#cebiteda17 Es genügt nicht, Maßnahmen auszulösen, sie müssen auch orchestriert werden. Das zumindest meint Alexander Kluge

Es werden wohl alle zustimmen: über den Digital Workplace reden wir nicht erst seit gestern. Ein weiteres Nicken ist bei der Aussage zu vermuten: wir werden auch morgen noch darüber sprechen. Sprechen müssen, denn das zeigen die Antworten von Alexander Kluge nur allzu deutlich auf, den wir im Vorfeld zu seiner Moderation des Panels “Digital Workplace & die digitale Transformation der Organisation” am 20.03. um seine Antworten auf unsere Fragen baten.

 

 

Alexander Kluge von Kluge Consulting GmbH verfügt nicht nur über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Veränderungsprozessen. Alexander Kluge ist auch bewährter Moderator, der seinen Diskussionspartner und -partnerinnen so manch konkretes Statement zu entlocken weiß.

Doch heute haben wir Alexander Kluge ein paar Statements entlockt.

 

 

 

Unsere Bitte um drei Schlagworte zur #cebiteda hat schon Tradition; Alexander, welches sind Deine drei Hashtags für die EDA?

#Machen

#Ambiguity

#Lernen

Der Digital Workplace ist beharrlich Thema auf Events, in Unternehmen, bei der EDA. Welche Fortschritte siehst Du im Thema Digital Workplace – reden wir nur darüber oder handeln wir schon? Wie greifbar ist heute der Digital Workplace für die Mitarbeitenden?

„Work has left the building“. Mitarbeiter machen ihre Arbeit mehr und mehr da, wie und wo es für sie am besten ist, mit den Werkzeugen, die sie für geeignet halten. Wo kommen Mitarbeitern die besten Ideen? Eine Fraunhofer Studie zeigt: Die besten Ideen entstehen nicht am Arbeitsplatz. Die Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist aus meiner Sicht, das ein großer Teil der Unternehmen nun reagiert, und den digitalen Arbeitsplatz daraus ausrichtet. 2017 heißt es nun: #Machen! 

Was sich im letzten Jahr schon abzeichnete, wird in der Praxis immer öfter sichtbar: Die eine #Eierwollmilchsau als Lösung für den Digital Workplace wird es nicht geben. Der Anspruch von Software-Herstellern, die allein glückseligmachende Plattform für digitales Arbeiten im Unternehmen zu liefern, ist nicht aufgegangen. Was wir stattdessen schon seit Jahren sehen, ist der Einzug zahlreicher Schattentools: über 90% der „unerlaubten“ Tools in Unternehmen kommen aus der Kategorie „Collaboration“. Die Mitarbeiter gieren also förmlich nach Werkzeugen zur Zusammenarbeit, die sie jederzeit und überall nutzen können. Und sie suchen sich im Zweifel diese Tools selber.

Enterprise Software ist und bleibt sperrig, auch wenn sie versucht, Consumer Lösungen zu kopieren – und die IT Abteilungen sind zu schwerfälligen Tankern geworden, deren Rollenmodell vom Controlling bestimmt wird und deren Möglichkeiten von Compliance, Datenschutz und Gesetzgebung begrenzt sind. Mitarbeiter warten nicht mehr auf Lösungen aus der IT, sie müssen ihre Businessprobleme heute hier und jetzt lösen.

Die Folge? Innovative Unternehmen schaffen kollaborative Infrastrukturen, in die auch smarte, cloudbasierte, ursprünglich Consumer-zentrierte Lösungen integriert werden. Je leichter die Integration verschiedenster Werkzeuge ist, desto smarter wird der Digital Workplace. 

In vielen Fällen lautet die Antwort also: Die Mitarbeiter haben sich, so weit wie möglich, ihren digitalen Arbeitsplatz schon erobert – oft in stiller Duldung durch die Geschäftsleitung erhöhen sie den Druck. Zudem haben sich viele kleine Lösungen auch offiziell breit gemacht: Slack in der Entwicklung, Yammer im Marketing, Dropbox in der Entwicklung, WhatsApp im Vertrieb. In vielen Fällen findet sich in der Schicht darunter noch eine breit angelegte Plattform wie IBM Connections oder Sharepoint, quasi als Antwort auf Tatsachen, die Mitarbeiter schon längst durch ihre Abstimmung mit den Füßen, nein mit den Apps, bereits geschaffen haben. Die große Herausforderung ist nun, quasi eine Aggregations-Schicht zu schaffen, um unternehmensweit eine durchgängige Plattform für Vernetzung und Wissensaustausch zu schaffen. Keine leichte Herausforderung für die Unternehmen. Mein Eindruck ist aber: Die Unternehmen packen es jetzt an.

Welche Erwartung hast Du an die Diskussionsrunde zum Thema Digital Workplace?

Ich erwarte spannende Impulse zu den aktuellen Herausforderungen des Digital Workplace als Plattform und Information Hub. Ich rechne damit, dass wir die Themen „Künstliche Intelligenz“ und „Big Data“ am digitalen Arbeitsplatz in 2017 aus der Theorie in die Praxis holen. Viele Unternehmen etablieren seit langem interne soziale Netzwerke als Plattform für den digitalen Arbeitsplatz, aber nutzen die Daten nicht. Dabei sind gerade ESNs (Enterprise Social Networks) die besten Frühwarnsysteme und Indikatoren für den organisationalen Gesundheitszustand. Die Vielzahl der Kanäle und Werkzeuge am digitalen Arbeitsplatz, die damit verbundene und in der Mitarbeiterschaft grassierende Angst, Wichtiges zu verpassen, verlangen zudem nach intelligenten Lösungen, die Informationen filtern, bewerten, sortieren und bei der Analyse unterstützen. Hier erwarte ich Anregungen und Praxistipps in der Diskussion.

In meiner Wahrnehmung entstehen zum Digital Workplace derzeit auch mehr und mehr strategisch getriebene Projekte. Unternehmen erkennen, dass das Enterprise Social Network mit den Möglichkeiten der Vernetzung und Zusammenarbeit eine Grundvoraussetzung ist für die Digitale Transformation. Damit wandeln sich Digital Workspace Projekte von inkrementellen Verbesserungen des Intranet, wo man halt mal Chat oder ein Wiki oder Blogs hinzufügt, zu Plattformen, die den Wandel hin zu einer agileren Organisation unterstützen sollen.

Ich erwarte mir also auch Aufschluss über die Verankerung der digitalen Arbeitsplatzes in die Unternehmensstrategie bei der Diskussion mit den Unternehmensvertretern.

Auch die Transformation der Organisation behandeln wir nicht erst auf der diesjährigen EDA. Was braucht es aus Deiner Sicht, die Transformation ans Laufen zu bringen?

Auch beim Thema Transformation steht #Machen derzeit ganz vorne. Kaum ein Unternehmen, das nicht Vorstände ins Silicon Valley und Mitarbeiter nach Berlin sendet, um den digitalen Geist zu erforschen. Kaum ein Unternehmen, dass sich nicht Gedanken macht über den digitalen Reifegrad der Mitarbeiter und die digitalen Anforderungen der Kunden da draußen. Oft reicht der Schwung noch nicht, grundsätzlich neue Wege zu beschreiten. Allzu häufig verwechseln Unternehmen die Digitalisierung fälschlicherweise noch mit Technisierung. Dass aber die Ausgabe von iPads an alle Mitarbeiter noch nicht dazu führt, ganze Geschäftsmodelle in Frage zu stellen, leuchtet fast allen Verantwortlichen ein. 

Allen Maßnahmen gemein ist aber, dass sie auf ihre Weise bei den jeweiligen Zielgruppen im Unternehmen einen Prozess des Umdenkens auslösen und Aufbruch signalisieren. Es gilt nun, solche Maßnahmen sinnvoll zu orchestrieren, denn die Digitale Transformation ist kein Projekt, das nächstes Jahr abgeschlossen ist, mit festem Zeitplan und Budget. Es ist ein Prozess, den es zu gestalten gilt über die nächsten Jahre hinweg. 

Etwas anderes ist aber im Verlauf des letzten Jahres auch deutlich bei den Verantwortlichen in den Unternehmen angekommen: Es gibt keine einfachen Antworten in der VUCA Welt. Die Ursache-Wirkungs-Kette ist nicht eindeutig, Kausalketten oft unbekannt. #Ambiguity, also das Fehlen klarer Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit, verhindert das generalsstabsmäßige Implementieren von einfachen Lösungsansätzen. Entscheidern wird mehr und mehr klar, dass man verschiedene Dinge probieren muss, dass Versuche gestartet werden müssen und diese Versuche scheitern dürfen. Dass man Mitarbeitern Raum geben muss zur Selbstorganisation, um agil auf eine immer komplexere Unternehmensumwelt reagieren zu können. 

Das paßt üblicherweise nicht in die traditionelle Kultur des deutschen Mittelständlers oder Industrieunternehmens, kommt aber langsam auf der Chefetage an. Erfolgreiche Unternehmen setzen daher auf der technologischen wie auch auf der kulturellen Ebene an. Es braucht ein funktionierendes zentrales Nervensystem wie ein Social Intranet am digitalen Arbeitsplatz, und es braucht einen ganzen Set von auf die jeweiligen internen Zielgruppen abgestimmten Maßnahmen, die einen Kulturwandel in die gewünschte Richtung begünstigen. Nur so können strategische Ziele erreicht werden – und neue Geschäfts-Chancen genutzt werden, die sicher immer schneller und öfter auftun, aber auf die auch schnell und agil reagiert werden muss. 

Welche Erwartungen hast Du an die Diskussionsrunde zum Thema Transformation der Organisation?

In einer Zeit, in der einfache Antworten auf komplexe Probleme gerade wieder Konjunktur haben, ist der Austausch untereinander wichtiger denn je. Wenn wir in unseren Diskussionen möglichst viele verschiedene Schlaglichter auf alle Aspekte der Digitalen Transformation werfen können, dann lernen wir von vielen verschiedenen Wegen, die Unternehmen heute nehmen. Voneinander #Lernen für mich das Ziel der Diskussion. Einen Blueprint wie beim Rollout einer neuen SAP Version kann es für die Digitale Transformation nicht geben. 

Und was erwartest Du von der EDA im allgemeinen?

Ich erwarte wie jedes Jahr einen lebendigen Austausch zwischen Teilnehmern, Referenten, Unternehmensverantwortlichen, Beratern, Theoretikern und Praktikern. Die CeBIT Enterprise Digital Arena gehört zu den Veranstaltungen, die jedes Jahr wieder die richtige Mischung an Teilnehmern anzieht, um voneinander zu #lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Letztlich ist sie natürlich auch ein Ort der persönlichen Vernetzung mit neuen Kollegen und ein Klassentreffen der etablierten Gemeinde.

Alexander, vielen Dank. Die Vorfreude auf das Panel steigt, hoffentlich mit stetig wachsender persönlicher Vernetzung im erfrischenden Klassentreffen.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.