#ioms17 #GenerationenTalk Erfahrungen und Erwartungen – liegen Welten dazwischen?

Worum es im #GenerationenTalk am Rande des #ioms17 geht, hatte ich bereits in diesem Blogbeitrag angekündigt. Den Start bilden die folgenden einführenden Interviews der “Vertreter der Generationen”: Michael Otto und Marc Leonhard.

Beginnen wir mit Marc Leonhard, der sich für die Fragen bedankt hat, und ich sage: Marc, Danke für Deine Antworten.

Marc, ich denke, Deine Schulzeit ist Dir noch in guter Erinnerung. Welche Rolle spielten Computer, SmartPhone oder Tablet bei Euch im Unterricht? Wie nutzt Du privat Computer, SmartPhone oder Tablet?

Im Unterricht haben bei uns Tablet und Smartphone fast keine Rolle gespielt bzw. waren sogar verboten. Höchstes der Computer wurde zur Recherche oder zur Erstellung von PowerPoint Präsentationen genutzt, dazu gab es Computerräume.

Privat nutze ich vor allem mein Handy, zum Musik hören oder um mit Freunden zu schreiben. Ich habe kein Tablet, aber ich benutze oft meinen Computer egal ob für die Uni, für die ich diesen übrigens auf jeden Fall brauche, weil ich sonst z. B. nicht an meine Skripte komme, oder in der Freizeit um Filme zu gucken.

Jetzt hast Du das zweite Semester Deine Studiums hinter Dir. Was studierst Du und wie erlebst Du das Studium?

Ich studiere Volkswirtschaftslehre in Münster. Das Studium ist zum größten Teil sehr interessant, aber auch anstrengend, und klar gibt es manche Vorlesungen, die weniger interessant sind, wobei mir auch aufgefallen ist, dass dies sehr abhängig vom Professor ist.

Ich habe aber den Eindruck, dass mein Studium allgemein relativ anspruchsvoll ist. Es ist nur immer noch ziemlich gewöhnungsbedürftig, mit so vielen Menschen zusammen im Hörsaal zu sitzen, ganz anders als in der Schule.

Was ich auch schade finde, dass meine Professoren kaum aktuelle Beispiele nutzen und wenig Mitarbeit oder ähnliches von Seiten der Studenten zulassen.

In Unternehmen und auf Events wie dem Summit diskutieren wir viel über einen digital Workplace und social Collaboration. Es dauert zwar noch ein wenig bis zu Deinem Studienabschluss, vielleicht machst Du aber auch schon bald ein Praktikum im Unternehmen, daher: welche Vorstellung verbindest Du mit diesen beiden Begriffen? Und vor allem: hast Du in deinem Studium schon davon gehört?

Mit einem digital Workplace verbinde ich, dass Menschen nicht im klassischen Sinne zusammen in einem Raum oder an einem Schreibtisch in einer Firma sitzen müssen, um für dieses Unternehmen zu arbeiten, sondern dafür nicht mal ihr Zuhause verlassen müssen. Ein Internetanschluss reicht, schon kann man von überall zu seinem virtuellen Arbeitsplatz, egal ob man gerade in Köln ist und die Firma eigentlich in New York sitzt. Die Arbeitskollegen können in London oder Tokio sein, trotzdem kann man mit ihnen zusammen arbeiten.

Mit dieser Zusammenarbeit verbinde ich auch Social Collaboration. Menschen arbeiten Hand in Hand miteinander an etwas, obwohl sie physisch nicht in einem Raum sind, sondern überall auf der Welt verteilt sind, eben über das Internet. So können sie neue Ideen austauschen, Produkte entwickeln, obwohl sie sich vielleicht noch nie im echten Leben begegnet sind und aus ganz unterschiedlichen Gegenden kommen und einen ganz anderen Alltag haben.

Ich muss aber zugeben, dass ich in der Uni noch nie von diesen Begriffen gehört habe, allgemein wird wenig über Zusammenarbeit oder die digitalen Möglichkeiten diesbezüglich geredet.

Gerade haben wir bereits den Abschluss Deines Studiums vage erwähnt. Wenn Du heute schon einmal weiterdenkst: was könnte für Dich im späteren Berufsleben wichtig sein?

Ich denke es ist sehr wichtig, immer praxisnah auf dem aktuellsten Stand zu sein. Theorien nützen wenig, wenn sie in der Praxis kaum Relevanz haben und veraltet sind. Ich finde es aber auch wichtig, auch mal unkonventionelle oder ungewöhnliche Ansätze oder Konzepte präsentiert zu bekommen und kennenzulernen, um neuen Ideen Raum zu geben.

In diesem Zusammenhang finde ich es auch wichtig, möglichst viele, aktuelle technische Möglichkeiten zu arbeiten zu kennen und eben diese auch nutzen zu können.

Alles nur theoretisch anzugehen bringt nix, im Endeffekt lernt man es nur, wenn man es auch nutzt.

Michael Otto steht bereits lange mitten im Arbeitsleben. Hier die Fragen an ihn und seine Antworten – Michael, auch Dir ein Danke dafür:

Michael, Du arbeitest bei der Bayer Business Services GmbH (BBS). Was sind grob umrissen Deine Aufgaben? Bei welchen kommt das Thema Digital Workplace, Digitalisierung usw. zum Tragen?

Derzeit habe ich drei unterschiedliche Aufgaben.

Im Application Support arbeite ich in einem Team, welches die Prozessabläufe für einen Teilbereich von Bayer systemtechnisch betreut. Zudem bin ich seit kurzem Ansprechpartner für Lean Management, das wir einsetzen, um die effektive Zusammenarbeit kontinuierlich und nachhaltig zu verbessern.

Außerdem schule und berate ich seit mehreren Jahren Kollegen in der Nutzung unseres Enterprise Social Networks IBM Connections. Dabei bemühe ich mich, den Change of Mindset hin zu mehr Transparenz und Zusammenarbeit im Unternehmen zu unterstützen.

Das Thema Digitalisierung und Digital Workplace spielt tatsächlich in allen meinen Aufgaben eine Rolle. Ich nutze konsequent zentrale Informationsstellen, wie zum Beispiel eine Connections Community oder eine SharePoint Site, um transparent Informationen zur Verfügung zu stellen.

Bei der BBS finden wir Mitarbeitende jeden Alters. Welche Unterschiede bemerkst Du im Hinblick auf unser Thema bei den jeweiligen Generationen? Oder gibt es gar keine?

Generell habe ich den Eindruck, dass jüngere Mitarbeiter gegenüber Themen wie Digital Transformation oder Arbeiten im Enterprise Social Network aufgeschlossener sind als ältere Mitarbeiter. Allerdings erlebe ich den Unterschied bei den Generationen weniger deutlich als ich erwartet hatte. Es gibt auch viele junge Kollegen, die Social Media wenig interessiert, sowohl beruflich wie auch privat.

Marc, unser Gesprächspartner der sog. Generation Y / Digital Native, wird uns spätestens auf dem Summit begegnen. Ich hörte einmal, wir Älteren müssten Digital Natives werden. Was hälst Du von dieser Aussage?

Digital Natives wachsen mit der Digitalisierung auf. Wir Älteren (ich selbst bin 52) sind eher hineingewachsen, mit all den Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit sammeln konnten. Dadurch haben wir zwangsläufig eine andere Herangehensweise an das Thema, was ich durchaus vorteilhaft sehe.

Ich finde, unsere Erfahrungen ermöglichen uns, andere Perspektiven einzunehmen. Vielleicht geben sie uns auch den notwendigen Abstand, den Digital Natives oft nicht haben, um manche Entwicklungen kritischer zu betrachten.

Du arbeitest im Unternehmen auch mit jungen Menschen. Wie erlebst Du die „Digital & social Fitness“ der jungen Generation am Digital Workplace? Nimmst Du Unterschiede wahr zwischen denen, die im eigenen Unternehmen ausgebildet werden und denen, die als Externe z. B. von einer Hochschule kommen?

In meinem Bereich erlebe ich hauptsächlich junge Leute mit dualem Studium, die bereits in der Schule Informatik-Kurse belegt haben und mehrere Programmiersprachen beherrschen. Insofern sind sie mit dem Thema “Digital” aufgewachsen.

Anders sieht es meiner Meinung nach mit der “Social” Komponente aus. Wenn man von WhatsApp und vielleicht noch Instagram für die Kommunikation mit Familie und Freunden absieht, spielt Social Media kaum eine Rolle. Selbst wenn Facebook privat genutzt wird, wird das firmeninterne ESN oft nicht weiter beachtet.

Wir beide kennen all die Begriffe, die diskutiert werden. Digital Workplace, Social Networking & Collaboration, Working out Loud, Design Thinking, Digital Leadership und mehr. Wir wissen beide, dass diese den langjährigen, älteren Mitarbeitenden im Unternehmen nicht unbedingt so vertraut sind. Haben die „Jungen“ das Verständnis dieser Begriffe im Gepäck? Können sie jemanden wie Dich richtig gut unterstützen?

Meine Erfahrung zeigt, dass jüngere Kollegen nicht unbedingt aufgeschlossener gegenüber Digitalisierungs-Themen sind. Ältere Kollegen steigen dagegen oft mit viel Enthusiasmus in das Thema ein. Die Unterstützung, die ich erhalte, zum Beispiel momentan bei der Einführung von Working Out Loud bei Bayer, erfolgt sowohl von jungen Kollegen wie auch von “alten Hasen”.

Anfangs war ich überrascht und vielleicht etwas enttäuscht, dass weniger junge Leute mit unserem ESN arbeiten als ich dachte (und hoffte). Heute freut mich die Vielfalt an Kollegen jeden Alters, die ihre wertvollen Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven einfließen lassen. Für mich zeigt sich aber auch, dass im Firmenkontext Digital Natives alleine nicht ausreichen, um die Themen rund um “Digital” nachhaltig voranzubringen.

Unser #GenerationenTalk wird fortgeführt, mit etwas Glück demnächst mit einem persönlichen Treffen von Michael und Marc auf der Gartenbank, mit Sicherheit aber beim IOM Summit in Köln.

Ich mach’ mir derweil so meine Gedanken über die Aussagen der Beiden. Und der Gedanken sind’s viele, bei Ihnen auch?

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.