Die Anreicherung der unstrukturierten Inhalte um Kontext gewinnt langsam an Fahrt

Nun liegen die Intranet-Strategietage auch schon eine Weile zurück, aber ich hatte ja gesagt, dass noch Referenteninterviews folgen. Hier ist nun Nummer 2 mit Stephan Schillerwein:

Stephan, worum  geht es bei Deinem Seminar „Suche und Informationsarchitektur“?

Es geht um den größten Kritikpunkt, den Intranet-Benutzer in den meisten Unternehmen haben: man findet nichts. Die meisten Intranets haben sich – wie viele andere sogenannte Informationsmanagement-Systeme auch – zu großen Informationshalden entwickelt, in denen zwar sehr viel Wissen enthalten ist, das sich aber meist nur schwer oder gar nicht auch wieder auffinden und nutzen lässt. Dadurch gehen schier unvorstellbare Mengen an wertvoller Arbeitszeit verloren. Dieser Missstand kann mit einer Optimierung aller Finde-Mechanismen, also Suche, Navigation etc. verbessert werden.

Was ist für die Teilnehmer am Interessantesten?

Ich denke, es ist das Verständnis dafür, was durch die heutige Art mit Informationen umzugehen tatsächlich in den Unternehmen passiert. Jeder jammert über seine eigene ständig überquellende Mailbox und die Informationsflut im Allgemeinen. Was all die ungezählten Ineffizienzen in der Informationsarbeit aber gesamthaft Tag für Tag für das eigene Unternehmen bedeuten, ist noch nicht im Bewusstsein der Firmen angekommen. Und solange das nicht passiert, wird man natürlich auch nicht in die grundlegende Verbesserung der Situation investieren und sich mit „klein-klein“-Lösungen versuchen durchzuwursteln. Das kostet die Unternehmen natürlich Unsummen, frustriert die Mitarbeiter und senkt die Produktivität in drastischem Umfang, Es geht also in erster Linie darum, einen Hebel zu haben, durch den endlich Veränderung möglich wird. Und das ist für die Teilnehmer natürlich extrem wichtig, da sie in diesem Bereich heute meist gegen Windmühlen ankämpfen und keinen Schritt vorankommen.

 Welche Neuentwicklungen gibt es in diesem Bereich? Wohin wird es gehen?

Einige wichtige Tätigkeiten, die in der Vergangenheit rein manuell bewerkstelligt werden mussten, lassen sich heute sehr gut von intelligenten Systemen unterstützen. Ich denke dabei beispielsweise an die Unterstützung der Autoren bei der Vergabe von Metadaten, also zum Beispiel der Zuweisung von Schlagwörtern, also Tags, zu Inhalten. Das funktioniert ohne Systemunterstützung üblicherweise sehr schlecht. Schlaue Benutzerinteraktionen und Auto-Tagging können hier viel verändern.
Ansonsten geht der Trend auch in den Unternehmen in Richtung „Semantic Web“. Zwar mit sehr kleinen Schritten und meist nicht unter diesem Namen, aber die Anreicherung der unstrukturierten Inhalte um Kontext – also nutzbare Zusammenhänge – gewinnt langsam an Fahrt.

Stephan Schillerwein übernimmt beim IOM SUMMIT am Vormittag des 19. Juni das Seminar Intranet-Management.

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