#cebiteda17 Bernd Gewehr über Kollaboration, in Verkauf, Produktion und Verwaltung

 

 

Prozeß- und Kollaborationsunterstützung – eine alt hergebrachte und ggf. zu überdenkende Aufgabe der Informationstechnologie. Wir haben uns mit Bernd Gewehr, Ingenieur der Elektrotechnik und seit fast 20 Jahren Leiter der Informationstechnologie des international tätigen Ingenieurbüros Vössing, schon vor dem Panel “Grenzverschiebung zwischen Prozess- und Kollaborationsunterstützung” unterhalten.

In seinem Unternehmen hat er den digitalen Wandel erlebt und mit gestaltet, Grenzverschiebungen also erfahren?

 

Bernd, wie lauten Deine drei Schlagworte für die #cebiteda17?

#FutureWorkplace

#DigitalDailyRoutine

#ConversationalApps

Du wirst im Panel “Grenzverschiebung zwischen Prozess- und Kollaborationsunterstützung“ zu hören sein. Vielen mag der Titel abstrakt vorkommen. Was erwartet uns?

In vielen Unternehmen wurde das social intranet eingeführt, in dem die erfolgreichen Aspekte der öffentlichen social media Plattformen auf den beruflichen Alltag übertragen wurden. Neben der eigentlichen Arbeit und als Ergänzung zu derselben konnten die Mitarbeiter nun vernetzen, empfehlen, folgen und anhand von Beziehungen zwischen Menschen und Inhalten recherchieren oder über tags, @mentions und #hashtags neue Beziehungen selbst herstellen. Dieser Teil der #DigitalDailyRoutine ist die Kollaborationsunterstützung.

Parallel und abgekoppelt davon existiert – immer noch unverändert – die transaktionale Prozesswelt der Geschäftsprozesse, die sich im ERP, CRM, HCM, CAM und DMS abspielt. Diese Welt grenzt sich aus den Kollaborationstools aus, ist methodisch ganz anders beschaffen.

Ich werbe dafür, die Grenzen nicht nur zu verschieben, sondern aufzuheben. Warum sollte mein #FutureWorkplace mir nicht erlauben, meinem Kunden im CRM zu folgen, meinen Auftraggeber per @mention auf etwas hinzuweisen und über einen Kommentar zum Rechnungsbeleg dessen Korrektur einzufordern?

Wenn Grenzen verschoben werden, dann muss jemand diese Grenzen gesetzt haben, jemand sie jetzt verschieben. Wer sind die „Akteure“?

Zuerst die gesetzten Grenzen: Akteure im Sinne handelnder Personen gibt es da meiner Ansicht nicht. Es sind die tradierten Grenzen der IT-Systeme: Hier Kollaboration, da Verkauf, Produktion und Verwaltung. In meiner Denkweise vermischt sich das alles zu kollaborativem Verkauf, kollaborativer Produktion und kollaborativer Verwaltung. Falls wir nun alle diese andere Arbeitsweise besser finden und annehmen, dann sind wir alle die Akteure, die diese Grenzen verschieben.

Ein Verschieben impliziert weiteres Bestehen von Grenzen. Warum sind Grenzen weiterhin wichtig?

Die Grenze besteht in gewisser Hinsicht auf Dauer weiter, wenn man darunter die Zuordnung von bestimmten Daten und Prozessen zu den diversen (Kern-) IT-Systemen der Unternehmen betrachtet. Die Buchhaltung bleibt im ERP, die Kundengewinnung im CRM, die Personalarbeit im HCM, die Dokumente im DMS und die Communities im social intranet.

Meine Vorstellung vom #FutureWorkplace ist es aber, die Daten all dieser Systeme in #ConversationalApps bunt gemischt zu verwenden. Für die IT bleiben die Grenzen stehen, für mich als Anwender verschwinden sie weitgehend. Soll doch die Maschine wissen, welche Daten in welches System gehören, welche Information wo beizusteuern ist und welches System für welchen Prozessschritt mit welchem API verantwortlich ist. Ich als Mensch suche nicht das System auf, zu dem ein Prozess gehört auf, ich nehme an der Konversation der Menschen und der Systeme an einer zentralen Stelle teil und leiste meinen Beitrag dazu. Ein simples Beispiel für einen internen Ablauf: Im Beschaffungswesen im ERP findet ein ganz normaler Beschaffungsvorgang statt. Ich als technischer Freigeber muss die Produktauswahl fachlich bestätigen, also taucht in meinem Activity Stream innerhalb meines social intranets ein neuer Eintrag vom Typ “Aktion erforderlich” auf. Dieser Eintrag wurde durch das System generiert, welches den Prozess verantwortet und meine Beteiligung einfordert.

Ich folge dem Link und rufe den Vorgang direkt im Browser auf. Mir fällt bei der Prüfung eine Unstimmigkeit an dem Beleg auf, also bitte ich die zuständige Person per Chat darum, eine Änderung vorzunehmen. Danach kann ich den Beleg freigeben.

Nachdem die Rückfrage positiv beantwortet wurde, konnte ich die Genehmigungs-Transaktion direkt von hier über die Aktionsschaltflächen oben rechts auslösen. Ich habe das Kern-System in diesem gesamten Ablauf nie aufgerufen. Ergebnis: Ich als Freigeber in diesem Prozess musste nichts von dem Kern-IT-System wissen, in dem ich gearbeitet habe. Ich nehme einfach im Konversationsstil an den Prozessen teil, in die ich involviert bin, und nutze dazu das social intranet als Startpunkt und unsere #ConversationalApps, um mich prozesskonform zu beteiligen. Die Prozesse werden dennoch ohne Änderung in den bisherigen Kern-Systemen erzeugt und verfolgt. Gleichermaßen können Urlaubsanträge, Angebote, Verträge und Rechnungen freigegeben werden, wird über Zahlungsein- und ausgänge informiert und ich erfahre stets, was sich in den Projekten, in denen ich mitwirke, Neues getan hat – egal in welchem System. Übrigens ist die gesamte Funktionalität ebenso per mobiler #ConversationalApp verfügbar, so dass ich für diese Art der Geschäftsprozess-Kollaboration nichts anderes brauche als mein Firmen-Smartphone. Das verschiebt die bisherigen Grenzen deutlich, richtig?

Welche Erwartungen hast Du an das Panel und an die #cebiteda?

Die Cebit ist für mich immer eine geeignete Eichstelle zwischen Vision und Wirklichkeit. Durch den Dialog mit anderen Unternehmensvertretern und den Consultants wird oft klarer, was heute schon machbar ist und an welchen neuen Ideen gearbeitet wird. Darauf freue ich mich.

Und wir freuen uns darauf, mehr über das Thema und vor allem die #ConversationalApp zu erfahren. Vielen Dank, Bernd

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.






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