Auf dem Weg zur lernenden Organisation – oder noch weit davon entfernt?

Im Blog von Cogneon läuft gerade eine Blogparade zum Thema “Wo stehen wir im Bereich Wissensmanagement und Lernende Organisationen heute?“. Die Blogparade dient der Vorbereitung des KnowTouch 2016 (#knt16), die von Simon Dückert, Geschäftsführer von Cogneon und Beiratsvorsitzender in der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V., zusammen mit seinem Team ins Leben gerufen wurde. In der Slack-Community zum IOM SUMMIT verknüpfte Simon Dückert die Frage der Blogparade mit einem Interview, welches ich vor drei Jahren mit ihm geführt und in dem Beitrag “Soziale Technologien als Treiber für eine Renaissance der Wissensmanagement-Praxis” dokumentiert habe.

Schon damals stellte Simon Dückert die Potentiale der sozialen Technologien als “Enabler” für ein Neudenken des betrieblichen Wissensmanagements heraus.  Was aber unter den Fans der “sozialen Technologien” einleuchtend ist, kann in der Praxis mitunter nicht wiedergefunden werden. So kommentiert Manfred Langen, Principal Key Expert Social Computing bei Siemens und Mit-Initiator des Industrie-Arbeitskreises Wissensmanagement in der Praxis (WIMIP), im Cogneon-Beitrag zur Blogparade ein ganz düsteres Bild (Link zu Kommentar):

Wir stehen noch mitten im Tal der Desillusionierung. Die Pioniere wollten “eine bessere Organisationswelt” (um einmal mit Google-Pathos zu sprechen) und das Management hat eine Industrialisierung der Ressource Wissen erwartet, jederzeit und überall einsetzbar – nicht ohne Mensch (das kommt jetzt wieder mit AI/Cognitive Computing), aber mit möglichst beliebigen Menschen.
Da musste es zu Enttäuchungen kommen.

Was hier deutlich wird, ist das Paradoxon zwischen der “Wunschvorstellung” der Experten und Evangelisten zum Thema und dem “Unternehmensalltag”, dessen Rahmenbedingungen durch das Verständnis des Management zu diesem Thema gesetzt werden. Solange das Management sich dem “Performance”-Gedanken verschrieben hat, so sind die Rahmenbedingungen, dass das bestehende Organisations- und Betriebsmodell nicht überdacht, sondern allenfalls durch den Einsatz von “sozialen” Technolgien und “digitalen” Mechanismen zur besseren Zusammenarbeit “optimiert” werden sollen. In diesem Szenario kommt es zwangsläufig zur “Desillusion”, da letztendlich die “sozialen Technologien” im Hinblick auf die Idee der “lernenden Organisation” gar nicht ihre Möglichkeiten entfalten können.

Letztendlich führt uns das wieder zu der zentralen Frage – wie ist das Projekt aufgesetzt. Gibt es einen “Purpose” hinter dem Projekt? Gibt es eine Vision, die Freiraum für Veränderungen des Organisations- und Betriebsmodells bietet? Oder steckt das Management doch im klassischen Denken fest und will nur mit neuen Tools “optimieren”? Wenn die Vision von der “Entwicklung des Unternehmens durch Innovation und die aktive Gestaltung der Marktentwicklung” gelebt und verfolgt wird, dann bestehen gute Chancen, dass die “lernende Organisation” als Notwendigkeit für die Umsetzung dieser Vision verstanden wird und alle Maßnahmen darauf einzahlen sollen. Wenn dies nicht der Fall ist und das Management im “Managen” und “Optimieren” der bestehende “Prozesse und Ressourcen” verortet wird, dann ist es ein “steiniger” und mitunter wenig erfolgreicher Weg für das Projekt.

Nichtdestotrotz kann auch in der zweiten Ausgangssituation zu einer “Entwicklung” kommen, denn die “soziale Technologie” ist bekannterweise eine “Trojan Mouse”, die sowohl klassische Zusammenarbeit optimiert und verbessert als auch immer einen transformatorischen Charakter besitzt. Der Erfolgsfaktor liegt dann aber gar nicht so sehr in dem generellen Ansatz der etablierten Plattform, sondern in der Herangehensweise der “Etablierung” und “Befähigung”. Und damit sind wir wieder beim Thema “Digital Enablement” – was wir beim IOM SUMMIT diskutieren wollen und was für uns als zentraler Hebel für den Erfolg gilt (siehe auch Beitrag “Der Digital Workplace ist der Hebel für die digitale Transformation“):

Die Plattformen bilden dabei einen zentralen Kern für das Betriebsmodell der Unternehmen im digitalen Zeitalter. Damit die Plattform auch ihre richtige Anwendung finden, braucht es natürlich kulturelle Anpassungen auf den verschiedenen Ebenen des Unternehmens (Individuum, Team, Organisation). Dabei muss der Einzelne für die (Mit-)Arbeit in diesen Strukturen befähigt, die Teams auf den Mehrwert des „Teilens“ und der Agilität neu eingestimmt und die klassische Linienorganisation aufgelockert werden. Wir sprechen hier auch immer wieder von dem „Digital Enablement“ (digitale Befähigung) der Mitarbeiter und der Organisation.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf eine spannende Diskussion in der kommenden Woche – zu der sich derzeit schon in der Veranstaltungs-Community warmgelaufen wird.