Technologische Integration am Digital Workplace braucht eine tiefergehende Diskussion

Das Themenfeld der Etablierung neuer Formen der Zusammenarbeit und digitalen Transformation im Unternehmen ist durchaus weit gesteckt. Technologische Aspekte sind dabei ein wichtiger Enabler, aber mit unter nicht der problematische Aspekt, der für die Initiativen in diesem Themenfeld zu lösen ist. Und so ist es denn auch klar, warum das Programm des IOM SUMMIT über die Jahre immer weniger technologische, aber dafür mehr organisatorische und kulturelle Fragestellungen adressiert hat.

Nun entwickeln sich aber die Technologien derzeit gerade in großen Schritten weiter, so dass wir schon beim diesjährigen IOM SUMMIT 2016 wieder eine Notwendigkeit für eine dedizierte Diskussion einiger technologischer Trends gesehen haben. Entlang dieser Fragestellung fanden auf der Veranstaltung einige spannende Beiträge statt, die auch in unserem Video-Archiv auffindbar sind:

In der an die TechTalk-Session anschliessenden Diskussion diskutierten die Vortragenden zusammen mit den Konferenzteilnehmern im Raum sehr intensiv über die Zukunft der Plattformen. Hier wurden sehr schnell zwei Entwicklungsrichtungen offenkundig: Zur einen Seite eine weitgehend zentralisierte Plattform als Digital Workplace, bei der unter einer “Haube” alle Nutzer-abhängigen Anwendungen bereitgestellt werden. Personalisierung und Integration von Drittsystemen in einer Umgebung sind hier wichtige technologische Herausforderungen. Auf der anderen Seite stand der dezentrale Ansatz, bei dem es für verschiedene Business-Applikationen spezialisierte Anwendung in einer offenen Infrastruktur bereitgestellt werden. Als Integrationsschicht werden hierfür Messaging-Plattformen à la Slack, Skype Teams oder die Open-Source-Variante wie z.B. Mattermost gesehen.

Vor dem Hintergrund verschiedener Stakeholder-Communities (wie z.B. verschiedenen internen Teams & Communities, Partner-Communities oder Kunden-Communities) ist zudem ein mehrschichtige Infrastrukturansatz zu sehen – wie ihn u.a. Dion Hinchcliffe auch in seiner Präsentation anführte – und wie es sein nachfolgendes Schaubild nahelegt (hier gibt es auch einen ausführlichen Blog-Beitrag von ihm zum Thema).

Multilayer Collaboration Infrastrure Framework by Dion Hinchcliffe

Aus der Diskussion abgeleitet sehen wir einige aktuell alten und neuen Fragestellungen auf der technologischen Seite – die für die weitere Etablierung der digitalen Arbeitsplatz-Umgebungen durchaus kritisch zu klären sind:

  • Integration von klassischen Geschäftsprozess-Systemen mit den Kollaborationsplattformen: Nach wie vor finden sich in vielen Unternehmen eine große “Kluft” zwischen der Organisation der “transaktionalen” (Geschäfts-)Prozesse und der nicht direkt “transaktionalen” Zusammenarbeit. Während Ersteres in der klassischen Welt der Geschäftsprozess-Lösungen läuft, wurde für Letzteres eine neue offene Kollaborationslandschaft ins Leben gerufen. Intranet, Projektdokumentationen und Kollaboration laufen zusammen, aber die prozessuale Abarbeitung von Geschäftsdokumenten wie z.B. einer Rechnung und die Kollaboration läuft in disjunkten Welten. Dabei entstehen entlang der transaktionalen Prozesse immer wieder Kollaborationsanlässe für die eine Verzahnung sehr effizient und z.T. auch effektiv wäre.
  • Zusammenführung von klass. Collaboration-Plattformen mit Conversational UX/Integrationsplattformen: Immer mehr wird deutlich, dass es das eine Anwendungsszenario am Digital Workplace nicht gibt, sondern für jeden Nutzer der indiviudelle Produktivitätsvorteil in einer Kombination unterschiedlicher Werkzeuge und Umgebungen liegt. Hier setzen die Messaging-Plattformen mit dem Conversational UX-Ansatz an und bieten dem Anwender eine individuelle Anwendungskonfiguration. Dabei entstehen derzeit wieder neue Silos beim Thema Kollaboration in den Unternehmen, für deren zielgerichtete Auflösung es weiterer Klärung bedarf.
  • Integration von Assistenzdiensten zur Automatisierung von Informationsmanagement-Aufgaben: Das Thema AI/Cognitive bringt auch für den Digital Workplace spannende Neuheiten – zum Einen kann damit das Informations-Overload-Problem gelöst werden und zum Anderen auch die Integration bzw. das Wechselspiel mit Drittsystemen aus dem Geschäftsprozess für den Anwender beherrschbar gemacht werden. Dabei geht es nicht wie derzeit vielerorts diskutiert – um die Substitution der menschlichen Arbeitskraft sondern um die technologische Aufwertung und Unterstützung durch intelligente Agentensysteme. Bei der Diskussion der technologischen An- und Einbindung dieser Dienste stehen wir noch ganz am Anfang, was viel Klärungsbedarf hat.
  • Zusammenspiel von Cloud- und Onpremise-Lösungen unterschiedlicher Anbieter: Ein weiteres offenes Thema ist das Zusammenspiel der Systeme aus Infrastruktursicht – nämlich wie können die dezentralen Cloud-Services mit On-Premise-Lösungen verschiedener Anbieter sicher interagieren. Auch hier gibt es noch viel Klärungsbedarf, da die Ansätze der ersten Generationen des Digital Workplace ja eher Silo-orientiert in einer Lösungsumgebung stattfanden.

Insgesamt stellen sich hier also einige neue Fragestellungen, die es für die weitere Entwicklung der Digital Workplace Konzepte zu klären gibt. Wir wollen hier sowohl mit der anstehenden CeBIT Enterprise Digital Arena als auch mit der neuen “Tech Edition” zum IOM SUMMIT am 03.05. die Diskussion weiter voranbringen. Derzeit suchen wir wieder nach spannenden Vorträgen – möglichst von Projektverantwortlichen aus Unternehmen, die sich mit dem einen oder anderen voranstehendem Thema schon weiter auseinander gesetzt haben. (Bitte nutzen Sie unsere Call-for-Participation-Formulare auf unseren Event-Seiten oder kontaktieren Sie mich direkt)

Des Weiteren freue ich mich aber auch über Experten-Meinungen zu diesem Thema? Sprich welche weiteren Fragestellungen gibt es eventuell noch bei dem Thema?