Dr. Peter Schütt, IBM Deutschland, über Auswirkungen des Cognitive Computing auf den digitalen Arbeitsplatz. #ioms16

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Dr. Peter Schütt ist Leader für Collaboration Solutions Strategien bei IBM in DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) und berät IBM-Kunden aus allen Branchen zu den Themen Digital Enterprise & Social Business Konzepte, Smarter Work und Arbeitsplatz der Zukunft, Attention Management, Collaboration, Mitarbeiter-Portale, Innovations- und Wissensmanagement mit innovativen, praxisbezogenen Lösungen.

Nebenbei leitet er den Vorstand des BITKOM Arbeitskreises „Cognitive Computing“ (CC) und ist Mitglied des Programmausschusses des „Big Data Summits 2017“ – der größten Big Data Konferenz in Deutschland. Daneben ist Dr. Schütt gefragter Keynote Speaker in ganz Europa und Autor von zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und mehrerer Bücher, u.a. „Der Weg zum Digitalen Unternehmen“ (Gabler/Springer–Verlag, 2015) und „Wissensmanagement“ (Falken/Gabler, 2000).

Dr. Schütt wurde 1955 in Hamburg geboren und hat dort an der Universität im Fachbereich Physik nach einem Forschungsaufenthalt am CERN in Genf promoviert. Er lebt in Stuttgart, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Herr Dr. Schütt – Sie werden beim IOM SUMMIT 2016 einen Einführungsvortrag zu den Auswirkungen des Cognitive Computing auf den digitalen Arbeitsplatz halten. Mit welchen Hashtags können wir den Vortrag auszeichnen?

Es geht um #SchlauerArbeiten, oder Englisch #NewWayToWork in der #CognitiveEra durch Unterstützung von Systemen der #KI

Was steckt hinter dem neuen Schlagwort “Cognitive Computing” und wo steht die Entwicklung bei diesem Thema?

Ein Meilenstein in der industriellen Entwicklung. Wir stehen vor einer neuen Ära, in der Systeme in natürlicher Sprache interagieren, selbst lernen und nachdenken können.

Aber es werden keine Monster und sie werden uns Menschen auch nicht ersetzen, aber an sehr vielen Stellen unterstützen und damit unser Leben einmal mehr verändern.

Kognitive Systeme sind also selbstlernende, intelligente Systeme, die die Umwelt selbstständig erfassen und auswerten sowie über eine natürlichsprachliche Schnittstelle mit dem Menschen kommunizieren?

Ja, das Verstehen natürlicher Sprache ist das eigentlich Neue. Und das nicht regelbasiert, wie die künstliche Intelligenz der 1980er, was ja immer endlich ist, sondern als selbstlernendes System, das fortlaufend besser wird.

Eigentlich fast wie ein Mensch.

Wie verändern die kognitiven Systeme den digitalen Arbeitsplatz?

Wir bekommen alle Assistenten für alles Mögliche. Der Anfang für die meisten von uns war sicher das Navi im Auto. Das besondere ist aber, dass es durch den Betrieb aus der Cloud keine Obergrenzen gibt. Ein Chefarzt kennt sicherlich viele Veröffentlichungen. Ein kognitives System kann aber theoretisch alle kennen – und dabei auch alle ganz neuen. Es wird den Chefarzt trotzdem nicht ablösen, sondern nur unterstützen, noch bessere Entscheidungen bei seinen Operationen zu treffen und mehr Leben zu retten.

Deshalb reden wir auch bewusst nicht von künstlicher, sondern von erweiterter Intelligenz.

Wenn wir über die digitale Transformation am Arbeitsplatz sprechen – so haben wir in der Vergangenheit damit immer die Revolution durch soziale Systeme gemeint, die durch einen offenen Informationsfluss und eine direkte Interaktionsmöglichkeit, die klassische intransparente Kommunikation im Unternehmen verbessert. An welcher Stelle setzen nun die kognitiven Systeme an?

Der offene Informationsfluss hat enorm viele Vorteile gebracht – und einen Nachteil: Die Datenmenge, mit der wir uns zu beschäftigen haben, hat damit nochmals stark zugenommen. Das ist der Preis für die Transparenz, die man benötigt, um Entscheidungen heute besser und schneller zu tätigen. Um das in einem klassischen Bild auszudrücken: Der Heuhaufen mit der Stecknadel ist leider auch größer geworden.

Kognitive Systeme werden nun helfen die Stecknadel im Heuhaufen direkt zu finden und damit die Informationsüberschwemmung wieder reduzieren, was einen enormen Produktivitätsschub verspricht.

Neben IBM streben auch Google, Microsoft, SAP, Salesforce sowie jüngst Oracle in das Feld der kognitiven Gesamtlösungen – zusätzlich zu den unzähligen Spezial-Bot-Systemen, die mit singulären Ansätze für den digitalen Arbeitsplatz und integriert in allgemeine Infrastrukturplattformen wie Slack daherkommen. Wohin entwickelt sich hier der Markt?

Der Markt würfelt gerade neu. Nur die Unternehmen, die beim Thema Cognitive Computing ganz vorne mitspielen, werden in 10-15 Jahren noch am Markt sein. Das wird zu einigen Überraschungen führen und verunsichert natürlich im Moment die Einkäufer. Wir gehen davon aus, dass proprietäre Single-Vendor Plattformen das nicht stemmen werden und erwarten, dass sich Unternehmen ihre Lösungen im Sinne von „Best of Breed“ zusammenstellen wollen. Hier werden Herstellerallianzen und offene Lösungen eine zentrale Rolle spielen.

Welche Erwartungen haben Sie an den IOM SUMMIT?

Sehr hohe! Ich gehe davon aus, dass es wieder eine der spannendsten Konferenzen in diesem Jahr sein wird.

Herr Dr. Schütt, vielen Dank – wir sind gespannt auf mehr am 27.09.2016 um 10:10 Uhr.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.