#cebiteda 16 Netzwerk- vs. Linienorganisation? Rüdiger Schönbohm glaubt an die “Hybride” Organisation.

keynote_schoenbohmWill man die digitale Transformation vollständig durchdenken, führt kein Weg daran vorbei, auch den Blick auf Organisationsformen zu richten. Mehr noch: die Digital Enterprise Arena wird diesem Blick mit der Keynote “Netzwerk- vs. Linienorganisation – wie bringt man diese zusammen” am 17.03. gerecht.

Einer, der es wissen muß, ist Rüdiger Schönbohm, der bis 2015 das Konzernprojekt “Enterprise 2.0 und Social Business” der global operierenden BOSCH-Unternehmensgruppe leitete und seit 2016 als freiberuflicher Berater tätig ist. Wir haben Rüdiger Schönbohm als Vorgeschmack auf seine Keynote befragt.

Wenn Sie drei Hashtags nutzen können, um Ihre Keynote zu charakterisieren – welche wären dies?

#CustomerCentricity #FluidityOfResources #HybridOrganization

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptmerkmale der Netzwerk-Organisation von morgen?

Sb_Image_Kl_swIch glaube nicht an eine Organisation, die nur aus Netzwerkstrukturen besteht. Netzwerke haben große Vorteile in den Bereichen Effektivität, Kundenfokussierung, Schnelligkeit und Flexibilität. Kleine Netzwerke sind auch gut zu managen, bei großen tauchen allerdings ähnliche Schwierigkeiten auf wie in klassischen Organisationen: es braucht vertikale und horizontale Struktur, Regeln, Standards, Vereinbarungen, Schnittstellen und ähnliches mehr. Warum?

Ein Hauptvorteil von Netzwerken, ihre klare Ziel- und Kundenfokussierung und ihre stringente Ausrichtung auf die Aufgabe, ist gleichzeitig auch ihr größter Nachteil, vor allem dann, wenn die Anzahl Ziele bzw. Kunden für ein bestimmtes Business ansteigt: die Synergien sinken, Koordinationsaufwand und  Transaktionskosten steigen im Gegenzug überproportional an.

Daher ist die Herausforderung für zukünftige Organisationen, hier die Balance herzustellen: hohe Fokussierung auf Synergien und Prozesseffizienzen (functional excellence) bei etabliertem und damit planbarem Geschäft, hohe Agilität, Flexibilität und Geschwindigkeit bei Geschäftsinnovationen, sei es im Produkt-, Dienstleistungsbereich oder im Feld der Geschäftsmodelle. Deshalb gefällt mir der Begriff der „Hybriden“ Organisation so gut.

Wer wird in Bezug auf die Herausforderungen den größten Veränderungsbedarf, wir kennen auch gerne sagen, Veränderungsdruck verspüren?

Das ist schwer vorherzusagen, denn am Ende des Tages wird es nach meiner Überzeugung so gut wie alle betreffen, wenn auch vermutlich in unterschiedlichem Maße. Naheliegend sind sicherlich Branchen, die nahe am Endkunden operieren, wie z.B. der Handel oder die Unterhaltungs-/Medienbranche. Aber wir haben ja gesehen, dass die Digitalisierung mit ihren innovativen Geschäftsmodellen auch in ganz anderen Sektoren, sei es das Transport-, Hotel- oder Logistikgewerbe ihre Spuren hinterlässt.

Die Einschränkung auf B2C ist sicherlich nicht richtig, denn am Ende geht es ja immer um Business zwischen Menschen, also People (B2P). So würde ich diese Fragen auch beantworten: wo immer das Internet oder die Digitalisierung einen erheblichen Mehrwert/Nutzen/Erfahrung für den Kunden bringt oder aber ein Problem („Pain“) für den Kunden so löst, dass dieser bereit ist, dafür zu bezahlen, werden sich Geschäftsmodelle entsprechend verändern. Customer first!

Derzeit sind wir im Heute – wie weit ist dieses „Morgen” entfernt*?

Das „Morgen“ ist schon lange da. Dazu braucht man nur nach Asien oder Nordamerika blicken. Wir in Europa sind sehr langsam, ich fürchte zu langsam. Man braucht nur schauen, wo die erfolgreichsten Companies der Net Economy herkommen und welche Marktmacht sie in kürzester Zeit, auch durch unser Mittun (amazon!), erlangt haben. Da haben wir in Europa wenig entgegenzusetzen.

Wir halten gerne an Bewährtem fest und sehen häufig in Veränderungen eher eine Bedrohung statt eine Chance. Sicherlich gibt es das eine oder andere Startup von hier mit guten, vielversprechenden Ideen. Aber beobachten Sie doch mal, wo diese Startups dann hin wandern, wenn sie sich etabliert und eine kritische Größe erreicht haben… Das müsste sich aus meiner Sicht schleunigst ändern, soll Europa nicht der große Verlierer der Digitalisierung werden.

Es fehlt uns dabei überhaupt nicht an Wissen, sondern dem Mut und Zuversicht, dieses Wissen auch umzusetzen. Wir müssen wieder lernen, Risiko zu managen statt es zu verhindern. Mein Motto daher: „Embrace change to grow and enjoy the ride“…

Danke an Rüdiger Schönbohm, live auf der Digital Enterprise Arena am 17.03.2016 um 14:10 Uhr

*Die Frage nach einem “Morgen” bezog sich auf einen ursprünglichen Arbeitstitel der Keynote. Die Antwort wollten wir aber auch nach Thema-Aktualisierung nicht vorenthalten.

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Ellen Trude
Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.