Stephan Rathgeber (ManpowerGroup): Social Collaboration – Die stärkste Motivation für den Menschen ist der Mensch.

Im heutigen Referenten-Interview zum IOM SUMMIT freuen wir uns über die Antworten von Stephan Rathgeber. Er bezieht sich dabei auf exklusive Auszüge aus dem Buch „Change Happens-Veränderungen gehirngerecht gestalten“ von Dr. Margret Klinkhammer, Lothar Wüst, Dirk Stoess und Franz Hüther, das auf der Frankfurter Buchmesse im Haufe Verlag vorgestellt wird.

Stephan Rathgeber verantwortet das Marketing der ManpowerGroup und ist Teil der Projektgruppe, die mit Hilfe einer kollaborativen Lösung den Kulturwandel innerhalb des Unternehmens vorantreibt. Seine Passion liegt in den Fachbereichen Personalmarketing, HR Digitalisierung, Employer Branding, Social Media Lead Generation und HR Thought Leadership.

Stephan_Rathgeber

Was sind drei Schlagworte, mit denen wir Ihre Aussagen auszeichnen können?

Collaboration, Communication, Change

Was war die Zielsetzung, was haben Sie sich vom Projekt versprochen?

Es gehört zur Vision der ManpowerGroup, im Wertekanon „Mensch, Wissen, Innovation“ eine offene Organisation zu sein, in der über Collaboration, Agility und Simplification beste Performance ermöglicht wird. Die Organisation ist ergebnisorientiert, schätzt und vertraut verschiedenen Perspektiven, schafft Raum für Konflikte und agiert nach der Prämisse, nicht alles selber erfinden zu müssen. Aus dem Delta zwischen Vision und Realität ergibt sich folgende Reise: Die ManpowerGroup braucht eine besser verbundene und kollaborative Organisation über alle Geschäftsbereiche, Funktionen und Regionen hinweg. Zur Vereinfachung von operativem Geschäft und Kommunikation, zur Senkung von Kosten und zur Steigerung von Geschwindigkeit, Produktivität und Performance wird neue Technologie zum Einsatz kommen. Die Lösung soll darüber hinaus Spaß machen und Zusammenarbeit in Echtzeit über alle Grenzen hinweg ermöglichen. Sie soll aktuell sein und die Bedürfnisse der weltweiten Nutzer befriedigen. Und sie soll kosteneffizient sein und den Ansprüchen an ein modernes Dienstleistungsgeschäft genügen.

Das Global-Information-Systems-Team hat im vierten Quartal 2013 verschiedene Technologieplattformen analysiert, um die passende Lösung zu finden. Gemeinsam mit dem Executive Management wurde entschieden, dass Google Apps for Business (heute: Google Apps for Work) die am besten geeignete Lösung für die Anforderungen der ManpowerGroup ist. Google Apps wurde aufgrund seiner zentralen Plattform gewählt, die vertraut und einfach zu erlernen ist und eine Vielzahl interaktiver Tools bietet. Es ist Cloud-basiert und ermöglicht es Nutzern, auf einfache Weise über den eigenen Computer oder ein mobiles Gerät zu kommunizieren und Informationen zu teilen: an jedem beliebigen Ort, auf jedem beliebigen Gerät.

Was war die größte Herausforderung auf dem Weg der Einführung?

Der Kultur-Wandel von einer durch Push-Kommunikation geprägten Organisation zu einer selbstverantwortlichen, sozialen, teilenden Organisation mit Crowd Communication.

Was sind die Lesson Learned aus dem Projekt?

Die neue Technologie unterstützt das vom Top-Management getragene und vorgelebte Grundverständnis einer bereichs-, hierarchie- und länderübergreifenden Zusammenarbeit. Sie ermöglicht einen transparenten Dialog des Wandels. Mit sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen und Folgen für Führungskräfte, Mitarbeiter und deren privatem Umfeld. Selbstvertrauen und Vertrauen werden unseres Erachtens eine noch viel größere Rolle als bisher im organisationalen Miteinander spielen – gerade aufgrund der weiteren Digitalisierung und Virtualisierung. Um Überforderung und Überlastung, Isolation und Informationsüberfluss zu vermeiden, wird jeder Mitarbeiter wieder viel bewusster mit Informationen umgehen müssen, achtsamer auswählen, behutsamer formulieren, konsequenter nachfragen müssen. Es gilt, Aufträge sorgsamer zu vergeben. Alle müssen zulassen können, dass Aufgaben vom Kollegen, dem Mitarbeiter und der Führungskraft noch selektiver als bisher angenommen werden. Und dass die Aufgaben von anderen mit dem ihnen eigenen Blick fürs Wesentliche in Eigenverantwortung und in der ihnen eigenen Art ausgeführt werden. Nicht alles muss neu erfunden werden: Copy with pride ist eine vielzitierte Losung. Und 80 % wird wieder gut genug sein, denn es geht nicht um die perfekte PowerPoint-Präsentation, sondern um hemdsärmelig erstellte, praxistaugliche und vor allem agile Lösungen, die sofort beim Kunden – intern oder extern – Wirkung entfalten können.

Während die Early Adopters bereits weitere Veränderungsprozesse mit Google Apps umsetzen (vgl. Hypothese 5), gibt es noch zahlreiche Führungskräfte und Mitarbeiter, die Google Apps erst noch annehmen müssen. Das Tempo der Organisation kann sich nicht nur an den neugierigen, kreativ-wagemutigen Early Adopters orientieren – die übrigens entgegen anders lautender Gerüchte auch mal zu Atem kommen müssen. Eine unreflektierte Differenzierung in Google-Apps-Nutzer und -Nicht-Nutzer gefährdet die gesamte Organisation. Wird der wahrgenommene Unterschied zwischen den Gruppen der Alt- und Neusystem-Nutzern zu groß, so entsteht für die Altsystem-Nutzer das Gefühl, den Anschluss zu verlieren, womöglich sogar Angst. Stammmitarbeiter sind im Schnitt 6,5 Jahre bei der ManpowerGroup Deutschland. Sie gilt es zu halten und mit der Arbeit der Zukunft vertraut zu machen. Wieder einmal formulieren wir frei nach Bauer (2007): „Die stärkste Motivation für den Menschen ist der Mensch.“

Alle Beteiligten des Projektteams stellten fest, dass die eigentliche Arbeit des Change-Teams, die Einbindung von Google Apps in die gesamte Organisation, jetzt erst Fahrt aufnimmt. Dazu half der gemeinsame „Boxenstopp“ in unseren Gesprächen. Auch wuchs im Verlauf der Reflexion bei allen Beteiligten die Gewissheit: Bei aller positiven Einstellung dem Collaborative-Tool gegenüber, gilt es zu beachten, dass es eben nur das ist: ein Arbeitswerkzeug. Viel wichtiger ist die angestrebte Kultur der (globalen) Zusammenarbeit, die eben nicht nur im sozialen Netzwerk zum Leben erweckt wird, sondern auch vor Ort im täglichen Miteinander, Schreibtisch an Schreibtisch, in Meetings, in der Kantine, im Teamverhalten und in bilateralen Gesprächen.

Denn: Nicht alles, was in der Organisation von Bedeutung ist, findet im sozialen Netzwerk statt. Und nicht alles, was im sozialen Netzwerk stattfindet, ist von Bedeutung für die Organisation.

Welche Erwartungen haben Sie an den #iom15?

Collaboration: Wertvolle Menschen kennenlernen und gemeinsam kreativ denken.
Communication: Einen spannenden Vortrag halten, der den Teilnehmern einen Mehrwert bietet.
Change: Raus aus der Komfort-Zone und mich persönlich einen Schritt weiter entwickeln.