#ioms17 Katharina Krentz, Robert Bosch GmbH, über einen wichtigen Erfolgsfaktor digitaler Zusammenarbeit: Working Out Loud

Working Out Loud, kurz WOL – wer im Thema digitale Zusammenarbeit denkt, hat sicherlich von dieser Methode gehört. WOL, das bedeutet ein Spektrum enthusiastischer Verfechter der Methode bis hin zu Skeptikern, die nur die nächste Sau durch die Unternehmen getrieben sieht. Wer den Hashtag #WOL bei Twitter recherchiert wird allerdings feststellen: für die Einordnung von WOL als Hype hält sich “die WOL-Bewegung” bereits zu lange, und die Berichte aus WOL-Circlen, aus Initiativen gemeinsam im WOL-Thema voranschreitender Unternehmen uvm. generieren konsequent das, wonach so häufig gerufen wird: die Good Practice Beispiele.

Mit dem Beitrag von Katharina Krentz erhalten wir mehr als einen Einblick in eine Fallstudie. Denn ihre langjährigen umfangreichen Erfahrungen holen das Thema Working Out Loud aus der reinen Methodensicht heraus und betten es in den Kontext der digitalen Zusammenarbeit und in das Thema Lernen im Unternehmen ein.

Katharina Krentz arbeitet seit 2005 bei der Robert Bosch GmbH. Seit 2012 ist sie als Beraterin für die digitale Zusammenarbeit, Chief Corporate Community Manager, Reverse Mentorin und WOL Initiatorin verantwortlich für digitale Arbeitsmethoden. Sie konzentriert sich auf community-basierte und netzwerkbasierte Zusammenarbeit, letzteres auch als Working Out Loud (WOL) bekannt. Die Working Out Loud Initiative bei Bosch hat sie 2015 gestartet. Heute umfasst die Community >1.500 Mitglieder in über 40 Ländern mit >170 WOL Circles. Zudem ist sie Mitbegründerin der firmenübergreifenden WOL Community of Practice, die seit 2017 in Co-Creation Themen zur Verbreitung von WOL in Unternehmen entwickelt und vorantreibt.

Welche drei Schlagworte bringst Du zum IOM Summit mit?

#WorkingOutLoud #NewWork #MostSimpleAndPowerfulChangeMethodEver

Du bist nicht zum ersten Mal beim Summit aktiv dabei. Wenn Du einen Bogen von den Summit-E20-Zeiten bis zu heutigen Digital-Transformation-Zeiten spannst, welche Veränderungen würdest Du in Deinem Unternehmen hervorheben?

Die Themen von damals sind reifer geworden und im Unternehmen angekommen. Zwei von drei möglichen Usern sind auf Bosch Connect unterwegs, unserer internen Social Collaboration Plattform. Das Nutzen von Communitys zur Kommunikation und Zusammenarbeit ist bei uns gelebter Alltag.

Auch mobiles Arbeiten, Homeoffice, flexible Arbeitsmodelle, Social Intranet, Digital Workplace und neue Bürokonzepte sind für mich und mein Umfeld normal.

Working Out Loud, Dein diesjähriges Thema, ist derzeit in aller Munde. Was hat Euch bei Bosch bewegt, diese Methode zu erproben?

Bei Bosch arbeiten wir viel in interdisziplinären Teams zusammen, die über die ganze Welt verteilt sind. Daher ist es wichtig für uns, dass unsere Kollegen und Kolleginnen mit dem vernetzten und virtuellen Arbeiten vertraut sind. Working Out Loud (WOL) kann dazu beitragen, entsprechende Erfahrungen zu sammeln.

WOL und John Steppers Aktivitäten folge ich bereits seit 2013, als ich Trainingsinhalte für interne Community Manager bei uns zusammengestellt habe. Damals gab es die heutige WOL Circle Methode noch nicht. Als ein Teil meines Netzwerks die Methode ausprobieren wollte, war ich sofort dabei.

Die Working Out Loud Circle Methode ist ein Open Source Konzept, das allen Interessierten online frei zur Verfügung steht. Es benötigt lediglich ein bis zwei Stunden pro Woche, Zeit, Neugierde, sich darauf einzulassen und Disziplin, um sich zwölf Wochen lang gemeinsam mit drei bis vier Personen selbstorganisiert durch das Programm zu arbeiten. Die ersten Aha-Momente kommen erfahrungsgemäß spätestens in Woche drei, wenn die ersten Kontakte zu bisher unbekannten Menschen geknüpft werden und der erste Dialog beginnt.

Zudem verändert die Methode das eigene Denken und Handeln, der virtuelle Umgang mit den Kollegen und Kolleginnen verändert sich sehr positiv. Die Anteilnahme und Aufmerksamkeit sowie die Unterstützung von Anderen nehmen zu. Die Teilnehmer fühlen sich ermutigt und haben das Gefühl, mehr Kontrolle über sich selbst und ihr (Arbeits-) Leben zu haben. Das ist im zweiten Schritt ein Change Programm, wie ich es bisher nicht erlebt habe.

Bei aller Euphorie über WOL: welche Stolpersteine gab und gibt es?

Der Begriff „Working Out Loud“ ist schwer verständlich und stößt als Buzzword häufig zunächst auf Ablehnung. Daher ist es wichtig, den Interessierten das Konzept zu erläutern und den damit verbundenen Nutzen.

Circles stellen zudem eine neue Art des Lernens dar, die hohe Anforderungen an die Selbstorganisation, Eigenverantwortung und Motivation der Teilnehmer stellt. Ich beobachte, dass berufliche Themen oft Vorrang haben oder dass Übungsaufgaben aus Zeitmangel nicht gemacht werden. Damit die Teilnehmer und Teilnehmerinnen von der WOL Methode profitieren können, müssen sie begreifen, dass es ein Invest in ihre Person und ihre Weiterentwicklung ist.

Working Out Loud funktioniert am besten während der Arbeitszeit, weil das Erprobte und Erlernte direkt im Arbeitsalltag umgesetzt und angewendet werden kann. So profitieren nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen. Dafür bedarf es Freiräume, die das Umfeld gewähren muss.

Welche Antwort würdest Du einem Skeptiker geben, der wieder nur eine hype Sau durch’s Dorf getrieben sieht?

Ich persönlich probiere Methoden und Trainings selbst aus und teste sie im eigenen Umfeld mit Skeptikern, bevor ich eine Initiative im Unternehmen starte. Mit WOL habe ich bei Bosch die Erfahrung gemacht, dass es alters-, funktions- und kulturübergreifend einen Mehrwert schafft – für die Mitarbeiter und das Unternehmen. Das ist das Wichtigste.

Was erwartest Du vom IOM Summit?

Wie immer eine Art Familientreffen mit den Menschen, die schon lange mit den für mich relevanten Themen unterwegs sind. Spannende Gespräche und Diskussionen, offenen Austausch auf Augenhöhe und neue Inspiration für meine Arbeit. Ich hoffe, es sind wieder interessante Praxisbeispiele dabei und in dem Rahmen neue Unternehmen, die sich den Themen Digitale Transformation, virtuelle Zusammenarbeit, New Work etc. widmen. Ich freue mich schon sehr auf dich, Ellen, Björn, das Orga-Team und die Teilnehmer!

Liebe Katharina, herzlichen Dank für das Interview. Und auch wir freuen uns auf Deinen Beitrag beim #ioms17, der, und das sollte nicht unterschätzt werden, auch außerhalb Deines Praxisbeispiels in Pausen und Workshops zu regem Austausch führen wird.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.