#cebiteda17 Simon Dückert über das Dreieck des ganzheitlichen Wissensmanagements

Im 21. Jahrhundert durch systematischen Umgang mit Wissen erfolgreich zu sein, das ist die Triebfeder für Simon Dückert, der die Cogneon Akademie leitet und seit über 15 Jahren im Wissensmanagement tätig ist. Zu seinen Kompetenzfeldern gehören die Entwicklung Lernender Organisationen, Wissensbewahrung mit Expert Debriefing, Prozessorientiertes Wissensmanagement und Digitale Führung. Darüber hinaus ist er auch an der gesellschaftlichen Dimension der „Wissensrepublik Deutschland“ interessiert und dort in verschiedenen Feldern aktiv.

Es versteht sich, dass Simon Dückert mit dieser Expertise einer der Gesprächspartner des Panels ist, das sich mit der Frage beschäftigt: Knowledge Management – quo vadis? Es versteht sich auch, dass wir schon heute ein wenig von ihm hören wollen.

Welches sind Deine drei Schlagworte für die diesjährige #cebiteda?

Knowledge Workplace, Lernende Organisation, Digital Leadership

“Knowledge Management – Quo vadis?“ lautet der Titel des Expert Panels. Nun hat Peter Drucker einmal gesagt, wir könnten Wissen nicht managen. Wissen sei zwischen den Ohren und nur zwischen den Ohren. Müssen wir über Quo vadis oder nicht doch eher über RIP Knowledge Management sprechen?

Die Entwicklung von Industrie- zur Wissensgesellschaft ist in vollem Gange. Nach Prof. Heidenreich bedeutet das, dass Innovation (neues Wissen) an Bedeutung gewinnt, Informations- und Kommunikationstechnologie zur Vernetzung und Wissenskommunikation eine wichtige Rolle spielt, Bildung und Lebenslanges Lernen einen neuen Stellenwert erhalten und die Bedeutung von wissensbasierten Tätigkeiten und Wirtschaftsbereichen ansteigt.

Die Führungskräfte in Organisationen müssen im bereits von Taylor geforderten Schulterschluss mit allen Mitarbeitern aktiv werden und starre, auf Wiederholung optimierte Strukturen flexibler und damit lernfähiger gestalten. Anders gesagt: Unternehmen, die in den nächsten Jahrzehnten überleben und erfolgreich sein wollen, müssen massiv in Wissensmanagement im Sinne der Führung und Gestaltung Lernender Organisationen investieren.

Da das eigentliche Wissen immer an Menschen gebunden ist, ist Wissensmanagement hierbei immer nur Gestaltung von Rahmenbedingungen bzw. Kontextsteuerung.

Inwieweit verändern aus Deiner Wahrnehmung z. B. Social Collaboration, Social Sharing oder Networking  das Knowledge Management?

Das Dreieck des ganzheitlichen Wissensmanagements besteht aus den Dimensionen Mensch, Organisation und Technik. Versteht man Organisationen als sozio-technische Systeme so haben Änderungen im technischen Teilsystem immer auch Auswirkungen auf das soziale Teilsystem.

In einer ersten Technologiewelle kamen hauptsächlich IT-Systeme für die Wissensdokumentation zum Einsatz (Redaktionssysteme, Content Management Systeme, Dokumenten Management Systeme, Groupware). Viele Unternehmen machten die Erfahrung, dass die berüchtigte „Wissensdatenbank“, also ein reiner „Brain-to-Dokument“ Ansatz, nicht funktioniert.

In einer zweiten Technologiewelle wurden dann hauptsächlich IT-Systeme für die Wissenskommunikation eingeführt (Blog Systeme, Enterprise Social Networks, Enterprise Messenger, Video Chat). Vorteil dieser Technologien ist die niedrigere Beteiligungsbarriere (140 Zeichen schreiben sich leichter als eine Wiki-Seite). Nachteil ist die starke Fragmentierung der Information und die fehlende Konsolidierungsfunktion. Gemäß des Wissensmanagement-Klassikers „What’s your strategy for managing knowledge?“ von Hansen et.al. aus dem Jahr 1999 gilt es, den Einsatz von Werkzeugen zur Wissenskommunikation und Wissensdokumentation im Unternehmen fallweise auszubalancieren.

Wieviel Wissen müssen wir bei dem konsequenten Vormarsch von Big Data und KI selbst noch managen?

Wir sollten an dieser Stelle nicht den Fehler machen, Daten und Informationen mit Wissen gleichzusetzen, oder die Künstliche Intelligenz mit menschlicher Intelligenz gleichzusetzen. Computer können mit großen Datenmengen gut umgehen, diese Visualisieren und Korrelationen ermitteln. Doch wir Menschen haben unsere Stärken in den Bereichen Flexibilität, Kreativität und Empathie, beides Domänen, in denen technische Ansätze denkbar schlecht sind.

Ähnlich wie bei Pflügen, Dampfmaschinen und Computern werden KI-Systeme in Zukunft Wissensarbeitern als Assistenten zur Seite stehen, diese aber nicht ersetzen.

Welche Erwartung hast Du an die #cebiteda17?

Ich persönlich glaube, die Themen Digitaler Arbeitsplatz, Soziale Intranets, Enterprise Social Networks wurden in den letzten Jahren ausgiebig besprochen und sind mittlerweile sehr gut verstanden. Ich fände es an der Zeit, den Blick in Richtung „Blended Workplace“ zu weiten und neben dem Digitalen Arbeitsplatz auch den physischen Arbeitsplatz mit Themen wie Coworking, Community Spaces, Corporate University, Business Incubator inkl. aller organisatorischer und prozessualer Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt zu stellen.

Denn am Ende sind wir alle Menschen, die gewohnt sind face-2-face miteinander zu kommunizieren, Vertrauen aufzubauen und die Kommunikation dann im virtuellen Raum fortzusetzen.

 Vielen Dank, Simon. Und wer mit Simon Dückert und den anderen Panel-Teilnehmern face-2-face diskutieren möchte: 21.03.2017 ab 10:10 Uhr wird der Frage nachgegangen: Knowledge Management – quo vadis?

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.






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