#cebiteda17 Industrie 4.0 als Vorbild für Knowledge Worker? Katrin Beuthner geht der Frage nach.

Als ich mit Katrin Beuthner, Geschäftsführerin von United Planet, über ein Interview sprach, eröffnete sie einen Reigen möglicher Themen – allesamt derart spannend, dass die Auswahl auf den ersten Blick nicht leicht viel.

Doch beim zweiten Blick reizte das Stichwort Industrie 4.0, Katrin Beuthner nach ihren Erfahrungen zu fragen und vor allem, den Bogen zu den digital Workplaces der Knowledge Worker zu schlagen.

Hier ihre Antworten:

Welche drei Schlagworte bringen Sie zur #cebiteda17 mit?

#digital #agil #4.0

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen der Digitalisierung der Produktionsarbeitsplätze (Industrie 4.0) und der Digitalisierung der Arbeitsplätze der Wissensarbeiter? Wo sehen Sie Unterschiede?

In beiden Fällen geht es um die Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Abläufen. Es geht darum, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben, um Entscheidungen zu treffen oder die Arbeitsabläufe besser erledigen zu können. So wie sich aktuell bei Wissensarbeitern die Welt immer schneller dreht, kommt dieses auch langsam bei den Produktionsarbeitern an. Arbeitsprozesse werden verändert, Kunden können immer weiter in die Produktion eingreifen – bis hin zur Losgröße eins. Damit Produktionsmitarbeiter auch hier korrekt und effizient arbeiten können.


Die größten Unterschiede sehe ich darin, dass die Digitalisierung bei Wissensarbeitern schon wesentlich weiter vorangeschritten ist und auch einfacher umgesetzt werden kann. Büroarbeiter arbeiten inzwischen schon seit Jahrzehnten am Computer – dass immer mehr Arbeitsprozesse digitalisiert werden, ist ein schleichender Prozess der letzten Jahre bis Jahrzehnte.

In der Vergangenheit waren Produktionsmitarbeiter von dieser schleichenden Veränderung ausgeschlossen. Die Arbeit „am Band“ lief weiter. Natürlich wurden auch hier Arbeitsprozesse verändert, aber in der Regel nicht digitalisiert. Die Hemmnisse technischer Natur sind hier auch wesentlich höher: Die Produktionsmaschinen sind z.T. 30 Jahre oder älter und können nicht so einfach ausgetauscht werden. Noch gibt es kein standardisiertes Protokoll für die Anbindung von Produktionsmaschinen. Dies ist bei jedem produzierenden Unternehmen aktuell noch individuell umzusetzen.

Ich formuliere eine These: Produktionsmitarbeitende müssen sich auf die Digitalisierung einlassen, Wissensarbeitende können (noch) Veränderungen ausweichen, da die herkömmlichen Arbeitsprozesse weiterhin greifen. Was können wir aus der Digitalisierung der Produktion lernen, um Hemmnisse für den „Knowledge Worker Digital Workplace“ abzubauen?

Ich denke, beide Seiten müssen sich auf die Veränderungen einlassen. Das fällt nicht jedem leicht. Nicht nur deshalb ist die Einführung eines digital workplace nicht nur ein technisches Thema, sondern vor allem ein Kulturwandel im Unternehmen, auf dem die Mitarbeiter mitgenommen werden müssen. Wie ich eben schon gesagt habe, ist bzw. geht die Veränderung bei den Wissensarbeitern allerdings eher schleichend vonstatten. Oft auch, ohne einen entsprechenden Veränderungsprozess im Unternehmen durchgeführt zu haben, so dass sich viele Mitarbeiter nicht abgeholt fühlen und ausweichen – insbesondere wenn sie analoge Prozesse gewohnt sind.

In der Produktion kann dies ganz anders aussehen. Ich war vor einigen Wochen bei einem Kunden von uns, der die ersten Umsetzungen von Industrie 4.0 in der Produktion realisiert hat. In der Produktion wurden Bildschirme installiert, auf welchen die Mitarbeiter aktuelle Informationen erhalten und so stärker in das Unternehmen eingebunden werden. Darüber hinaus werden automatisch alle wichtigen zugehörigen Informationen über die aktuell zu produzierenden Teile und die weitere Bearbeitung an die Mitarbeiter an verschiedenen Arbeitsstellen weitergeben. Die Mitarbeiter in der Produktion waren sehr zufrieden mit diesen Veränderungen. Sie fühlen sich nun stärker ins Unternehmen eingebunden und müssen keine Arbeitsunterlagen auf Papier mehr zusammensuchen. Es gab auch einige Verbesserungshinweise und –Wünsche seitens der Mitarbeiter, die dann sogleich umgesetzt wurden. Das erhöhte die Akzeptanz bedeutend.

Nach einer probeweisen Einführung in einer Produktionshalle, waren die Mitarbeiter so begeistert, dass die Digitalisierung in der Produktion bei diesem Unternehmen nun weltweit ausgerollt wird. Zunächst mit diesen beiden Themen – weitere werden folgen.

Erfolgsfaktoren waren aus meiner Sicht daher die frühe Einbindung der Mitarbeiter und das Reagieren auf deren Wünsche sowie das schrittweise Vorgehen bei der Einführung. Nicht nur räumlich, sondern auch, dass mit technisch relativ einfachen Themen gestartet wird, die aber einen großen Mehrwert bieten, um sich dann schrittweise an die größeren Projekte zu wagen.

Im Grunde sehe ich die Einführung eines digital workplace – ob in der Produktion oder auch bei Wissensarbeitern – ähnlich, wie es auch schon bei der Einführung eines Social Intranet oder auch eines Intranets war: es ist ein Veränderungsprozess im gesamten Unternehmen, der entsprechend geplant, die Mitarbeiter frühzeitig eingebunden und idealerweise schrittweise vorgegangen werden muss.

Welche Erwartungen haben Sie an die #cebiteda17?

Von der #cebiteda17 erwarte ich mir viele spannende Vorträge und Gespräche und hoffentlich auch viele erfolgreiche Projektbeispiele, die Anregungen geben für alle, die noch nicht angefangen haben, jetzt zu starten.

Vielen Dank, Frau Beuthner. Ich bin sicher nicht die Einzige, die sich auf intensiven Austausch vor Ort freut.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.




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