#cebiteda16 Interview: Nachgefragt bei Siegfried Lautenbacher

impuls4 Unser aktuelles Interview führten wir zum Expert-Panel “Kollaboration als Enabler für die High-Performance Organisation”, das am 17.03.2016 um 11:10 Uhr stattfindet.

Unseren Fragen beantwortete diesmal Siegfried Lautenbacher, Mitgründer und Geschäftsführer der Beck et al. Services GmbH. Er beschäftigt sich seit 2007 mit Digital Collaboration als Treiber für die Transformation. Darüber hinaus ist er Partner für Social Business des Munich Digital Institute.

#Würde #Ermächtigung #HighPerformance

lauten seine Hashtags, und im folgenden erfahren wir von ihrer zentralen Rolle.

Mit welcher Botschaft wollen Sie die Diskussion entzünden?

Dass eine High-Performance von Unternehmen nur mit einer echten Kollaboration funktioniert. Dazu gibt es mittlerweile auch gute und valide wissenschaftlichen Ergebnisse (INQA, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit). Wir haben dazu auch ein Essay geschrieben, das zur Verfügung steht. Im Prinzip geht es dabei darum, die drei mit den Hashtags benannten Themen zu verknüpfen. Der Clou daran ist, dass eine soziale Kollaboration nicht nur etwas ist, was wir tun, damit es den Beschäftigten gut geht oder weil es dem Employer (oder CEO-) Branding nützt, sondern auch einen ökonomischen Mehrwert dar- bzw. herstellt.

Gerne mache ich das noch einmal kurz am Hashtag Würde fest, der auch sprachgeschichtlich mit dem Wort Wert verwandt ist. Die Beachtung der Würde der Beschäftigten als Menschen führt dazu, dass diese in und mit ihren Teams eine bessere Arbeitsleistung erbringen. Das tun sie aus freien Stücken (intrinsisch motiviert), weil sie sich nun als Gleichgestellte (Peers) auf Augenhöhe begegnen können. Und genau dazu leisten Kollaborationsplattformen einen fundamentalen technischen Beitrag. Den man allerdings über die Unternehmenskultur einbinden muss.

Über die Auswirkungen auf die Hierarchie und mögliche posthierarchische Organisationsformen wie #wirearchy sollten wir dann nochmal gesondert sprechen.

Kollaboration ist in Unternehmen kein Novum, “digital Collaboration” u. U. schon. Welche Merkmale zeichnen die neue Kollaboration als Enabler aus?

Man muss eben genau hinschauen, wie die Kollaboration organisiert wird bzw. was im Einzelfall damit gemeint ist. Wir unterscheiden dabei Kooperation im Sinne einer hierarchisch organisierten Zusammenarbeit und (echter) Kollaboration als autonome und selbstorganisierte Zusammenarbeit im Rahmen von Communities (Gemeinschaften). Dabei geht es nicht um eine reine Wortspielerei und der Unterschied liegt darin, welchen Stellenwert man den einzelnen Mitarbeiter*innen zuspricht und welches Menschenbild der Organisation der Zusammenarbeit zu Grunde liegt.

Ein zentraler Enabler (zentrales Merkmal) für die hochperformante digitale Kollaboration ist u.E. die jeweilige Community. Wir sehen also die Beschäftigten primär als eingebunden in vielfältige Gemeinschaften, in deren Rahmen sie erst produktiv und erfolgreich tätig sein können – weil sie darüber Feedback erfahren, motiviert werden und eigenständig tätig werden können. Das ist übrigens ein Aspekt, der noch weiter theoretisch untersucht und praktisch ausgestaltet werden kann. Für ein erfolgreiches Community-Building gelten ebenfalls die genannten Hashtags.

Unsere These: wir sind flächendeckend noch gar nicht befähigt / bereit für digital Kollaboration auf den Prämissen Offenheit, Transparenz, WoL etc. Wie kann dann Kollaboration mit Status heute als Enabler funktionieren?

Nun: damit Anfangen. Einfach damit anfangen. Mein Kollege Alexander hat in einem Blogbeitrag die notwendigen Bedingungen dafür hervorragend herausgearbeitet. Er nutzt dazu den altgriechischen Begriff der „Arete“, der als Eigenschaft von Menschen unmittelbar mit der Tugend und einer gelungenen Lebensführung verknüpft ist. In Erscheinung trat die Arete dabei nicht nur bezüglich der Tauglichkeit einer Sache, sondern vor allem bei der Erfüllung von Aufgaben in Bezug auf den Zweck, dem sie dienen sollen. Zu etwas gut sein, im Sinne eines hohen Maßes an Tauglichkeit für ein bestimmtes Ziel, würde man als Maßstab sicher auch für eine gute Zusammenarbeit zu Grunde legen.

Ich glaube, wir haben und noch viel zu oberflächlich damit beschäftigt, wozu Kollaboration im Businessumfeld wirklich gut ist und unter welchen auch organisatorischen Bedingungen sie überhaupt ihren Nutzen entfalten kann.

Noch einmal ganz konkret: Hochperformante digitale Kollaborationen ergeben sich über ein befähigendes Community Management. Dabei verstehen wir unter Befähigung die Qualifizierung der Betroffenen und das praktische Ausprobieren der neuen Möglichkeiten von Vernetzung im Rahmen sozialer Kollaborationen.

Hinzukommen muss aber das Empowerment als Ermächtigung im Sinne von Anpassung der Strukturen, damit sie Vernetzung und Kollaboration ermöglichen. Normalerweise funktioniert das nämlich erst, wenn die Communities – und ihre Mitglieder – Autonomie über ihre Aufgaben und die Erledigung bekommen, also aus den Hierarchien herausgelöst werden. Das wiederum setzt normalerweise einen deutlichen Wandel voraus, den wir gerne begleiten wollen – aber auch begleiten können.

Im Hinblick auf die Keynote von Dion Hinchcliffe zum Thema Social und Digital Enterprise oder anders formuliert: human und tech Dimension, wo siedeln Sie Kollaboration an?

Im Schnittpunkt der beiden Kreise, und zwar sowohl als technische Dimension wie auch als menschliche Dimension. Ich würde es als die zwei Seiten der gleichen Medaille sehen:

Auf der einen Seite haben wir Kollaborationsplattformen als technische Möglichkeit, die Vernetzung, Profilbildung und Sharing erlaubt.

Auf der anderen Seite haben wir die soziale Dimension der Communities, in deren Strukturen dies abläuft und die die Kollaboration auch im Sinne es Unternehmens ermöglicht.

Wichtig ist mir, dabei zu betonen, dass beide Seiten zusammengehören. Man bekommt nicht das eine ohne das andere. Das zeigen zumindest all die gescheiterten Projekte, die beispielsweise einseitig nur die technische Dimension betrachtet haben. Deswegen bestehen wir bei Beck et al. Services auch darauf, Technik und Mensch aus einer Hand anbieten zu können.

Herr Lautenbacher, auch Ihnen ein herzliches Danke. Ich denke, ich bin nicht die Einzige, die sehr gespannt auf das Expert Panel ist.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.