#ioms17 #GenerationenTalk Schon heute schlechte Karten für Marc? Er ist nicht auf Twitter!

Für viele von uns Älteren ist Twitter das angesagte Tool zur Vernetzung und Informationsbeschaffung, hier und da auch Diskussion. Ich selbst erinnere noch gut meine zwei Twitter-Anläufe: der erste unter Nickname-Anmeldung bestätigte die noch heute gültigen Klischees wie Ich muss nicht wissen, wer wann wo welchen Cappuccino trinkt und dauerte nicht wirklich lange. Der zweite Anlauf mit beruflichen Interessen und der damit verbundenen Möglichkeit des gezielten Netzwerk-Aufbaus hat das Stadium des Anlaufs längst hinter sich gelassen und dauert bis heute. Also Twitter und ich nun schon seit fast 10 Jahren in konstanter persönlicher Beziehung. Twitter kann ohne mich, ich mag aber nicht ohne Twitter. Erfolgsstory, Best / Good Practice-Beispiel – meine kleine persönliche Twitter-Story liefert alles an umfangreichen Erfahrungen, und, das überrascht jetzt nicht wirklich, nicht nur meine Story, sondern auch die der vielen anderen, die wie ich im aufkommenden Web 2.0 gestartet und durchaus ein wenig älter sind. Alt genug, um nicht nur die Twitter-Erfahrung, sondern die eines langen Berufslebens einzubringen.

Und dann ein Statement abzusetzen, wie ich es letztes Jahr (nicht zum ersten Male) hörte: Also ich würde heute keinen mehr einstellen, der nicht twittert.

Pech, lieber Marc, Student im zweiten Semester und, gemäß der Generationenklassifizierung Digital Native. Jetzt hast Du doppelt schlechte Karten, denn Dein Interview zeigte schon: Schule und Hochschule bereiten Dich nicht so richtig auf die digitale Arbeitswelt vor, und nun auch noch der Fauxpas, nicht zu twittern.

Die Fertigkeit als solche, einen Beitrag auf Twitter abzusetzen, deckt aber nicht unbedingt kompetent die Social Komponente ab, die Michael Otto im  Interview einbrachte (siehe Cappucino-Tweets). Halt stopp, mag Marc dem nun entgegenschmettern, schließlich sind wir auf Instagram und in anderen Netzwerken. Wir werden es morgen hören, wo sich die Jüngeren denn social tummeln.

Doch bleibt bei all dem social Getöse die Frage, ob die Postings, die Likes usw. denn wirklich die Komponente abdecken, die Michael vermisst. Seien wir doch mal ehrlich: nicht nur die Jungen kleben am SmartPhone, das geht durch alle Altersgruppen in allen Regionen. Wer es noch nicht weiß: ich lebe in der Nordeifel, und die Beteiligung in diversen Eifeler Facebook-Gruppen ist phänomenal. Wie auch die vieler anderer, die ich im Laufe meines Lebens kennenlernen durfte, die munter ihre Kreuzfahrt-Urlaubsfotos posten, im Enterprise Network hingegen vornehme Zurückhaltung üben oder sich gänzlich ducken. Na ja, im Unternehmen darf man ja meist auch nicht fotografieren und der Blick aus dem Bürofenster ist nicht jeden Tag spektakulär.

Und damit biegen wir in die Zielgerade mit der größten Hürde ein, die offensichtlich zu überwinden ist: die der Kompetenzen und damit in toto der Frage der Bildung. Überaus wichtig, hören wir ja auch derzeit verstärkt im laufenden Bundestagswahlkampf, und digital in allen Variationen oder Investieren in die Zukunft kommt richtig gut auf Plakaten und natürlich in Twitter-Posts. Würde einen die schleppende und zögerliche Realität nicht stets eines Besseren belehren, dann könnte man getrost vermuten: bald braucht’s kein Change Management mehr, kein Abholen der Mitarbeitenden, der Kulturwandel wird dank all derer, die digital gebildet rundum kompetent wurden, durchflutschen wie geschmiert. Schließlich gibt es auch unter Weiterbildnern hinreichend Angebote, die “Referenten und Trainern die erforderlichen Kompetenzen an die Hand geben“. Man möge mir nachsehen, dass ich ob solcher Statements skeptisch bin und noch eine Weile bleiben werde.

Wir müssen also noch ein wenig warten. Warten auf wirkliche Veränderung. Denn wohlgemerkt: Bildung ist ein Geschäft, eine Bildungsindustrie, im besonderen die der Weiterbildung. Da geht’s um Zahlen, Fakten, ROI (kommen die Kosten, die ich für Planen, Realisieren und Durchführen eines Kurses ausgebe, auch wieder herein?). Deswegen ja auch Bildungsmanagement. 

Da geht es um Abschlüsse, Noten, Zertifikate, den erfolgreichen Nachweis konkurrenzorientierter Leistungskonditionierung. Hier warten wir noch auf die disruptiven Ideen. Und werden noch eine Weile warten müssen, oder wie ist sonst Marcs Erfahrung aus Schule und Hochschule zu erklären? Gibt’s auch als Studie zum Nachlesen: Digitalisierung hat in Hochschulen einen schweren Stand. 

Aber was machen wir jetzt mit Marc, der sich noch mitten in der Konditionierung für eine Welt befindet, die es wohl übermorgen nicht mehr gibt? Wird Michael ihm Tipps geben können? Liegen Michael und Marc wirklich so weit auseinander in dem, was sie individuell einbringen und einbringen können/wollen? Wie macht sich Michael fit, wie Marc?

Wir werden es heute nachmittag um 17 Uhr hören, denn dann treffen die beiden das erste Mal aufeinander. Im HangOut, live im Kanal von Kongress Media.

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Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.




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