Dr. Peter Geißler (Communardo): Statt dem großen Kulturprogramm braucht es eine Vision und dann ein Doing! #ioms16

Im finalen Interview unserer Reihe zum IOM SUMMIT freuen wir uns noch über die Antworten von Dr. Peter Geißler, Head of Digital Workplace bei Communardo. Er berät Kunden bei der Strategie und Einführung, aber auch Begleitung hin zum vernetzten Arbeitsplatz, und ist dabei – mit seiner Promotion zur Mobilisierung von Erfahrungswissen – klar in der Ecke der Wissenmanagement-Experten zu verorten. Im letzten Jahr hat er zudem zusammen mit Dr. Paul Kruse das Buch “Das vernetzte Unternehmen” mit vielen Beiträgen verschiedener Autoren herausgebracht. Ferner ist er Mitbegründer des Forschungsnetzwerks Knowledge Research Center e. V. (KRC).

Zum IOM SUMMIT hält er einen kurzen Impulsvortrag zum Thema “Digital Enablement” – was wir auch als Aufhänger für das Interview genommen haben. In seinen Antworten unterstreicht er die strategische Bedeutung der “digitalen Befähigung” – stellt aber auch klar heraus, dass es für den Erfolg der digitalen “Befähigung” und Transformation einen “Sinn” geben muss.

petergeissler

1) Mit welchen drei Hashtags können wir Deinen Beitrag beim IOM SUMMIT verschlagworten?

#Mehrwert #Arbeitsalltag #Sinn

2) Woran können wir messen, ob der Digital Workplace einen sinnstiftenden Mehrwert für den Arbeitsalltag bietet?

Das ist eine sehr gute Frage. Spontan würde ich sagen, wenn die Mitarbeiter in kürzester Zeit die moderne Kollaborationsplattform oder das neue Intranet einsetzen und für ihre Arbeit nutzen würden. Und wenn damit dann ein Umdenken einhergegangen ist, dass neue Methoden der Zusammenarbeit, des Lernens und der Prozessdenke im Unternehmen stattfinden. Das wäre ein sehr gutes Zeichen, dass wir wirklich den richtigen Nerv getroffen haben.

Das bedeutet auch, dass die Anwendungssituationen des Mitarbeiters verstanden wurden, im Vergleich zum bisherigen Arbeiten die Prozesse schneller, einfacher oder innovativer laufen oder der Mitarbeiter mehr Flexibilität hat – z.B. von unterwegs aus dem Zug Freigaben oder Feedbacks zu erledigen oder Arbeit von Zuhause ohne Defizite im Prozess erledigt werden kann. Hier braucht es dann kein großes Veränderungsmanagement, weil der Mitarbeiter das ganz gut selbst versteht, was es bringt.

Und leider ist es in der Regel nicht immer so. Und deshalb müssen wir natürlich auch interessante Vorreiter oder Piloten im Unternehmen ausmachen, die erstmal ausprobieren, experimentieren und lernen, welche Möglichkeiten die modernen Formen der Zusammenarbeit für sie bieten. Ich verweise hier gern auf das aktuelle Buch von Prof. Dr. Lars Vollmer “Zurück an die Arbeit“, wo es auch um die negativen Aspekte von zu viel Zusammenarbeit geht. Aber jene Piloten im Unternehmen können als Botschafter agieren und in Gesprächen mit den Mitarbeitern bekommt man das raus, ob und welchen Nutzen das Projekt gebracht hat.

3) Das klingt ja sehr hemdsärmelig und nicht nach der großen Kulturrevolution, die so oft als erster Schritt propagandiert wird!?

Auf jeden Fall würde ich nicht mit dem großen Kulturprogramm einsteigen. Nicht nur die Zuständigkeiten davon sind meistens unklar, sondern auch die lange Dauer der Initiierung führen nicht zu dem Drive, den wir vermitteln wollen und den es braucht.

Je nach Reifegrade bzgl. der internen Digitalisierung empfehle ich mit einer Vision und einem Strategiebild zu starten. Wo wollen wir eigentlich bei der internen Digitalisierung oder dem Ansatz des Digital Workplace hin? Wie trägt sich das mit der Erreichung der Unternehmensziele? Dann heißt es, konkret mit Fachbereichen die Anwendungsfälle beginnen umzusetzen, um Mehrwerte für den Arbeitsalltag zu generieren.

Aber natürlich ist die Unternehmenskultur ein entscheidendes Thema für den Erfolg der Intitiative und auch die digitale Teilhabe (Engagement) ist notwendig, um letztlich alle Mitarbeiter mitzunehmen und einen Sogeffekt zu erzeugen. Allein schon wegen der permanenten technologischen Entwicklungen brauchen wir hier mehr Flexibilität bei Mitarbeitern als früher. Das bedeutet für mich, dass wir nicht alles bis ins Kleinste vorgeben und festlegen können. Wir können heute nicht Werkzeuge vorschlagen und Kunden eine Sicherheit für die nächsten 5 Jahre geben.

Deshalb sollte der Fokus bei der Befähigung und Teilhabe der Mitarbeiter darauf liegen, mit den ersten sinnstiftenden Anwendungsfällen zu starten, mit Lern- und Impulssvideos Geschichten über die Effekte und den Nutzen zu erzählen und sukzessive weitere Szenarien, Lösungen und Howtos nachzulegen. Darum spreche ich in diesem Zusammenhang auch seltener von Projekten als von Programmen, die ganz andere Laufzeiten haben und mehrere Themen bündeln. Den Rahmen bildet dann dabei die digitale Strategie und die davon abgeleiteten Anwendungsfälle bzw. Anforderungen der Mitarbeiter.

4) Du hast jüngst einen Beitrag zu den Herausforderungen auf dem Weg zum digitalen Transformation geschrieben und hast da auch auf ein VUCA Modell (Akronym für Volatilität, Ungewissheit, Komplexität & Ambivalenz) verwiesen. Sind das die Faktoren, die in dem von Dir empfohlenden Strategiebild addressiert sein müssen?

Das Akronym VUCA mit seinen vier Faktoren Volatilität, Ungewissheit, Komplexität & Ambivalenz beschreibt für mich das heutige Umfeld von Unternehmen eigentlich sehr gut. Ich verweise an dieser Stelle auf den Blogbeitrag, um hier nicht in Definition zu versinken.

Das spannende an dem Modell ist letztlich, wie Unternehmen sich ausrichten und sich aufstellen müssen, wenn sie in einem volatiler Umfeld agieren. Und eine Antwort lautet in diesem Zusammenhang eben mehr Vernetzung von Mitarbeitern und Partnern, mehr Offenheit bzgl. Ideen und Innovationen, mehr Teilhabe bei der Erstellung von neuen Inhalten oder Kuration von Bestehendem und auch mehr Agilität bzgl. Prozess, Strukturen und Methoden.

Und ja – eine Digitalstrategie von Innen muss diese Faktoren auf sozialer, organisationaler und technologischen Ebene widerspiegeln. Sonst schaffen wir keine Antworten für die Anforderung an die moderne Arbeitswelt.

5) Welche Ratschläge werden die Teilnehmer aus Deinem Lightening Talk zum Thema Digital Enablement mitnehmen können?

Ich hoffe, dass ich sechs Reiseempfehlungen in der Kürze der Zeit den Teilnehmern mitgeben kann. Auch wenn jede Reise im Digital Workplace Umfeld ein wenig anders aussieht, gibt es doch einige Grundpfeiler – welche das sind, möchte ich hier noch nicht vorwegnehmen. Ich lasse mich gerne morgen noch inspirieren, da doch sicherlich auch andere Vorträge beim IOM SUMMIT mich beeinflussen können 😉

6) Mit welchen Erwartungen kommst Du zum IOM SUMMIT?

Ich möchte die nächsten Herausforderungen kennenlernen. Gelöstes und ungelöstes erleben und verstehen. Sich kritisch auseinandersetzen, was eben nicht gelingt, obwohl wir schon vieles (seit Jahren) prophezeien. Und vielleicht einfach den Anwender und Mitarbeiter zuhören, wie weit sie bereits schon sind. Ich bin da immer neugierig und überrascht.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.



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