als währen es Menschen, müssen wir noch eine Weile warten. Gemeint ist jedoch die technische Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Menschen. Dies ermöglich völlig neue Arten gemeinsam zu Arbeiten, Arbeitsorte und -Zeiten verlieren an Bedeutung. Dies wiederum ermöglicht prinzipiell mehr Menschen den Zugang zu einem Job, stellt aber auch gestiegene Anforderungen an die Ausbildung, die Kompetenzen und die Eigenorganisation. Enterprise 2.0 ist in den letzten Jahren zum Synonym für „neue“ Unternehmen geworden. Ehemals geprägt mit dem Fokus auf den Einsatz von Web2.0-Tools im Unternehmen, ist der Begriff breiter geworden. Flache Hierarchien, Partizipation der Mitarbeiter an unternehmerischen Entscheidungen und die Öffnung nach außen für Partnerschaften in Ökosystemen fallen heute auch unter diesen Begriff. Alles Trends, die für Wissensarbeit, Innovation und neue Geschäftsmodelle zuträglich sind und Unternehmen helfen, die gestiegenen Kundenanforderungen schneller zu erfüllen als der Wettbewerb.

2.Warum sind bei diesem Thema auch Ende 2014 noch keine substantiellen Erfolge und Veränderungen in der Breite der Unternehmen zu erkennen?

Diese Sicht teile ich nicht komplett. Viele Unternehmen reagieren auf diese Trendthemen und werden damit erfolgreich. Nicht zuletzt sehen wir das an völlig neuen Produkten und Diensten auf dem Markt. Es gibt zwei Treiber für die Adaption dieser Themen, das sind die verfügbaren Technologien und die Menschen selbst und die Technologien sind vorhanden. Die Veränderungen im Unternehmen müssen von der Unternehmensspitze gewollt, vollzogen und auch verstanden werden. Es geht hierbei um mehr, als Tools einzuführen. Limitierend wirken z.B. Richtlinien und Gesetzte (z.B. für Datenschutz und -sicherheit) sowie Investitionsbudgets. Insofern sehen wir eine stark unterschiedliche Durchdringung der Unternehmen was die genannten drei Trendthemen angeht, unabhängig ob Großkonzern oder Mittelstand.

3. Was macht für Dich/Sie eine gute Strategie zum Thema “Social Collaboration” & “Digital Workplace” aus?

Das allgemeine Nutzenversprechen muss konkret identifiziert und erfüllt werden. Das macht nicht wenig Arbeit. Fragen wie: „Wie können wissensintensive Prozesse unterstützt werden und bei welchen Prozessen macht das unternehmerisch Sinn?“ oder „Welche Prozesse können komplett automatisiert werden, damit die Menschen in der Organisation verstärkt an der Zukunft des Unternehmens arbeiten können?“ sind gute Ausgangspunkte der Strategie. Durchziehen muss sich der Faktor Mensch, er muss durch Technologie unterstützt werden, mehr für die Kunden und damit für das Unternehmen leisten zu können. Leider sieht man viel zu häufig eine Verkomplizierung der Arbeitsabläufe durch Technologie.

4. Gibt es für Dich/Sie Prozessfelder, wo für das Thema relativ sicher “Quick Wins” erzielt werden können?

Das hängt natürlich vom Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Ich hab schon viele Versuche für abgeschaute QuickWins gesehen, die nicht funktioniert haben. Was aber in der Regel in jedem Unternehmen nötig ist, ist interne Kommunikation. Das betrifft die offizielle Kommunikation über die Hierarchie genauso wie die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und Abteilungen. E-Mail ist nicht für alles geeignet, Instant Messaging, Microblogging, Document Sharing sind richtig eingesetzt Tools zur Steigerung der Produktivität.

5. Was ist Eure/Ihre zentrale Empfehlung für die Einführung und Etablierung dieser Konzepte im Unternehmen?

Da möchte ich auf die Strategie verweisen. Der erste Schritt ist, sich mit seinen Kunden zu beschäftigen. Welches Problem will das Unternehmen für sie lösen, welche Leistung soll angeboten werden, welches Produkt braucht der Markt. Existiert hierzu Klarheit kann man sich mit dem WIE beschäftigen, die drei genannten Konzepte berücksichtigen und prüfen, welchen Nutzen sie mit Blick auf den Kunden erzeugen. Dabei sollten zwei Dinge nicht vergessen werden: es gibt weitere für Unternehmen relevante Konzepte (z.B. für Qualitätssicherung) die wichtig sind und der Austausch mit Menschen, die auf dem gleichen Weg sind ist immer zielführend.