Stephan Grabmeier: Im Paradigmenwechsel von komplizierten zu komplexen Systemen bedarf es neuer Formen von Steuerung und Führung! #ioms18

Es sind nur noch drei Wochen bis zum IOM SUMMIT 2018 – und daher starten wir nun langsam in den Endspurt und möchten hier noch ein paar spannende Themen “andiskutieren”, die beim IOM SUMMIT auf der Agenda stehen. Ein Thema der Veranstaltung ist natürlich auch die Transformation der Organisation. Dabei zeigt sich immer wieder ein Spannungsgefüge zwischen “stabiler und effizienter Produktivität” und “zum Teil chaotischen Veränderungsprozessen” auf – das unter dem Schlagwort “Ambidextrie” diskutiert wird. Wir freuen uns sehr, dass wir für die Diskussion dieses Themas Stephan Grabmeier, Chief Innovation Officer bei Kienbaum, für eine Keynote am zweiten Konferenztag gewinnen konnten.

Stephan Grabmeier war ehemals “Leiter des Centers of Excellence Enterprise 2.0” sowie “Head of Cultural Initiatives” der Deutschen Telekom und in dieser Funktion schon früher Teilnehmer und Referent unserer Veranstaltungen. Im Interview haben wir ihn zum Thema seines Vortrags zum IOM SUMMIT 2018 befragt.

1) Stephan – Du wirst beim IOM SUMMIT einen der Einführungsvorträge am 2. Konferenztag halten. Dabei diskutierst Du das neue Schlagwort “Ambidextrie”. Was können wir erwarten?

Stephan Grabmeier: Die Ambidextrie mit der Beschreibung der “Beidhändigkeit” ist nichts neues. Es mag sein, daß es gerade als Schlagwort behandelt wird. “Explore” und “Exploit” – die ähnliches ausdrücken – sind gängige Beschreibungen im Innovationsmanagement. Die Definition beschreibt die teils “schizophrenen” Zustände zwischen Agilität und Stabilität, die wir in unseren Organisation erleben und oft noch nicht in Lage sind, in der nötigen Art und Weise damit umzugehen.

2) In der Wikipedia wird Ambidextrie als die Fähigkeit “gleichzeitig effizient und flexibel zu sein” definiert – dabei wird dann noch nach Gibson/Birkinshaw die kontextuelle (Ambidextrie mit Bezug auf die Ablauforganisation und das Management) und strukturelle (Bezug auf die Aufbauorganisation) Ambidextrie unterschieden. Was verstehst Du darunter?

Stephan Grabmeier: Ich verstehe es genauso wie es beschrieben ist. In der Praxis sind das die großen Herausforderungen. Wie sind Unternehmen denn gleichzeitig “effizient und flexibel”, “stabil und agil” oder wie führen wir zeitgleich “transaktional und transformational”. Wie schaffen wir es solche Zustände zu “steuern und auszuhalten”? Wir haben bildlich gesprochen noch keinen Schieberegler, den wir situativ bedienen. Aber genau den brauchen wir. Wir müssen lernen, mit dieser Multikultur und Vielfalt umzugehen. In komplexen Systemen brauchen wir Vielfalt anstelle Einfalt – die größte Managementaufgabe dieser Zeit.

3) Wie hilft das Konzept der Ambidextrie die digitale Transformation besser zu verstehen und erfolgreich zu
machen?

Stephan Grabmeier: In der Digitalen Transformation sind wir im Paradigmenwechsel von komplizierten zu komplexen Systemen, von Linearität zu Exponentialität. Um in diese Systemzuständen zu navigieren, bedarf es neuer Formen von Steuerung und Führung. Das Design einer ambidextren Organisation ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Digitale Transformation.

4) Wo siehst Du den Digital Workplace und die darin integrierten Produktivitäts- und Kollaborationswerkzeuge in diesem Zusammenhang (zur Ambidextrie-Denke als Herangehensweise an die digitale Transformation)?

Stephan Grabmeier: Was wir vor 8-10 Jahren mit Enterprise2.0 begonnen haben, sollte mit dem Digital Workplace der Kern der ambidextren Infrastruktur eines Unternehmens sein. Gut gestaltet – bietet der Digital Workplace einerseits die Stabilität um Effizient und smart von überall arbeiten zu können und andererseits die Flexibilität in Netzwerken und agil in Projekten zu agieren. Natürlich immer transparent, mit hoher Datenanalytise und “always mobile”. Je professioneller der Workplace ist – umso besser können wir beidhändig arbeiten.

5) Mit welchen Erwartungen kommst Du zum IOM SUMMIT?

Stephan Grabmeier: Ich freue mich, den IOM Summit wieder zu besuchen. Die letzten Jahre habe ich es leider nicht geschafft. Ich bin gespannt, wie sich die “Digital Workplace”-Bewegung auch über den “Workplace”-Tellerrand entwickelt hat. Mich beschäftigen viele Fragen der Transformation und Innovationen in unseren Unternehmen und unserer Gesellschaft. Ich freue mich daher sehr auf ein Wiedersehen und gute Diskussionen.