#ioms17 Dr. Johannes Müller, Siemens Schweiz, über unglaubliche 12 Jahre communitybasierten Wissensaustausch

“12 Jahre unternehmensweiter Wissensaustausch über die Community-Plattform ‘References+’ im Siemens-Intranet”, so lautet der Titel des Praxisbeispiels, das Dr. Johannes Müller am 20.09.2017 vorstellen wird.

Unglaubliche 12 Jahre, formulierte ich im Titel dieses Interviews, denn Dr. Johannes Müller, den ich in eben diesen Anfangsjahren in einem Vortrag bereits berichten hörte, ist damit nicht nur ein gleichsam digitales Urgestein des communitybasierten Wissensaustauschs. Er lebt, und diese meine persönliche Einschätzung sei gestattet, das Thema konsequent, bleibt am Ball, entwickelt weiter und zeigt damit eins ganz deutlich auf: unternehmensweiter Wissensaustausch ist eben kein Projekt, sondern erfahrbare Unternehmenspraxis in konsequenter Weiterentwicklung.

Dr. Johannes Müller arbeitet als Senior Manager Knowledge Management für die Siemens Schweiz AG am Hauptsitz der Building Technologies Division in Zug. In dieser Rolle verantwortet er seit 2005 den laufenden Betrieb und die kontinuierliche Weiterentwicklung der unternehmensweiten Wissensmanagement-Plattform “References+” sowie die Moderation der weltweit verteilten Nutzer-Community. In den Jahren 2000-2004 war er als Global Editor im zentralen Wissensmanagement-Team der Information and Communication Networks Group der Siemens AG in München tätig. Seine Aufgaben für die damals eingesetzte Plattform “ICN ShareNet” umfassten unter anderem Content Management, Usability Design und Community Building.

Herr Dr. Müller, welche drei Schlagworte bringen Sie zum IOM Summit mit?

#Wissensmanagement #Social Intranet #Digitalisierung von Wissen

Mit 12 Jahren unternehmensweitem Wissensaustausch über eine Community Plattform gehören Sie zu den Pionieren Web 2.0-basierter Wissensmanagement-Lösungen im Unternehmen. Heute stehen wir an der Eingangspforte zum Digital Workplace: welche herausragenden Veränderungen haben Sie in diesen Jahren wahrgenommen?

Als im Jahr 2005 die ersten Beiträge im damaligen References@SBT (wie das heutige References+ früher hieß) online gingen, war Facebook gerade gestartet, Twitter gab es noch nicht, und im Siemens-Intranet hatten wir weder Microsoft SharePoint noch unser “Siemens Social Network”. Rückblickend hat sich in diesen Jahren sehr viel verändert und verbessert, wenn man die Möglichkeiten der heutigen Online-Medien mit damals vergleicht.

Über die Jahre stellte ich bei den Community-Plattformen eine Vereinfachung der Usability sowie – nicht nur getrieben durch Twitter – eine Verschlankung der textuellen Informationen fest. Mit dem Aufkommen von YouTube gewannen innerhalb und außerhalb des Unternehmensnetzwerks kurze, selbst produzierte Videoclips als willkommene Ergänzung zur Wissensvermittlung an Bedeutung.

Auch haben sich die Erwartungen der Nutzer in Richtung intuitive Tool-Bedienung und sehr schnelle Informationsrecherche entwickelt, was Plattformverantwortliche und Tool-Entwickler bisweilen vor große Herausforderungen stellt. Wie im Internet ist auch bei unternehmensinternen IT-Tools ein deutlicher Trend zur mobilen Nutzung erkennbar.

Die Frage nach dem Return on Invest (ROI) wird oft formuliert – wie sah Ihr Invest aus, welchen Return erwarteten Sie und welchen haben Sie erhalten?

Grundsätzlich ist der quantitative Nachweis des Mehrwerts einer Wissensmanagement-Initiative nicht trivial. Jedoch gibt es den von der Unternehmensleitung sicher zu Recht gestellten Anspruch, dass der durch Wissensmanagement erzielte Nutzen für Organisation und Beteiligte höher sein soll als das notwendige Investment.

Durch mehrere Nutzerumfragen konnte ich wiederholt den Nachweis erbringen, dass die durch References+ erzielten Einsparungen und Effizienzgewinne deutlich größer ausfallen als die damit verbundenen Personal- und IT-Kosten.

Welche Herausforderungen für Wissensmanagement sehen Sie mit Blick auf den Digital Workplace sowie Einflüsse durch Künstliche Intelligenz / Social Bots?

Möglicherweise werden Informationen und Daten künftig verstärkt von künstlichen Intelligenzen bezogen. Ich sage hier bewusst Informationen und Daten, weil ich der Überzeugung bin, ein echter Wissensaustausch kann als solcher nur von Mensch zu Mensch stattfinden.

Um jedoch bei Bedarf die Beteiligten – im rein bilateralen Fall sind das Wissensträger und Wissensnehmer – in kurzer Zeit zusammenzubringen, können Web 2.0-Plattformen wie References+ schon heute und möglicherweise ‘Social Bots’ in der Zukunft durchaus eine große Hilfe sein.

Was sind Ihre Erwartungen an den IOM Summit 2017?

Andere Ansätze und Vorgehensweisen sehen und erleben, dadurch voneinander lernen sowie ein gutes Netzwerken mit Gleichgesinnten. Schon jetzt freue ich mich auf meine Teilnahme.

Herr Dr. Müller, herzlichen Dank.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.





  1. Ottmar Müller says:

    Aussagen und Erfahrungsbericht von Jonny Müller kann ich absolut bestätigen: Hatte in 2005-2009 die Freude, Jonny & seine References SBT als Head des Division Business Development persönlich kennen undg wert-schätzen gelernt. Er hat in Siemens genau das vorgelebt: Wissensmanagement ist People-driven. IT kann das “nur” unterstützen. Hoffentlich noch viele unglaubliche 12 Jahre.