Lutz Hirsch (HIRSCHTEC): Eine gute Digital Workplace-Strategie beginnt damit, das bestehende Geschäftsmodell in Frage zu stellen!

Für das heutige und vorerst letzte Interview im Vorlauf zum IOM SUMMIT 2015 freuen wir uns über die Antworten von Lutz Hirsch, geschäftsführender Gesellschafter der in Hamburg ansässigen Full-Service Intranet Agentur HIRSCHTEC.

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1. Was steckt für Sie hinter den Schlagworten “Digital Workplace”, “Transformation der Arbeit”? Was ist Ihre Erklärung für das Thema und seine Bedeutung?

Der heutige ‚Digital Workplace‘ entspringt Konzepten, für die der Grundstein von Apple mit seinem ersten ’Desktop’ und von Lotus Notes in den 90er – Jahren gelegt wurde. Es ist das immer noch nicht eingelöste Versprechen, alle für die eigene Arbeit relevanten Informationen auf einen Blick und auf einer personalisierten digitalen Oberfläche im Zugriff zu haben. Durch die Komplexität und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt sind wir heute weiter denn je davon entfernt, eine einfache und intuitive Ordnung in den digitalen Dschungel zu bringen. Die Transformation der Arbeit ist für mich nicht nur der Schritt der Digitalisierung von Arbeitsabläufen. Vielmehr verbirgt sich dahinter der Wegfall der bisherigen Form der Arbeitsergebnisse. Heute ist nicht mehr der materielle ‚Output‘ eines Arbeitsprozesses entscheidend für den Erfolg eines Produktes und eines Unternehmens. Entscheidend wird sein, ob digitale, vernetzte Dienste angeboten werden, die das Produkt anreichern und den Kunden binden. In diesem Sinne müssen sich Arbeitsorganisationen, -ergebnisse und -abläufe transformieren.

2) Warum muss man auch 2015 noch über die Grundlagen der Transformation der Arbeit in den Unternehmen aufklären?

Weil der Wohlstand gerade in Europa immer noch von der Produktion und dem Export materieller Güter abhängt. Es gibt kein europäisches Pendant zu Facebook, Google oder Weibo (Social Network in China). Bei aller Kritik an ‚Rocket Internet‘ ist dieses Unternehmen das erste seiner Art, das es schafft, in großem Stile Arbeitsabläufe zu digitalisieren und entsprechende Dienste anzubieten. In der traditionellen deutschen Industrie wird ‚Transformation der Arbeit‘ immer noch als Digitalisierung und Optimierung von bestehenden Prozessen verstanden. Der völlige Wandel hin zu einem Produzent von ‚Digital Services‘ stößt in der Regel auf Bedenken und Furcht, das (noch) funktionierende Arbeitsmodell zu verlassen.

3) Was macht für Sie eine gute Strategie zum Thema “Transformation der Arbeit” & “Digital Workplace” aus?

Die gute Strategie beginnt damit, das bestehende Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Es können ganz einfache Fragen sein, zum Beispiel: Was passiert, wenn Apple Autos baut? Warum werden die dann im Auto angebotenen digitalen Dienste von den Kunden viel stärker angenommen als bei den traditionellen Modellen? Welche Daten wird Apple dann aufnehmen und für die Entwicklung neuer Dienste verwenden können? Wie müssen wir uns ändern, damit wir daran teilhaben oder damit konkurrieren können? Dies sind ganz fundamentale Fragen, die weit über eine reine ‚Digitalisierung‘ der bestehenden Arbeitswelt hinausgehen. Der ‚Digital Workplace‘ ist hingegen etwas einfacher zu gestalten. Hier ist Relevanz das große Stichwort. Welche Inhalte und Funktionen sind relevant für welche Zielgruppe und gestalten den Arbeitsablauf einfacher, besser und schneller? Werden in diesem Zuge dann noch IT-Strukturen auf Vereinfachung hinterfragt, hat man die großen Eckpfeiler schon eingeschlagen. Im Sinne der ‚Transformation‘ sollte der ‚Workplace‘ aber mit dem eben geschilderten strategischen Wandel verbunden werden. Der Workplace dient nicht nur der Alltagsarbeit, sondern hilft auch bei der Ideenfindung und Entwicklung digitaler Dienste.

4) Gibt es für Sie Prozessfelder, wo für das Thema relativ sicher “Quick Wins” erzielt werden können?

Die Transformation der Arbeit im eben geschilderten Sinne ist kein Quick Win. Es ist ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen wird. Nur Start-Ups zeigen hier die Geschwindigkeit und können schnell agieren und gewinnen. In etablierten Unternehmen ist oft schon die Einführung eines Social Intranet ein ‚Quick Win‘, da hier Menschen schneller miteinander in Kontakt gebracht werden und der Ideen- und Wissensaustausch befördert wird. Bereiche, die davon profitieren, sind Abteilungen, die stark in Projektarbeit einbezogen werden, Marketing, Forschung & Entwicklung und kundenorientierte Prozesse.

5) Was ist Ihre zentrale Empfehlung für die Einführung und Etablierung dieser Konzepte im Unternehmen?

Es gilt die Weisheit aus der Steinzeit: Wie erlegt man ein Mammut? Im Team, mit viel Mut und Beharrlichkeit. Und wie isst man es? Stück für Stück! Digitale Transformation und ein Digital Workplace sind nicht mal so nebenbei einzuführen. Die Kunst besteht darin, einen Masterplan zu entwickeln, der dann in kleinen Dosen umgesetzt wird. Eine weitere Regel besagt: Richtig ist, was funktioniert. Man muss den Mut haben, früh mit Nutzern in Tests und Erprobungen einzusteigen und die evtl. mühsam aufgestellten Konzepte auf Grund der Nutzerrückmeldungen zu verwerfen oder zu überarbeiten.

6) Welche Erwartungen haben Sie an den SUMMIT?

Viele Einblicke, interessante Gespräche, Spaß und überraschende Ideen!






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