#cebiteda16 Watson, übernehmen Sie! Stefan Pfeiffer stellt das Ergebnis der Blogparade vor.

Stefan PfeifferStefan Pfeiffer, IBM, formulierte die folgenden Fragen für seine Blogparade mit dem Titel “Watson, übernehmen Sie?! Auf kognitive Funktionen kann nicht verzichtet werden – #SchlauerArbeiten #Blogparade”:
Watson, übernehmen Sie?!

Kognitive Technologien wie IBM Watson beeinflussen und verändern unsere Arbeitswelt. Oder doch nicht? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wo und für welche Tätigkeiten würdet Ihr gerne intelligente Systeme als Hilfe haben, die Eure Arbeit erleichtern? Wollt Ihr den kognitiven Assistenten, der bei der Arbeit hilft? Wie wird sich die Arbeitswelt durch Systeme der künstlichen Intelligenz verändern?

Erste Einblicke in das Ergebnis der Blogparade erhalten wir heute.

Stefan – Du hast im Dezember eine Blog-Parade – sprich eine digital verteilte Diskussion – mit Experten-Meinungen zum Einfluss von kognitiven Systemen auf die Arbeitswelt von heute und morgen gestartet. Was ist Dein Fazit zu den bisherigen Beiträgen und Meinungsäußerungen?

Ziel dieser Blogparade ist es, die Diskussion zum Thema Cognitive Computing oder künstliche Intelligenz in Verbindung mit klassischen Themen der Kollaboration und Kommunikation, Zusammenarbeit, der Arbeitswelt von heute und morgen und auch der Weiterentwicklung von E-Mail und internen sozialen Netzwerken voranzutreiben. Es soll um Chancen, aber auch um Zweifel und Risiken bei der Nutzung kognitiver Technologien im Arbeitsumfeld gehen.

Ich freue mich sehr, dass wir bereits zahlreiche gute Debattenbeiträge aus unterschiedlichen Bereichen bekommen haben (siehe in der Kommentarspalte unter dem Ausgangsbeitrag). Es haben sich bislang Journalisten, ITler, Consultants und Marketing-Verantwortliche beteiligt. Es zeigt auf jeden Fall, dass es ein Thema ist, dass viele bewegt und mit dem sich auch viele Wissensarbeiter beschäftigen. Das Medienecho auf die Themen künstliche Intelligenz und Roboter ist derzeit ja auch sehr groß, konzentriert sich allerdings leider hauptsächlich auf die Frage, wie viele Arbeitsplätze in Zukunft verloren gehen.

Die Beiträge zu unserer Blogparade sind da differenzierter, was sicher auch damit zu tun hat, dass sich hier Menschen beteiligen, die tagtäglich mit digitalen Werkzeugen und Hilfsmitteln arbeiten und sehr genau wissen, wo die Herausforderungen der Digitalisierung liegen und welche Chancen entsprechende Hilfsmittel bieten. Denn die Herausforderungen sind bei vielen ähnlich: Wie gehe ich mit der Flut an Informationen und Inhalten um, der ich als Journalist, als ITler, als Marketeer, Service-Mitarbeiter oder Versicherungsvertreter ausgesetzt bin? Wie schaffe ich es, mit auf das zu konzentrieren, was wichtig ist?

Hier sehen viele die Chancen digitaler Assistenten und künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig betonen alle Diskutanten jedoch, dass der menschliche Faktor – etwa hinsichtlich Kreativität und der letztendlichen Entscheidung, was wichtig ist und was nicht – etwas Einzigartiges ist, was nicht so einfach durch Maschinen ersetzt werden kann.

Was ist der Konsens der Beiträge zum Einfluss der kognitiven Systemen auf das digitale Arbeiten? Wo liegt der Schwerpunkt? Beim Filtern von Informationen und Fokussieren auf die relevanten Infos und Aufgaben?

Die meisten Beiträge kümmern sich um ganz konkrete Fragen des Alltags in der Wissensarbeit und wie Systeme künstlicher Intelligenz hier helfen können. Das Herausfiltern und die Vorauswahl relevanter Informationen sowie die Hilfe im Dschungel digitaler Daten spielen hierbei die größte Rolle.

Ich höre hier heraus, dass es ein großes Bedürfnis nach Vereinfachung und Überschaubarkeit gibt. Die Vorzüge der Digitalisierung erkennen zwar alle an, gleichzeitig fühlen sich viele jedoch herausgefordert und teilweise überfordert und erhoffen sich von kognitiven Systemen Hilfe. Einen weiteren wichtigen Aspekt hierbei hat ein Kommentator allerdings auch erwähnt: Wir sollten uns nicht nur darauf konzentrieren, ineffiziente Prozesse mit technischen Hilfsmitteln besser zu managen. Vielmehr sollten wir uns auch fragen, wie wir diese Prozesse grundsätzlich verbessern, eventuell auch mit digitaler Hilfe, aber eben auch mit menschlicher Kreativität und menschlichem Erfindergeist. Es sollte also idealerweise um eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gehen.

Übrigens: Die Blogparade ist noch offen und es gibt also noch die Möglichkeit sich zu beteiligen. Ich freue mich über jeden weiteren Beitrag!

Das Thema treibt Dich auch insbesondere um, weil die IBM als Dein Arbeitgeber in kognitiven Systemen à la Watson gerade die Zukunft sieht. Wo stehen wir da in Sachen technologischer Marktreife? Ab wann sind die Technologien für jedermann verfügbar?

IBM Watson generell ist ja schon in vielfältigen Projekten im Einsatz und in vielen Industrien kommen immer mehr Anwendungsfälle hinzu. Ob es nun der elektronische Bankberater ist oder intelligente Lösungen in der Krebsbehandlung. Es gibt bereits unzählige Anwendungsgebiete für zahlreiche Industrien. Über viele Projekte dürfen wir gar nicht sprechen, da sich die Unternehmen natürlich dadurch Wettbewerbsvorteile versprechen. Wichtig ist, dass 28 APIs von Watson über Bluemix in der Cloud verfügbar sind. Jeder kann also damit beginnen, Lösungen zu bauen. Eine rieisge Marktchance für Software-Entwickler, Systemhäuser oder auch Anwendernunternehmen selbst.

Im Bereich Kollaboration und Kommunikation werden wir noch in diesem Jahr Lösungen von der IBM sehen. Da werden intelligente Assistenten bei der Terminkoordination helfen. Oder aber der virtuelle, persönliche Assistnet analysiert die E-Mails, filtert die ToDos heraus und schlägt konkret vor, wie geantwortet werden soll. Ein Beispiel: In der E-Mail steht “Kannst Du mir bitte die letzte Präsentation zum Thema Cognitive und Zusammenarbeit schicken?” Das erkennt der Assistent, sucht die letzte und aktuellste Version heraus und schlägt sie mir direkt als Antwort vor. Solche und andere persönliche Assistenz- und Expertenfunktionen werden wir ab Mitte des Jahres sehen und das bietet die Chance, den Markt für E-Mail und Collaboration zu revolutionieren.

Welche nachhaltigen Veränderungen für die Arbeitswelt siehst Du mit diesem Einsatz von intelligenten Agentensystemen? Welche Jobs und Aufgaben werden überfällig? Welche neue Jobs und Aufgaben ergeben sich?

Ich sehe vor allem zwei Kernbereiche: Lästige Routinetätigkeiten wie Termin planen, Dateien heraussuchen, generell das nervige Suchen der Nadel im Heuhaufen werden von den oben beschriebenen persönlichen Assistenten übernommen. Hinzu kommt intelligente Hilfe bei der Gewichtung von Informationen und E-Mails, indem beispielsweise darin enthaltene Termine und Aufgaben erkannt werden.

Das zweite wichtige Einsatzgebiet liegt im Expertenwissen. Ich kann Watson mit meinen Unternhemensinformationen oder Informationen zu meinem Fachgebiet füttern. Watson lernt dann durch die Informationen und durch die Beantwortung von Fragen.

Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob durch diese Anwendungsfälle so viele Arbeitsplätze wegfallen werden. Werden solche Expertensysteme wie oben beschrieben den Call Center-Agenten oder Mitarbeiter im Support überflüssig machen oder sind sie ein Werkzeug für ihn, das beim besseren Beantworten von Fragen hilft? Das wird interessant zu beobachten sein. Analog zur Industrialisierung werden wenn, dann standardisierbaren und automatisierbaren Routinenjobs wegfallen.

Für den Wissensarbeiter erhoffe ich mir, dass der durch die Entlastung von Routinetätigkeiten einfach mehr Zeit für die eigentliche Arbeit haben wird. Das ist bei der derzeitigen Überlastung gerade in diesen Bereichen eine willkommene Entlastung.

Im Rahmen der CeBIT Enterprise Digital Arena haben wir Dich gebeten – rund um Deine Blog-Parade ein paar Experten auszuwählen und einzuladen. Ihr diskutiert am 16.03. um 17:00 Uhr auf unserer Bühne. Was können wir erwarten?

Ich denke, es geht erst einmal darum, Orientierung zu diesem Thema zu geben und die Möglichkeiten aufzuzeigen, dabei aber potentielle Gefahren nicht zu verheimlichen. Die Podiumsteilnehmer Joachim Haydecker, Jörg Allmann und Axel Oppermann sind ja langjährige Experten, die mit einem kantigen Profil und ihren eigenen Gedanken im Markt stehen. Sie sind sicher niemand, die einfach mal die Aussagen von Anbietern gedankenlos nachbeten.

Wichtig ist aber auch, dass wir in der Diskussion aus unser Komfortzone rausgehen und in die Zukunft blicken. Kognitive Technologien verändern schon jetzt die Welt und werden sie auch im Thema Kollaboration und Kommunikation dramatisch verändern.

Ich plädiere hier dafür, vor allem die Chancen zu sehen und zu ergreifen und nicht wieder nur in typisch deutscher Manier über vermeintliche Risiken zu palavern.  Ja, wir müssen Risiken unbedingt bewerten, aber vor allem müssen wir gestalten und nicht wie das Häslein vor der Schlange sitzen.

Stefan, ein Danke für die Zusammenfassung und den Ausblick auf Eure Diskussion.

The following two tabs change content below.
Ellen Trude
Ellen Trude, nach 28 Jahren Tätigkeit in Aus- und betrieblicher Weiterbildung der Bayer AG mit stets neuen und meist innovativen Projekten und Aufgaben nunmehr in einer gesunden Mischung aus Vorruhestand und Aktivitäten rund um Workplace (Arbeiten 4.0 / Digitalisierung) und Lernen (Lernen 4.0 / Social Learning) unterwegs - meist digital.