#cebiteda17 Siegfried Lautenbacher über Organisation als andauerndes Experiment.

Wie wäre es denn mal mit “vor der eigenen Türe kehren“? Nun beinhaltet diese Redensart zwar den Aspekt von aus- oder unausgesprochenen Vorwürfen, um die es hier nicht gehen soll, sehr wohl aber um “Ratschläge” oder besser Beratung zu Organisation, Transformation, Kulturveränderung und mehr. Als zu kehrende Türe haben wir Siegfried Lautenbacher, Geschäftsführer von Beck et al. Services GmbH, auserkoren.

Über Beck et al. Services GmbH ist auf der Profilseite von Siegfried Lautenbacher zu lesen: ein IT Services Unternehmen, das auf Kollaboration, Cloud und Analytics ausgerichtet ist. Doch auch die Themen Social Learning oder Community Management sowie Organisationsmodelle sind mit dem Namen Beck et al. verknüpft. Öffnen wir die Türe:

Welche sind Deine drei Schlagworte für die #cebiteda17?

#Vom Intranet zum digitalen Arbeiten #Vom Place zum Space #Vom Reden zum Tun

Wir reden ja immer davon, wie sich Unternehmen verändern müssen, welche Methoden, welche Technologien, welches Miteinander und wie sich die Kultur verändert. Dabei schauen wir stets auf alle anderen. Deshalb drehe ich den Spieß mal um und frage Dich, wie sieht es denn bei Beck et al. Services aus? Seid Ihr da, wo Ihr die Kunden hinbringen wollt?

Fangen wir beim für mich Einfachsten an, der Kultur. Zusammenarbeiten auf Augenhöhe ist seit den Anfängen der Beck et al. in unserer DNA verankert. Das liegt schon an der Gründungsstory in einem Schwabinger Hinterhof mit Pappschreibtisch und am Gründungsdatum 14. Juli 1989: “Liberté, Egalité, Fraternité” …

Seit 1993 ist technologiegestütztes Zusammenarbeiten auch Bestandteil unseres Leistungsangebots. Mit unseren drei großen Standorten München, Cluj-Napoca in Rumänien und Florianópolis in Brasilien haben wir gelernt, unterschiedliche Kulturen und persönliche Voraussetzungen wertzuschätzen und für unsere Zusammenarbeitskultur fruchtbar zu machen. Weil das kein reibungsloses Unterfangen war (und ist), können wir die Schmerzen bei unseren Kunden gut nachvollziehen und sie manchmal auch vor unnützen Reibungen bewahren.

Unsere Organisation ist ein andauerndes Experiment. Seit Anfang der 2000er bauen wir auf der fraktalen Organisation auf, oder “Pizza Organisation”, wie sie bei uns genannt wird, weil ihre Darstellung an eine Pizza Salami erinnert mit ihren vielen Circles. Erst vor einigen Jahren haben wir dann gelernt, dass es sich dabei um eine Form der soziokratischen Organisationsmodelle handelt. Heute würde ich Beck et al. als Wirearchy im Sinne Jon Husbands bezeichnen – und immer auf der Suche, wie wir es noch besser machen können. Ganz viele Anregungen und Bestätigungen ziehe ich dabei momentan aus dem Buch “Das kollegial geführte Unternehmen”. Eine klare Leseempfehlung!

Technologien? Da bieten wir (gewollt) kein einheitliches Bild. Es gibt drei Strömungen bei uns: Rückgrat ist dabei IBM Connections, wo wir gerade darauf warten, mit “Pink” endgültig in die Cloud umzuziehen. Wir nutzen außerdem Verse und alles rund um Watson Work. Gleichzeitig haben wir aber auch eine starke Slack Fraktion, die einen API basierten Digital Workspace propagiert, in dem die einzelnen Komponenten je nach Passform dazu oder abgewählt werden können. Und klar: die Microsoft O365 et al. Fraktion hat auch ihre Befürworter. Als Digital Transformation Provider erwarte ich, dass wir diese Varietät positiv nutzen. Nur ganz selten wünsche ich mir mehr Einheitlichkeit. Ich bin auch davon überzeugt, dass der einheitliche, voll integrierte Workplace ein Wunschbild bleibt. Diversität ist King.

Zusammengefasst behaupte ich also: ja. wir sprechen tatsächlich aus Erfahrung. Und wir holen sie uns täglich neu, auch mit den neuen Themen AI oder bots.

Wie verbindet Ihr Eure eigenen Erfahrungen und Organisation mit dem, was der Markt bzw. die Kunden für die digitale Transformation sowie deren Erfolg brauchen?

Was wir tun, ist, die Voraussetzungen zu verbessern, wie Arbeiten und Zusammenarbeiten in der digitalen Welt funktioniert. Tim Mikša hat das in seinem Interview bei Dir schön ausgedrückt: es geht um den Dreiklang aus Business, Mensch und Technik. Wir haben dazu den “Social Compass”, in dem wir unsere Erfahrung zusammengefasst haben und der uns als Orientierung für den jeweils individuellen Kundenweg dient.

Wo ich heute klarer als früher sehe ist:

  1. Ohne aktive Zustimmung des Top Managements ist alles nichts. Früher glaubte ich an die normative Kraft des Faktischen. Heute auch, nur andersrum. Wenn der Chef nicht will oder es ihm bestenfalls egal ist, dann bleibt der Digital Workplace eine Marginalie.
  2. Ein interdisziplinäres Team beim Kunden (zumindest IT & HR & Kommunikation) erhöht die Erfolgschancen deutlich!
  3. Personas und Design Thinking sind gerade ein Hype: aber richtig gut, um eine neue gemeinsame Sicht auf die Aufgabe zu entdecken.
  4. Auch kleinere Brötchen können schmecken.

Einem aktuellen Blogartikel von Dir über die „Digitale Kultur der Führung“ stellst Du ein Zitat von Stefan Kühl voraus, das mit dem Satz beginnt: “Das Besondere an Kulturen ist, dass sie nicht durch Verkündigung gebildet werden, sondern wie von selbst entstehen.“ Wie kann man aus dieser Erkenntnis dennoch Bausteine erstellen für erfolgreiche bzw. erfolgsversprechende Ansätze von Unternehmen und Organisationen?

Das Zitat ist ja eigentlich eine Binse. Die Realität ist aber oft, dass z.B. Unternehmensleitbilder weiterhin von oben nach unten durchbuchstabiert werden und am Ende ein tristes Dasein als Motivationsposter in der Kaffeeküche fristen. Darauf kann man nicht aufbauen. Das ist ein Baustein für Misserfolg.

Erst aus dem Ganzen kommt dem Teil seine Bedeutung zu. Erfolgsbausteine erkennen wir erst im Gebrauch. Ich finde, das Kühl Zitat kann auch ermutigen. Der neue Leitstand ist mitten drin. So betrachtet ist eine notwendige Bedingung für den Erfolg, dass wir diejenigen einbinden und beteiligen, die es betrifft. Erfolgsbausteine gibt es erst dann, wenn alle Beteiligten von Beginn an an Bord sind. Und dazu gehören Mitarbeiter UND Kunden, Corporate IT UND HR, Zentrale UND Niederlassungen, etc..

Mein letzter Punkt macht fast schon ein neues Fass auf: Hohe Nutzungsraten und digitale Leader sind kein Maßstab für Erfolg, sondern bestenfalls Indikatoren. Welchen Beitrag leistet das digitale Arbeiten zum langfristigen Unternehmenserfolg? Darüber müssen wir auf der Arena reden.

Was sind Deine Erwartungen an die #cebiteda17?

Die Veranstaltungen von Kongressmedia zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur einzelne Beispiele runter gerattert werden, sondern dass immer Raum ist für Diskussion und Austausch. Das erwarte ich mir auch für die #cebiteda17.

Pionierarbeit leisten auf dem Weg zu einer ganzheitlichen New Work Strategie und zu einem Verständnis für digitale Führung. Letztlich also einen (Erfolgs)Baustein beitragen zu einer Kultur der Digitalität – die gewiss politischer sein wird, als wir es heute meinen.

Siegfried, vielen Dank, dass Du die Türe geöffnet hast. Ich bin sicher: weitere “Führungen” durch den Erfahrungsschatz gibt es am 20. und 21.03.17 – wir freuen uns drauf.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.





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