Gestaltungsfaktoren auf dem Weg zum Social Intranet – vom IPI SUMMIT 2012

Ich war am Donnerstag und Freitag letzter Woche beim Jahreskongress unseres IOM-SUMMIT-Sponsors IPI GmbH in Lichtenau eingeladen und habe ein paar spannende Gedanken mitnehmen können, die ich gerne im Folgenden zur Diskussion stellen möchte.

Kurz vorweg – die IPI GmbH hat eine starke Spezialisierung im Bereich der Sharepoint-Projekte, was sich auch in meinen nachfolgenden Schlussfolgerungen niedergeschlagen hat:

1. Mehr Budget für Kommunikation und Training – als für die Implementierung

In seinem Vortrag zur Einführung eines “Social Intranet”-Ansatzes bei der Infineon stellte der Projektleiter Christian Mück einmal mehr die Bedeutung der Kulturwandel-Komponente für den Projekterfolg heraus. Mit einem Intranet-Relaunch versucht man bei der Infineon das Thema “weltweites Wissensteilen” auf eine neue Basis zu stellen. Dabei wurde auf eine Sharepoint/Newsgator-Lösung als dynamische Intranet-Komponente gesetzt. Mehr als 26000 Mitarbeiter an 30 Standorten und in fünf Sprachen sollen involviert werden. Dafür hat man sowohl die Vorstandsunterstützung als auch ein umfangreiches Kommunikations- und Trainingsbudget eingeplant. Die Anteile für die Kommunikation und das Training sind dabei so größer als der für die Implementierung.

Ein solcher “Jumpstart” ist sicherlich kritisch zu hinterfragen; wenn er denn aber gemacht werden soll, dann braucht es auch ein derartiges Vorgehen (sprich viel Kommunikation und Training zur Unterstützung der Verhaltensänderungen).

2. E20 Projekt braucht strategische Verortung zwischen Stabilität und Instabilität

In seinem Denkanstoß zum Mittagessen nahm unser E20 Expertenzirkel-Mitglied und Projektverantwortlicher der E20-Initiativen bei Amadeus, Dr. Hans-Jürgen Sturm, die Teilnehmer auf eine kurzweilige Reise in die Gedankenwelt von Prof. Dr. Peter Kruse. Er diskutierte den systemtheoretischen Ansatz von Kruse und seine Bedeutung für die Gestaltung des E20 Projektes. Dabei verwies er sehr schön darauf, dass E20 Initiativen immer beides unterstützen: sie führen zu einer Verbesserung (bzw. nach Kruse’s Worten zu Stabilität durch Prozessoptimierung) des aktuell gültigen Systems – z.B. durch Verbesserung des Informationsflusses oder der Zusammenarbeit innerhalb des Systems – und zu Veränderungen (bzw. nach Kruse Instabilität) des Systems – z.B. durch die prozessübergreifende Transparenz über die Unternehmensaktivitäten und das darinliegende Innovationspotential. Die E20 Projektentwicklung muss sowohl aus Sicht der begleitenden kulturellen Maßnahmen als auch des technologischen Entwicklungspfades die Rahmenbedingungen berücksichtigen und eine strategische Balance schaffen, damit das System vorankommt bzw. nicht aus den Fugen gerät.

In unserem E20 Expertenzirkel arbeiten wir gerade an einem Aktionsplan, der die Aktivitäten nach Stabilitäts- und Instabilitäts-fördernden Maßnahmen entlang des Entwicklungspfades der E20 Projekte betrachtet. Mehr dazu in Kürze.

Zu Kruse’s Gedankenwelt hier noch ein spannendes Video:

3. Technologieeinführung in kleinen Schritten mit Sharepoint-Hausmitteln

Alternativ zum “Jumpstart” von Infineon diskutierte Michaela Meusel von der IPI GmbH in einer praxisorientierten Workshop-Session ein schrittweises Vorgehen. Hier natürlich wieder entlang des Firmenschwerpunktes “Sharepoint”. Sie verwies darauf, dass Sharepoint mit den MySites ja bereits einige “Hausmittel” beinhaltet, die entsprechend konfiguriert und durch Webparts wie einer Tagcloud etc angereichert durchaus ein spannenden Startpunkt für ein Projekt bieten können. Gleichsam wies sie daraufhin, dass die Möglichkeiten natürlich nicht den Lösungen einer Newsgator-Erweiterung gleichkommt, aber durchaus das Potenzial für die sozialen Erweiterungen erlebbar machen können. Das Vorgehen unterstütze nach Ansicht von Meusel eine besseres “Abholen” der Nutzer auf dem Weg ins “Social”-Abenteuer.

In der Diskussion wurde dann aber auch der Einwurf gemacht – dass es mit diesem eher “handwerklichen” Ansatz eventuell auch zu Schwierigkeiten in der Adoption kommen könnte – da es “Web 2.0”-affine User nicht weit genug gehend ist und für “Web 2.0”-kritische User nicht spielerisch und einfach genug zu bedienen ist. Nach Michaela Meusel ist dieses Problem allerdings nur eine Frage des “Erwartungsmanagement”, wie und wo das Projekt positioniert ist.

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Abschließend ist zu sagen, dass das Thema “Social Intranet” für alle Vortragenden und Teilnehmer sehr real war. Sicherlich ist dies dem Fakt geschuldet, dass dort überwiegend Kunden eines Sharepoint-Dienstleisters waren, der bei dem Thema natürlich in einer Richtung schiebt. Dennoch fand ich, die Handlungsmotivation im Hinblich auf das “Social”-Thema bemerkenswert. Es zeigt, dass wir bei dem Thema nun ganz klar in der Umsetzungsphase angekommen sind und es wichtig ist, über die Gestaltungsparameter für die erfolgreiche Umsetzung zu diskutieren! Mit dem IOM SUMMIT wollen wir ja genau an diesem Punkt einen Beitrag leisten, worauf ich mich sehr freue.