Kompetenz statt Qualifizierung – Mitarbeiter für den Digital Workplace befähigen

Gastbeitrag von Timo Mornhinweg, Digital Workplace Expert bei Know How! AG

Erinnern Sie sich noch an den ECDL? Das war vor ca. 10 Jahren ein großer Hype: der Europäische Computer-Führerschein. Mit so spannenden Themen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sollten digitale Kompetenzen gestärkt werden. Das Ziel ist auch heute noch aktuell – nur dass sich die Kompetenzen komplett verändert haben. Und damit auch der Weg, wie sie vermittelt werden. Oder wollen Sie heutzutage noch in eine „Qualifizierungsmaßnahme“ gesteckt werden?

Digitale Kompetenzen sind die Grundlage für das Gelingen der digitalen Transformation

Die wichtige Frage zuerst: Was sind digitale Kompetenzen? Wenn ich mit Unternehmen spreche, lautet die Antwort oft: „Das müssen Sie mir doch sagen“. Das heißt, dass viele gar nicht so genau wissen, wie sie ihre Mitarbeiter fördern können.

Ich möchte mal versuchen, die Frage zu beantworten, ohne konkrete Kompetenzen zu benennen, denn ich habe gemerkt, dass diese teilweise im Kontext nochmal anders interpretiert oder verstanden werden. Es geht darum, wie wir in der neuen Arbeitswelt kollaborieren oder zusammenarbeiten. Früher haben wir Applikationen – z.B. ganz klassisch Word, Excel, PowerPoint – geschult, aber heute und auch in der Zukunft schulen wir eher „Use Cases“, also eben diese konkreten Aufgabenstellungen, mit denen sich die Mitarbeiter/innen bei ihrer täglichen Arbeit beschäftigen müssen. Und da spielen ganz viele verschiedene Faktoren mit hinein.

Zum Beispiel wird die Arbeitswelt zukünftig unpersönlicher, im Sinne, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen nur virtuell kenne und mit denen zusammenarbeiten muss. Da ist aber die spannende Frage: Wie komme ich an diese Leute? Ein möglicher Use Case oder eine Kompetenz wäre dann zu schauen: Wie finde ich Experten? Wie filtere ich in dem Kontext Informationen? Bekomme ich die über mein Netzwerk, Google, andere Plattformen, Fachliteratur?

Dann werden sich unsere Arbeitswelt und die Situation an unseren Arbeitsplätzen sehr schnell weiter verändern. Das heißt auch, dass es immer wieder neue Tools, neue Möglichkeiten gibt, wie ich meine Aufgabenstellungen erarbeite und bearbeite. Und da ist sicherlich auch die Kompetenz gefragt, wie schnell ich mir neue Werkzeuge für meine tägliche Arbeit aneignen kann. Einige große Firmen reden da auch von „Learnability“ und „Learnagility“. Und das finde ich schon auch einen spannenden Ansatz, sich zu überlegen: Was können Unternehmen dafür tun, dass sie bestmögliche Bedingungen schaffen, damit die Mitarbeiter/innen sich so etwas aneignen können.

Quelle: https://pixabay.com/de/netzwerke-personen-nutzer-3017395/

Qualifizierung vs. Kompetenzentwicklung – neue Wege für die Befähigung!

Natürlich werden Mitarbeiter/innen auch zukünftig qualifiziert – aber halt anders als bisher. Das fängt beim Namen an, weil kaum noch jemand an einer „Qualifizierungsmaßnahme“ teilnehmen will. „Kompetenzentwicklung“ ist nicht nur marketingtechnisch der bessere Begriff, sondern drückt auch viel besser aus, worum es in Zukunft gehen soll: die Mitarbeiter/innen für den Digital Workplace zu befähigen.

Da kommen verschiedene Aspekte zusammen: Use Cases statt Klickschulungen, wie schon angesprochen. Dann Mobile Learning, das in einer agilen Arbeitswelt viel mehr Freiraum zulässt und Möglichkeiten schafft, durch Apps etc. Performance Support, also die Unterstützung direkt am Arbeitsplatz. Und für Unternehmen, deren Corporate Learning schon viele Angebote umfasst, das Learning Ecosystem. Das greift den Gedanken des Digital Workplace auf und vernetzt alle „Lerninseln“ miteinander, damit die Lernenden über eine zentrale Plattform auf alles zugreifen können.

Über Timo Mornhinweg

Timo Mornhinweg ist Digital Workplace Expert bei der Know How! AG und beschäftigt sich intensiv mit der Befähigung (oder neudeutsch dem Enablement) der Mitarbeiter für den Digital Workplace und die digitale Transformation. Zu finden ist Timo Mornhinweg auf XING, Twitter oder im Blog der Know How! AG.